Hitzefrei am ersten Schultag - so wäre es in Hessen gewesen, wenn der Unterricht für die 689.000 Jungen und Mädchen an den allgemeinbildenden Schulen schon gestern begonnen hätte. Bis die Schule am Montag anfängt, soll es jedoch ein paar Grad kühler werden. Nur Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) musste schon am heißen Donnerstag ran. Sie gab in Wiesbaden Auskunft über Änderungen zum neuen Schuljahr.
Überwiegend gute Nachrichten hatte sie mitgebracht. "Wir haben nicht nur die Budgets für Lernmittel und Ganztagsangebote deutlich erhöht, sondern auch sichergestellt, dass die Schulen personell gut ausgestattet sind", sagte Henzler. Die Opposition sah hingegen keinen Grund zum Jubeln. "Die Ministerin lobt sich selbst, die Wirklichkeit an den Schulen sieht jedoch anders aus", sagte der Grünen-Bildunspolitiker Mathias Wagner.
54.000 Erstklässler kommen am Montag in Hessen in die Schule. So schätzt es das Kultusministerium. Das wären 1000 mehr als im vergangenen Schuljahr.
Nach oben geht die Zahl der Gymnasiasten. Sie wächst gegenüber dem Vorjahr um 7000. Insgesamt besuchen dann 198000 Jungen und Mädchen das Gymnasium.
Rückläufig sind die Zahlen an Hauptschulen (minus 1000 auf 30.000), Förderstufen (minus 2000 auf 19000) und Integrierten Gesamtschulen (minus 1000 auf 58.000).
1878 Schulen gibt es in Hessen. Davon sind über die Hälfte, nämlich 1027, reine Grundschulen. Weiter gibt es gut 200 Haupt- und Realschulen, gut 200 Gesamtschulen und 126 Gymnasien.
Mit 1000 zusätzlichen Lehrerstellen hat die Koalition aus CDU und FDP die Versorgung deutlich aufgestockt. Insgesamt mussten sogar fast 2300 neue Lehrerinnen und Lehrer gefunden werden, weil 1292 Stellen frei wurden und neu zu besetzen waren. Noch seien 43 der Stellen im Land nicht besetzt, räumte Henzler ein.
Mit den zusätzlichen Lehrern sorgt das Land dafür, dass die ersten und fünften Klassen kleiner werden. Zudem bieten mehr Schulen Ganztagsangebote samt Mittagessen.
Probleme gibt es vor allem in den sogenannten Mangelfächern. Besonders gefragt sind Physik- und Lateinlehrer an Gymnasien, Musik-, Chemie- und Physiklehrer an Haupt- und Realschulen sowie Fachleute für Metall- und Elektrotechnik an den Beruflichen Schulen.
Ministerin Henzler will die Lücken mittelfristig schließen, indem sie Seiteneinsteiger aus anderen Berufen ins Lehramt lockt. Für sie solle es "sehr viel mehr pädagogische Fortbildung" geben als im ersten Seiteneinsteiger-Programm unter ihrem Vorgänger Jürgen Banzer (CDU), kündigte Henzler an.
Für das beginnende Schuljahr ist dieses Vorhaben aber noch klein dimensioniert. Insgesamt 30 neue Quereinsteiger seien eingestellt worden, berichtete die Ministerin.
Mehr Geld stellt das Land den Schulen für Lernmittel zur Verfügung. Sie würden um 6,2 Millionen auf 34 Millionen Euro erhöht, sagte Henzler. Hessen sei das einzige Bundesland, in dem dieser Posten steige.
Die Opposition im Landtag sagt trotz der neuen Stellen Unterrichtsausfall voraus. "Mit netten Worten alleine lassen sich die Tatsachen nicht verstecken. Fakt ist: Die 100-prozentige Unterrichtsabdeckung ist nicht gelungen", sagte die SPD-Schulpolitikerin Heike Habermann. Der Grüne Wagner wies auf Henzlers eigene Angaben zu Mangelfächern hin. "Wenn Lehrer fehlen, kann es keine vollständige Unterrichtsabdeckung geben", stellte er fest.
Nicht allzu gut schneidet Hessen nach wie vor beim bundesweiten "Bildungsmonitor" ab, den das Institut der deutschen Wirtschaft alljährlich aufstellt. Hessen nimmt diesmal Platz 11 unter 16 Bundesländern ein - immerhin ein Rang besser als im Jahr zuvor.
Das Ranking zeigt Nachholbedarf in der Lehrerversorgung. Rechnerisch müssen sich in Hessen fast 22 Schüler eine Lehrkraft teilen. Im Bundesschnitt sind es nur 19. Henzler wies allerdings darauf hin, dass die Daten für den Bildungsmonitor aus den Jahren bis 2007 stammten. Mit den zusätzlichen Lehrern könnte sich die Platzierung also zukünftig verbessern.

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