Normalerweise wollen Journalisten nicht jede Woche das gleiche schreiben. Aber was sollen sie machen, wenn sie ständig über ziemlich gute Konzerte berichten müssen? Eigentlich bleibt nichts mehr als Dank zu sagen an fünf Bands, die am Samstagabend alles gegeben und die restlos ausverkaufte Batschkapp in Frankfurt in ein Tollhaus verwandelt haben.
Es ist das zweite Halbfinal-Konzert von Hessen Rockt, dem großen Cover-Wettbewerb der Frankfurter Rundschau. Zwei Bands dürfen weiter ins Finale, drei gehen enttäuscht nach Hause. Über Sieg und Niederlage entscheiden Jury und Publikum gemeinsam. Die Finalisten heißen: The Groove Generation aus Bürstadt und The Sound Section aus Darmstadt-Weiterstadt.
Das Hessen Rockt-Gipfeltreffen steigt am Samstag, 10. April, 19 Uhr, im Capitol Offenbach, Kaiserstraße 106 (Parkplatz Mainufer).
Es spielen die vier Gewinner aus dem Halbfinale: Pfund, The Boptown Cats, The Groove Generation und The Sound Section. Der Kartenvorverkauf beginnt am Dienstag, 31. März, um 11 Uhr.
Gleich bei der ersten Band schwant der Jury allerdings Unheil. Was sollen die vier nachfolgenden Gruppen zeigen, wenn die erste Band die Messlatte schon so hoch legt? Die Philly Long Band aus dem Großraum Frankfurt-Wiesbaden spielt frei von der Leber weg Piano-Rock. Elton John und Billy Joel für die älteren Zuhörer, Porcupine Tree und Ben Folds für die jüngeren.
Das macht Laune. Obendrein tragen Philly und seine vier Mitstreiter die Bezeichnung Musiker nicht aus Versehen. Es sind tatsächlich fantastische Musiker.
Sie spielen die Halle schwindelig
Nicht weniger fantastisch ist die zweite Combo. Die Fight Footers aus dem Rodgau spielen die Musik der Foo Fighters. Und so blasphemisch das klingen mag: Die Fight Footers stehen in Sachen Live-Performance den Foo Fighters kaum nach. Die Combo zelebriert den ROCK in Großbuchstaben und spielt sich und die Halle schwindelig.
Schwindelig wird´s den Zuschauern auch bei der dritten Formation, der Groove Generation. Vier gleichberechtigte Stimmen in einer Band, die allesamt blendend intonieren - das grenzt an Verschwendung. Nur gut, dass die übrigen Bandmitglieder stark an ihren Instrumenten sind. Das ergibt wenigstens ein abgerundetes Gesamtbild. Die Batschkapp grooved, die Besucher schütteln ihre Gliedmaßen zu der Musik von Donna Summer, Alicia Keys oder Mother´s Finest.
Viel hat nicht gefehlt, um die alt ehrwürdige Kapp bei der vierten Band völlig dahin schmelzen zu lassen. Die jungen Männer und Frauen von NeRo aus Grasellenbach und Wald-Michelbach brennen ein audio-visuelles Feuerwerk der Extraklasse ab. Die Band tanzt charmante Choreografien und rockt ungeniert durch alles, was halbwegs nach vorne geht: Bon Jovi, a-ha, bei NeRo hören sich sogar Lieder der Münchner Freiheit frisch und druckvoll an.
Die Nacht ist zu kurz
Bleibt noch die fünfte Band zu erwähnen. Die Sound Section erschafft an diesem Abend ein Monster. Die elfköpfige Truppe mit ausgefeilter Bläsersektion rührt das Gestern und Heute der Musik zusammen und verziert dieses Konglomerat mit schweißtreibender Bühnenshow.
Zudem haben sie vielen Stücken eigene Textpassagen hinzugefügt - auf diesen einen Abend hingedichtet. Es ist als hätten sich Jan Delay, Deichkind und die Blues Brothers für ein Wochenende zusammen in die Jugendherberge verzogen und einen Hessen Rockt-Song komponiert.
Es ist also mal wieder ein rundum gelungener Abend im Hause Hessen Rockt gewesen. Lediglich zwei Dinge trüben die allgemeine Begeisterung: Dass nur zwei Bands in die nächste Runde dürfen und nicht alle. Sie hätten es alle verdient. Und dann noch die vermaledeite Zeitumstellung.

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