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02. August 2010

Hessen: Burschenschaften im Visier

 Von Joachim F. Tornau
Frankfurts IHK sitzt im Gebäude der Alten Börse Foto: Rolf Oeser

Zwei Studentenverbindungen laden zu Veranstaltungen ein, zu denen auch rechtsextreme Burschenschafter erwartet werden. Und das in den Räumen der IHK Frankfurt.

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Burschenschaften

Die Deutsche Burschenschaft (DB) ist einer der wenigen verbindungsstudentischen Dachverbände mit politischem Anspruch. Die 120 Mitgliedsbünde in Deutschland und Österreich bewegen sich teils unverhohlen am rechten Rand.
Mitglied werden dürfen nur männliche Studenten, die zum deutschen „Volkstum“ gehören – unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit. Auf dem Burschentag 2010 musste sich die DB ausdrücklich zu denokratischen Grundrechten bekennen, um weiteren Imageschaden wegen rechtsextremer Vorkommnisse in Verbindungshäusern abzuwenden und Austritte zu verhindern. In dem Beschluss kommt das Asylrecht bezeichnenderweise allerdings nicht vor – stattdessen ein „Recht auf Heimat“.
In der Handwerkskammer Hamburg konnten sich die örtlichen Korporationen jahrelang zum „Verbändekommers“ treffen. Erst 2009 sorgten Proteste dafür, dass die Verbindungen wieder ausgeladen wurden. jft

Die Gießener Burschenschaft Dresdensia-Rugia machte als Kaderschmiede für die rechtsextreme NPD Schlagzeilen. Bei der Burschenschaft Germania in Kassel durfte der mittlerweile gestorbene Neonazi und Rechtsanwalt Jürgen Rieger gegen Ausländer hetzen. Die Burschenschaft Germania-Halle zu Mainz bat Ritterkreuzträger Hajo Herrmann zum Vortrag – hochdekorierter Flieger der Wehrmacht und bis heute unbeirrter Vorkämpfer für die „nationale Sache“. Und auch bei den Marburger Burschenschaften Germania und Rheinfranken haben sich immer wieder rechte Referenten präsentiert.

Die Frankfurter Industrie- und Handelskammer (IHK) aber scheint all das nicht zu stören: In ihrem Festsaal sollen am 6. November gleich zwei verbindungs-studentische Veranstaltungen über die Bühne gehen, zu denen auch rechtsextreme Burschenschafter herzlich willkommen sind. Tagsüber lädt der Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA), ein bundesweiter Zusammenschluss von Korporationsverbänden, zum „10. Deutschen Akademikertag“. Und abends wollen sich rund 200 ehemalige und aktive Verbindungsstudenten zum „Rhein-Main-Kommers“ treffen, um sich buntbemützt und farbentragend dem Genuss von Bier und erbaulichen Reden zu widmen.

Ausgerichtet wird der Kommers von der „Vereinigung der Akademikerverbände Frankfurt“ (VAV). Deren Vorsitzender Günter Paul sieht keinen Grund, irgendeiner Verbindung die Teilnahme zu verwehren: „Unsere Kommerse sind für alle Korporierten und deren Gäste offen“, erklärt der Rechtsanwalt der Frankfurter Rundschau. Denn bislang sei noch nie jemand „unangenehm mit Ideen oder Verhaltensweisen aufgefallen, die bei uns nicht geduldet würden“.

Beim „Deutschen Akademikertag“ sind die Burschenschaften sogar so etwas wie Mitveranstalter: Ihr Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB) gehört dem CDA an – anders als die bloß konservativen Corps, die den Zusammenschluss schon vor Jahren verlassen haben: wegen des rechtslastigen Kurses der DB. „Die Deutsche Burschenschaft“, bestätigt die Gießener Politologin Alexandra Kurth, Kennerin des Korporationswesens, „ist ein Verband, in dem der Rechtsextremismus fest verankert ist“. Das Verbandsorgan wird von einem ehemaligen Führungskader der verbotenen Freiheitlichen Arbeiterpartei (FAP) herausgegeben; einzelne Mitgliedsbünde wurden schon vom Verfassungsschutz beobachtet.

Dennoch, sagt Kurth, gebe es auf lokaler Ebene in den Unistädten immer noch gute Kontakte zwischen Burschenschaften und gemäßigteren Verbindungen. „Die interkorporative Zusammenarbeit vor Ort funktioniert nach wie vor gut“, meint die Expertin. „Dafür ist auch der Rhein-Main-Kommers ein typisches Beispiel.“ Vereinbart wurde die Kooperation über organisatorische und weltanschauliche Grenzen hinweg vor genau 30 Jahren: Der runde Geburtstag des „Bonner Papiers“, das die hochschulpolitische Kooperation festschrieb, soll beim Akademikertag in der Frankfurter IHK gefeiert werden.

Bei der Kammer hatte offenbar niemand Bedenken, den Korporierten den Saal zu überlassen – gegen Miete. „Die Räume der IHK sind für Organisationen aus Wirtschaft und Gesellschaft für eigene Veranstaltungen zu buchen, soweit die Kapazitäten nicht selbst benötigt werden“, teilt eine IHK-Sprecherin mit; und mehr ist ihr auch nach zehntägiger Bedenkzeit nicht zu entlocken.

Für den IHK-kritischen „Bundesverband für freie Kammern“ (bffk) ist all das ein Unding. Eine Kammer, Körperschaft des öffentlichen Rechts, sei „in besonderer Weise zur Sorgfalt verpflichtet, wen sie in ihre heiligen Hallen lässt“, grollt bffk-Sprecher Kai Boeddinghaus. Studentenverbindungen hätten als „tendenziöse Gruppierungen“ nichts in einer Kammer verloren, auch nicht als Mieter. „Und wenn sie dann auch noch dem rechts-braunen Rand zuzuordnen sind, wird’s richtig unappetitlich.“ Bleibe es bei den Terminen, behalte man sich eine Klage vor, droht Boeddinghaus. Kammerkritische Unternehmer, die dazu berechtigt wären, gebe es im Rhein-Main-Gebiet genug.

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