Wiesbaden. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ist kein Einzelfall. Im Banken-Bundesland Hessen leben viele Menschen mit sehr hohen Einkommen. Solche Großverdiener mussten bis vor wenigen Jahren kaum mit besonderer Strenge der Finanzämter rechnen. Seitdem hat das Land die Zahl der Sonderprüfungen allerdings dramatisch gesteigert. Das geht aus Zahlen hervor, die das Finanzministerium der Frankfurter Rundschau auf Anfrage mitteilte.
1860 "Steuermillionäre" wurden in Hessen im Jahr 2008 erfasst. Der Begriff wurde zu D-Mark-Zeiten geprägt. Er bezeichnet Menschen, die mehr als 500.000 Euro (etwa eine Million Mark) im Jahr versteuern.
Noch 2005 gab es in Hessen nur bei jedem 25. der Großverdiener eine Außenprüfung. Inzwischen wird jeder sechste unter die Lupe genommen. "Im Sinne eines konsequenten Steuervollzugs" sei das Thema "in den vergangenen Jahren sowohl im Innendienst bei der Veranlagung als auch im Außendienst komplett aufgearbeitet" worden, teilte ein Sprecher von Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) mit. Frühere Versäumnisse wollte er nicht sehen. Vielmehr sei hier jetzt ein "Schwerpunkt" gesetzt worden.
Besonders intensiv wird nach Weimars Angaben durchleuchtet, ob Großunternehmen korrekt ihre Steuern zahlen. Insgesamt hätten die Außenprüfer bei mehr als 34000 Prüfungen zusätzliche Steuern von rund 1,9 Milliarden Euro eingebracht, errechnete das Ministerium. Hinzu kam, was die gut 210 hessischen Steuerfahnder ans Licht brachten. Im Schnitt der vergangenen Jahre seit 2004 bearbeiteten sie nach offiziellen Angaben 4500 Fälle und holten 118 Millionen Euro pro Jahr herein.
Die Angaben sind von besonderer Bedeutung wegen der Affäre um Steuerfahnder, die einen zu laxen Umgang mit Großverdienern anprangerten und Anfang des Jahrzehnts geschasst wurden. Weimar hatte Vorwürfe zurückgewiesen, dass die Fahnder wegen ihrer Kritik hätten gehen müssen.

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