Schlechte Zeiten für Zocker. An der Börse stürzen die Kurse ab, in hessischen Spielbanken sinken die Einnahmen. Schuld ist nicht allein die Finanzkrise. Für den drastische Besucherschwund machen Casino-Betreiber neben dem Nichtrauchergesetz in erster Linie den Glücksspielstaatsvertrag verantwortlich. Denn die meisten Gäste bleiben im sogenannten kleinen Spiel weg. Seit Januar müssen Besucher nicht nur für Roulette, Black Jack oder Poker Personalausweise vorzeigen, sondern auch im Automatenbereich. Die Daten werden in einer bundesweiten Sperrdatei für Spielsüchtige abgeglichen.
Neue Strategie der Betreiber
Die Spielbank Bad Homburg, die sich in guten Jahren über 300 000 Besucher freuen konnte, verzeichnet von Januar bis September erst 180 000 Gäste, 20 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. "Tendenz weiter fallend", sagt Direktor Andreas Krautwald. Ein Erfolg sei es schon, dass sich die Zahlen im klassischen Spiel "annähernd halten" ließen. Der Einbruch ging zu Lasten der Geldautomaten. Krautwalds Strategie heißt aufgrund der neuen Gesetzeslage: "Das klassische Spiel so attraktiv wie möglich gestalten." Dazu gehört auch eine neue Casino-Lounge.
Rückgänge von 20 Prozent meldet auch das Airport-Casino Frankfurt, allerdings nicht allein aufgrund des allgemeinen Trends, erklärt Geschäftsführer Michael Seegert. Weil der Transitbereich umgebaut wird, stehen derzeit nur zwei kleine provisorische Standorte zur Verfügung. Die Branche, sagt er, habe trotz der Klagen Zukunft. Die neuen Räume werden um die Hälfte größer als früher sein. Einlass ist nur für Transitgäste, zum Großteil Nordamerikaner, Kanadier, Chinesen und Araber, die ihre Zeit bis zum nächsten Anschlussflug überbrücken.
Die Deutsche Spielbanken Interessen- und Arbeitsgemeinschaft (Desia) beziffert den Rückgang des Bruttospielertrags in diesem Jahr mittlerweile auf 21 Prozent. Zehn Prozent büßte das klassischen Spiel ein, 24 Prozent der Automatenbereich. "Die Rezession hat die Spielbanken erwischt", sagt Sprecher Matthias Hein.
Bei vielen Spielbankbetreibern liegen die Nerven blank. Thomas Freiherr von Stenglin, Geschäftsführer des Casinos in Wiesbaden, will mit Blick auf laufende Verhandlungen über die Konzession, die 2010 ausläuft, keine Zahlen nennen, bestätigt jedoch: "Wir können uns dem Abwärtstrend nicht entziehen." Weil Glücksspiel im Internet nach der neuen Gesetzgebung seit Januar verboten ist, fallen auch Einnahmen des Online-Roulettes weg. Die Kunden, erklärt von Stenglin, weichen zum Teil auf illegale Anbieter aus, das Netz kennt keine Landesgrenzen.
Noch mehr Ärger hat der Geschäftsführer aufgrund von Mobbing-Vorwürfen. Der Betriebsrat prangerte das Betriebsklima im Casino und Verstöße gegen Mitbestimmungsrechte an. Mehr als 100 Verfahren würden geführt. Die Stadt Wiesbaden, so fordert die Arbeitnehmervertretung, solle einen neuen Betreiber auswählen oder das Casino selbst übernehmen. Der Betriebsrat wurde inzwischen aufgelöst. Eine Beraterfirma soll helfen, das aufgeheizte Klima zu beruhigen. Auch in der Kurhessischen Spielbank Kassel/Bad Wildungen hält man sich mit Zahlen zurück. Besucherzahlen und Erträge seien gesunken, erklärt die Direktion.
Ein wichtiger Einnahmeposten
Die Stadt Kassel, die wie die Kommunen der übrigen vier Spielbank-Standorte in Hessen am Bruttospielertrag beteiligt ist, verzeichnet 2008 Einbußen von 15 Prozent. Das seien rund 400 000 Euro, sagt Kämmereileiter Rolf Hedderich. 2007 waren aus der Spielbank 2,7 Millionen in die Stadtkasse geflossen.
Die Zeiten, in denen eine Konzession für eine Spielbank als Lizenz zum Gelddrucken verstanden wurde, seien längst vorbei, sagt Heinrich Sievers, Leiter des Referates Glücksspielaufsicht im Hessischen Innenministerium: "Fast jede größere hessische Gemeinde, gerade auch die Kurorte, haben schon mal eine Spielbank beantragt." Einst hätte die öffentliche Hand teils bis zu 93 Prozent der Bruttospielerträge erhalten, nun müsse das Land immer häufiger Abgabeermäßigungen gewähren, um den wirtschaftlichen Betrieb einer Spielbank zu sichern.

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