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Hessen: Maulkorb für Rottweiler

Das Land aktualisiert seine Hundeverordnung: Nun stehen neue Rassen auf Liste der gefährlichen Vierbeiner. Von Jutta Rippegather

Auch Rottweiler müssen künftig zum Wesenstest und dann eventuell an die kurze Leine. Dieser hier will allerdings tatsächlich nur spielen.
Auch Rottweiler müssen künftig zum Wesenstest und dann eventuell an die kurze Leine. Dieser hier will allerdings tatsächlich nur spielen.
Foto: ddp

Ascos Halter ist kurz vor Weihnachten gestorben. Ein neues Zuhause für den siebenjährigen Rüden zu finden, ist nicht einfach - erst recht nicht jetzt: Seit Jahresanfang stehen Rottweiler wie Asco auf der Liste der Rassen, die das hessische Innenministerium als gefährlich einstuft. Die Folge: Sie müssen einen Wesenstest bestehen, und es könnte sein, dass die Hundesteuer richtig teuer wird.

In der Zeit zwischen 2004 und 2007 haben Rottweiler und deren Mischlinge in Hessen 88 Mal Menschen gebissen, 111 Mal andere Hunde. Damit begründet der Sprecher des Innenminsteriums, dass die Tiere mit den gedrungenen, kräftigen Körpern jetzt auf der Liste der gefährlichen Rassen stehen - wie bereits in Bayern, Hamburg oder Nordrhein-Westfalen. Trotz mehrfacher Nachfrage der Frankfurter Rundschau rückt der Ministeriumssprecher nicht die gesamte Beiß-Statistik heraus. Er sagt nur, dass es mit Schäferhunden zwar weitaus mehr Vorfälle gegeben habe, doch deren Population sei auch wesentlich größer.

Listenhunde

Zehn Rassen sind als vermutlich gefährlich aufgelistet: Pitbull-Terrier, Staffordshire Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier, American Bulldog, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Kangal, Kaukasischer Owtscharka, Rottweiler.

Gefährlich sind zudem Hunde, - die einen Menschen gebissen oder unbegründet bedrohlich angesprungen haben;

- die ein anderes Tier oder einen sich unterwerfenden Artgenossen gebissen haben, ohne selbst angegriffen worden zu sein;

- andere Tiere hetzen oder reißen;

- sich so verhalten, dass sie Menschen oder Tiere ohne begründeten Anlass beißen könnten.

Neu ist auch, dass der Mastiff und Mastino Napoletano - mangels Masse - auf der neuen Liste nicht mehr auftauchen. Außerdem gibt es Veränderungen bei den vorgeschriebenen Rhythmen für den Wesenstest. Früher musste jeder Listenhund alle zwei Jahre zur Prüfung. Jetzt sind vierbeinige Senioren von dieser Auflage völlig befreit - die anderen müssen nur noch alle vier Jahre zur Prüfung.

Teurere Zeiten

Für Rottweiler-Freunde aber brechen wohl teurere Zeiten an. Erst recht für jene, die sich nach dem 31. Dezember 2008 einen solchen Hund zugelegt haben oder es beabsichtigen. Für die anderen gilt laut Ministerium eine "Bestandsschutzregelung". Für sie entfällt die Erlaubnispflicht, ihre Gefährlichkeit werde "nicht vermutet". Bedingung: Sie müssen bis Ende Juni bei den Behörden angemeldet werden.

Nicht nur der Wesenstest geht ins Portemonnaie eines Listenhund-Besitzers. Noch stärker schlägt die erhöhte Hundesteuer zugute, die manche Kommune für diese Rassen verlangt. Frankfurt zum Beispiel verlangt mit 900 Euro im Jahr das Zehnfache dessen, was ein Dackel oder Retriever kostet. Ob der Rottweiler-Besitzer künftig auch kräftig zur Kasse gebeten wird, ist nach Auskunft des städtischen Steueramts noch nicht entschieden. Schätzungsweise 700 bis 1000 Rottweiler würden in Frankfurt gehalten. Im Jahr 2007 habe es mit ihnen vier Beißvorfälle gegeben, Schäferhunde und deren Mischlinge bissen in diesem Zeitraum elf Mal zu.

Dass der Rottweiler jetzt auf der Liste steht, "ist reine Willkür", sagt Cornelia Konrad, Tierärztin und Mitstreiterin beim Verein "TierfreundLich" in Lich bei Gießen. Wie ihre Vorgänger sei auch die neue Hundeverordnung ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für Anwälte und Richter. Nicht nur wegen der Ungleichbehandlung der Rassen. Diensthunde seien prinzipiell ausgenommen und künftig könne jeder Pekinese zum regelmäßigen Wesenstest verdonnert werden. Denn in Paragraf 2 ist nachzulesen: "Gefährlich sind auch die Hunde, die aufgrund ihres Verhaltens die Annahme rechtfertigen, dass sie Menschen oder Tiere ohne begründeten Anlass beißen."

Ladenhüter im Tierheim

Konrad bleibt dabei, dass die Rasseliste das falsche Instrument ist, um die Menschen vor gefährlichen Vierbeinern zu schützen: "Auch die neue Hundeverordnung ist Murks", lautet ihr Fazit. Und sie fragt, ob die Landesregierung für Rottweiler wie Asco auch bereit ist zu zahlen: "Denn die werden zu Ladenhütern in den Tierheimen und, die bleiben auf den Kosten sitzen."

Autor:  JUTTA RIPPEGATHER
Datum:  27 | 1 | 2009
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