Fulda. "Wenn die Leute sich nur Urlaub in Deutschland leisten können und das Wetter mitspielt, dann geht's bei uns bergauf - Krise hin oder her", sagt der Inhaber des Kletterparks in Wetzlar, Simon Karl. Schon zu Ostern rechnen die Betreiber der Vergnügungsanlagen mit kräftigem Andrang. Eine aktuelle dpa-Umfrage ergab, dass die meisten Freizeitparks in Hessen derzeit noch keine Angst vor der Wirtschaftskrise haben.
Opel-Zoo rechnet mit bis zu 700.000 Besuchern
Der Opel-Zoo in Kronberg im Taunus fürchtet vor allem schlechtes Wetter. "Regen an Ostern oder Pfingsten sind für uns schlimmer als längere Schlechtwetterperioden", sagte Zoo-Sprecherin Margarete Herrmann. "Die Menschen planen ihre Ausflüge für diese Termine und holen sie dann nicht mehr nach." Der Zoo rechnet für 2009 trotz Wirtschaftskrise wieder mit bis zu 700.000 Besuchern.
"In den vergangenen Jahren waren wir konjunkturresistent", sagte Herrmann. Im Opel-Zoo leben die einzigen Elefanten Hessens, für die eine neue Anlage gebaut werden soll. Deswegen wurden auch die Eintrittspreise erhöht. Neu eröffnet wurde eine begehbare Freiflugvoliere. Dort können Besucher unter anderem Enten und Störche beobachten. Nachwuchs gab es dieses Jahr bereits bei den Giraffen und den Trampeltieren.
Riesenrutsche in der Lochmühle
Im Freizeitpark Lochmühle in Wehrheim im Hintertaunus hofft Inhaberin Christine Zwermann-Meyer wie in den Vorjahren auf 250.000 Besucher in der fast sieben Monate langen Saison, die am 4. April begann. Sie setzt angesichts der Wirtschaftskrise auf viele Besucher.
"Ich habe schon gehört, dass die Leute auf ihren Urlaub verzichten. Das könnte für uns gut sein." Ihr Freizeitpark setzt auf Tiere, Natur und Attraktionen. Hierzu gehören Floß-Fahren, Karussells, Trampolin und eine Riesenrutsche.
Hessenpark saniert die Fachwerkhäuser
Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Besucherzahl werden im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach nicht befürchtet. Im vergangenen Jahr war die Besucherzahl dort auf 180.000 Menschen eingebrochen. Grund waren aber laut Geschäftsführer Peter Janisch Bauarbeiten. Gewerkelt wird im Hessenpark immer noch, bis 2012 sollen die meisten der über 100 historischen Fachwerkhäuser saniert werden.
An Ostern sollen die Besucher mit einem bunten Programm in den Hessenpark gelockt werden. So können Kinder Eier mit Naturfarben verwandeln und sich in der Puppentheaterwerkstatt eigene Handpuppen basteln. In seinem Jahresprogramm setzt der Hessenpark zum Beispiel auf Herbst- und Pflanzenmärkte sowie Handwerksvorführungen.
Taunus Wunderland hält Eintrittspreis
Der Freizeitpark Taunus Wunderland in Schlangenbad erwartet zwischen 200.000 und 250.000 Besucher. Vor den Auswirkungen der Wirtschaftskrise hat Geschäftsführer Otto Barth wenig Angst. "Ich glaube, die Leute werden dieses Jahr eher zu uns kommen als in den Urlaub fliegen." Trotz Preisexplosionen bei Strom, Essen und Getränken müsse er die Preise in der momentanen Situation erst recht halten.
Ein kleiner Nachteil für den Park: In der Höhenlage im Taunus ist das Wetter manchmal unbeständig. So erklärt sich Barth auch die Besucherzahlen von nur 150.000 im vergangenen Jahr. In die Renovierung von Karussells und Achterbahnen, der Wasserrutsche und des Flugsimulators wurde etwa eine halbe Million Euro gesteckt.
Kletterlabyrinth in Ziegenhagen
Im Erlebnispark Ziegenhagen bei Kassel ging die Saison schon am Wochenende vor Ostern los. Mitinhaberin Elvira Surup schaut mit Sorgen auf die nächsten Monate: "Vergnügen ist nicht lebensnotwendig. Natürlich sparen da die Leute eher als an anderen Dingen."
Etwa 100.000 Besucher will der Park zwischen Kassel und Göttingen in seinem 40. Sommer anlocken. Dafür gibt es ein neues Kletterlabyrinth, dass von den ersten Besuchern begeistert angenommen worden und nicht nur etwas für Kinder sei.
Neue Ausstellung auf der Saalburg
Im ehemaligen Römerkastell Saalburg bei Bad Homburg im Taunus wollen die Macher genauso so viele Besucher begrüßen wie zuletzt. "Im Durchschnitt hatten wir in den vergangenen Jahren etwa 150.000 Besucher. Wenn wir diese Zahl 2009 erreichen, ist das gut", sagte Sprecherin Ursula Heimes. Sie befürchtet allerdings Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Wegen des langen Winters sind zudem zuletzt wenig Leute gekommen.
Den Besuchern werden an den Ostertagen mehrere Führungen angeboten. Ende April darf auf der Saalburg erstmals das neue Fabrica-Gebäude besichtigt werden, das 3,7 Millionen Euro gekostet hat. Die erste Ausstellung beschäftigt sich mit der Bewaffnung und der Ausrüstung der Soldaten Roms.
Die Saalburg war bis vor knapp 1800 Jahren ein Kastell am Limes, der damaligen Grenze des Römischen Reiches. Auf Initiative von Kaiser Wilhelm II. wurde das Römerkastell von 1897 bis 1907 wieder aufgebaut. Seit 2003 sind weitere Gebäude entstanden. Die Besucher können mehrere Räume und Ausstellungen besichtigen, weiterhin werden Veranstaltungen wie "Römische Abende" oder "Brotbacktage" angeboten.
Im Museumscafé Taberna gibt es römische Spezialitäten. Der 550 Kilometer lange Limes ist das größte Bodendenkmal Europas. Seit 2005 gehört er - und damit auch die Saalburg - zum Unesco-Weltkulturerbe.
Klettern auf 20.000 Quadratmetern
Der Abenteuerparcours Wetzlar hat die Saison am 4. April eröffnet. Bis zum Saisonende am 1. November erwartet Inhaber Simon Karl rund 25.000 Besucher - so viele wie 2008. Im Jahr 2007 hatten sich in dem Kletterwald rund 22.000 Menschen ins Abenteuer gestürzt. In dem nach seinen Angaben einzigen Kletterwald in Mittelhessen spannen sich auf 20.000 Quadratmetern Hängebrücken, Seile und Rutschen durch einen Wald.
Etwa 20.000 Euro seien in 15 neue Übungen an Hochseilbrücken oder Seilrutschen investiert worden. Insgesamt gibt es nun in dem im Juni 2006 eröffneten Kletterwald sieben Parcours mit etwa 130 Übungen der Schwierigkeitsgrade leicht, mittel und schwer.
Erlebnispark Steinau baut Grillplätze aus
Osthessens größter Freizeitpark, der Erlebnispark Steinau an der Straße, rechnet angesichts der Rezession mit mehr Besuchern. "Wir werden wohl eher davon profitieren, weil bestimmt viele Menschen beim Urlaub sparen wollen und sich in der Heimat eine schöne Zeit machen wollen", glaubt Geschäftsführer Theo-Michael Zwermann. Doch egal aus welcher Motivation - der Erlebnispark will mehr Besucher als im Vorjahr begrüßen, als 120.000 Menschen kamen.
Ausschlaggebend für die Besucherzahl wird die Witterung sein. "Das Wetter ist unser größter Freund und Feind zugleich." Um die Geldbeutel der Besucher zu schonen, wurde das Angebot für Selbstversorger ausgebaut. 25 Grillhütten und zehn Picknick-Plätze stehen zur Verfügung. Der Erlebnispark hat zu seinem 15-jährigen Jubiläum Nachwuchs bekommen: Seit kurzem ist ein Mini-Pony-Fohlen namens "Wackel" auf der Welt. (dpa)

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