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Verfassungsergänzung: Hessen müssen über Schuldenverbot abstimmen

Vier Fraktionen im hessischen Landtag haben sich darauf geeinigt, ein Schuldenverbot in die hessische Verfassung aufzunehmen. Die Grünen wollen den Landtag verkleinern und Beamtenpensionen reduzieren.

Ministerpräsident Volker Bouffier spricht im hessischen Landtag.
Ministerpräsident Volker Bouffier spricht im hessischen Landtag.
Foto: dpa
Wiesbaden –  

Die vier großen Fraktionen im Landtag haben sich am Dienstag darüber geeinigt, ein Schuldenverbot in die Landesverfassung aufzunehmen. Jetzt müssen nur noch die Hessen im März 2011 in einer Volksabstimmung entscheiden, ob sie für die sogenannte Schuldenbremse sind, die von 2020 an wirksam werden soll.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) machte am Dienstag in der Staatskanzlei mit den Fraktionschefs von CDU, SPD, FDP und Grünen das Ergebnis öffentlich. Zwar sind sich die Fraktionen einig geworden, dass Artikel 141 der Verfassung geändert werden soll. Über die genaue Ausgestaltung, wie und wo gespart werden und ob dies mit Steuererhöhungen verbunden sein soll, wird die Landtagsmehrheit entscheiden.

Leere Kassen

360 Millionen Euro will Hessen den Städten und Gemeinden aus dem Kommunalen Finanzausgleich streichen. Das gilt für 2011 und die nächsten Jahre.
Als Ausgleich bietet das Land 300 Millionen Euro an. Dabei handelt es sich um eine Abschlagszahlung auf höhere Zuweisungen, die durch die gestiegenen Steuereinnahmen zu erwarten sind. Dieses Geld ginge ohnehin an die Kommunen, käme aber normalerweise später an. Es wird nur einmal gezahlt, während die Kürzung jedes Jahr wieder zu Buche schlägt.
Bessere Kinderbetreuung hat das Land zwar beschlossen. Das Geld, das dafür an die Kommunen überwiesen wird, reicht aber nach Ansicht der Städte und Gemeinden nicht aus. Sie beklagen, dass Hessen nur 240 Euro für Kindergarten-Kinder und 840 Euro für Krippenkinder zahlen will. Die tatsächlichen Kosten pro Kind lägen aber zwei- bis dreimal so hoch. pit

„Es waren keine einfachen Verhandlungen. Jeder musste einen Schritt zurück“, sagte FDP-Chef Florian Rentsch. Die Zustimmung der SPD steht noch unter einem Vorbehalt: Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel sagte, der Landesparteitag am kommenden Samstag stimme darüber ab.

Die SPD war bis zuletzt bemüht, in der Verfassung festzuhalten, dass das Land für ausreichende Einnahmen zu sorgen habe, um die Bildungsausgaben, soziale und innere Sicherheit sowie ausreichende öffentliche Investitionen finanzieren zu können. Schäfer-Gümbel sagte, die geplante Festschreibung einer Einnahmen- und Ausgabenverantwortung von Landtag und Landesregierung bedeute jedoch „ein solch starkes Korrekturmittel“, dass die SPD mit dem Novellierungsentwurf leben könne.

Das Hessen-Kabinett nach Koch

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Schäfer-Gümbel wie auch Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir begrüßten zudem die Einigung darauf, dass Artikel 137, der den Kommunen eine Finanzierung des Landes garantiert, unangetastet bleiben soll. Dies erhalte ihnen einen gewissen Schutzwall. Die Linke ist als einzige Fraktion gegen die Schuldenbremse; sie war an den Beratungen nicht beteiligt. Der Wortlaut des Änderungsantrags, auf den sich CDU, FDP, SPD und Grüne verständigt haben, lässt zwei Ausnahmen vom Schuldenverbot zu: „außergewöhnliche Notsituationen“, was Finanzkrisen vom Ausmaß der von 2009 meint, und Naturkatastrophen. Nur die Grünen haben bislang konkrete Punkte benannt, wo gespart werden soll. Damit das Land keine neuen Schulden mehr aufnehmen muss und weiter Geld für Bildung, Soziales und Umweltschutz ausgeben kann, schlagen die Grünen etwa die Kürzung von Beamtenpensionen sowie die Verkleinerung von Landtag und Landesregierung vor.

Besonders gut versorgte Pensionäre – ausgenommen Lehrer und Polizisten – sollen nach Vorstellung der Grünen künftig weniger Geld bekommen. Im gehobenen und höheren Dienst soll die 13. Monatspension wegfallen. Dafür sollen die Beamten statt 42 nur 40 Wochenstunden arbeiten.

Der Landtag soll laut Grünen von 118 auf 99 Abgeordnete verkleinert werden. In der Landesregierung sollen ein Ministerposten und zwei Staatssekretäre wegfallen. Der Hessentag soll nach Vorstellung der Grünen nur noch alle zwei Jahre stattfinden. Die Regierungspräsidien sollen ab 2016 aufgelöst und den veränderten Landkreisen zugeordnet werden.

Autor:  Frank Schuster
Datum:  23 | 11 | 2010
Kommentare:  19
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