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09. Februar 2016

Hessenpark in Neu-Anspach: Hetze gegen Hessenpark

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Zieht Kritik aus der rechten Ecke auf sich: das Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach.  Foto: Martin Weis

Das Freilichtmuseum in Neu-Anspach erlebt einen „Shitstorm“, weil es Flüchtlingen freien Eintritt gewährt. Der Park sieht in dem kostenlosen Einlass eine Integrationsmaßnahme.

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Weil Flüchtlinge im Hessenpark seit September keinen Eintritt zahlen müssen, erlebt das Freilichtmuseum in Neu-Anspach (Hochtaunuskreis) nun einen sogenannten Shitstorm. In Telefonanrufen, in E-Mails und in den sozialen Netzwerken im Internet wird seit Sonntagabend gegen den Park gehetzt. Das bestätigte Mitarbeiterin Eva Otto am Dienstag gegenüber der Frankfurter Rundschau. Die Anrufe und Mails seien in unterschiedlichen Abteilungen eingegangen, sie hätten eine „ernstzunehmende Dimension erreicht“. In einer Pressemitteilung schreibt der Hessenpark von „Boykottaufrufen, beleidigenden Äußerungen und massiven Angriffen“. Es werde „gehetzt, gedroht, abgewertet, dem Museum werde die Diskriminierung deutscher Staatsbürger vorgeworfen.

Seit Sonntagabend kursiert ein Foto der Hessenpark-Preisliste auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken. Verbreitet wurde es unter anderem von der Seite „Tägliche Einzelfälle“, die Stimmung gegen Flüchtlinge macht und die Preispolitik des Hessenparks als „Diskriminierung gegen uns Deutsche“ bezeichnete. Auch diverse rechtspopulistische und -extreme Seiten wie die des Pegida-Gründers Lutz Bachmann und Ortsverbände von AfD und NPD teilten das Bild. Kommentatoren kritisieren unter anderem, dass Grundsicherungsempfänger 2,50 Euro Eintritt zahlen und für die Mitnahme von Hunden ein Euro zu entrichten ist.

Grundlage des Angebots des Hessenparks an Flüchtlinge war ein Beschluss des Aufsichtsrates vom September. Man wollte ein Zeichen für eine Willkommenskultur setzen. Flüchtlinge sollten die Gelegenheit haben, in Geschichte und Kultur ihrer neuen Umgebung einzutauchen und eine Verbindung aufbauen, so argumentierte Museumsleiter Jens Scheller damals. 244 Geflüchtete und Begleiter hätten seit Juni den Hessenpark besucht, hieß es am Dienstag auf Nachfrage. In einer Stellungnahme bekräftigte das Freilichtmuseum seine Preispolitik. Der Park biete vielerlei Reduzierungen, heißt es, es gebe Familientickets und Ermäßigungen für Hartz-IV-Empfänger. Keiner müsse draußen bleiben. Unterstützung für diese Haltung kam auch von der Linksfraktion im Landtag, deren Parlamentarischer Geschäftsführer Hermann Schaus Mitglied im Beirat des Hessenparks ist.

Auch anderswo Ermäßigungen

Auch die Polizei in Bad Homburg beschäftigt sich bereits mit dem Shitstorm auf den Hessenpark, sagte Sprecher Michael Greulich. Man trage derzeit Informationen zusammen und werte sie aus. Ob Ermittlungen aufgenommen werden, bestimme dann die Staatsanwaltschaft. Eine Entscheidung darüber sei noch nicht gefallen.

Zahlreiche Institutionen in Hessen haben in den vergangenen Monaten Vergünstigungen für Geflüchtete beschlossen, um ihnen soziale, kulturelle und Bildungsangebote zu machen. So hat das Deutsche Filmmuseum Frankfurt erst am Montag bekanntgegeben, Flüchtlingen und Begleitpersonen freien Eintritt zu gewähren. Die Entscheidung sei „ein Zeichen der Willkommenskultur“ und auf Anregung der Museumspädagogik gefallen, die entsprechende Anfragen von Flüchtlingsunterkünften, etwa für unbegleitete Minderjährige, erhalten habe, sagte Museumssprecherin Frauke Haß der FR.

Auch städtische Einrichtungen, etwa die Museen und der Zoo, gewähren Flüchtlingen Preisnachlässe, wie auch Frankfurt- und Kulturpassinhabern, sagte Antje Runge vom Kulturdezernat. Nennenswerte Beschwerden oder gar einen Shitstorm habe es deshalb nicht gegeben. Von März an solle es zudem, zunächst auf drei Monate begrenzt, kostenlose Museumsführungen mit Dolmetschern für Flüchtlinge geben, sagte Runge, die dies als Beitrag zur gesellschaftlichen Integration umschrieb. Ähnlich argumentiert Sabine Prasch von der Stadtbücherei Frankfurt, in der Geflüchtete, wie auch andere Bedürftige kostenlos Medien ausleihen können. Bisher ohne negative Reaktionen.

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