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Hessische Hunde-Statistik: Die schlimmsten Beißer

Welche Hunde beißen in Hessen am häufigsten zu? Der FR liegt ein unter Verschluss gehaltenes Dokument des Innenministeriums vor. Die Ergebnisse im Überblick. Von Jutta Rippegather

Der Schäferhund führt die Beißstatistik mit großem Abstand an. Es gibt aber auch besonders viele dieser Tiere in Deutschland.
Der Schäferhund führt die Beißstatistik mit großem Abstand an. Es gibt aber auch besonders viele dieser Tiere in Deutschland.
Foto: ddp

Das Innenministerium in Wiesbaden hütet die Hunde-Beißstatistik wie ein Staatsgeheimnis. Jetzt wurde das Zahlenwerk der Frankfurter Rundschau zugespielt.

Sein Inhalt nährt die Zweifel, dass die zum 1. Januar in Kraft getretene neue Hundeverordnung das berücksichtigt, was in den vergangenen Jahren auf Hessens Straßen oder Wegen passiert ist: Nicht die zehn Rassen, die in dem Regelwerk als "gefährlich" aufgelistet sind, bissen am häufigsten zu. Vielmehr führen der Schäferhund und seine Kreuzungen die Statistik mit Abstand an.

Wesenstest

Gefährlich sind alle Hunde, die gebissen haben oder sich so verhalten, als würden sie es tun. Außerdem folgende Rassen und Kreuzungen: Pitbull- und Staffordshire-Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier, American Bulldog, Fila Brasileiro, Kangal, Kaukasischer Owtscharka, Rottweiler.

Seit 1. Januar 2009 müssen sie bis zum Alter von zehn Jahren alle vier Jahre einen Wesenstest absolvieren.

284 Mal wurden Menschen in den Jahren zwischen 2004 und 2007 von dieser Rasse verletzt - zehnmal sogar schwer. Zum Vergleich: Mit dem als "Kampfhund" titulierten Pitbull (samt Mischungen) kam es in dieser Zeit zu elf Vorfällen mit Menschen, die sich dabei nur leichte bis mittlere Blessuren zuzogen. Außerdem hat die Statistik ein generelles Manko: Mischlinge, deren Stammbäume nicht identifizierbar sind, tauchen überhaupt nicht auf. Obgleich sie wohl am häufigsten sind.

Der Bestand an Schäferhunden ist der größte im Land. So begründet das Ministerium, dass sie trotz Spitzenposition nicht auf die Liste aufgenommen wurden. Das Verhältnis der Population zur Zahl der Vorfälle ist unbekannt.

Wer gebissen wird, dem ist es aber egal, wie oft es die betroffene Rasse gibt, entgegnen Kritiker. Sie werfen der Landesregierung bei der Liste Willkür vor, weil sie nur bestimmte Rassen berücksichtigt. Sie wolle es sich nicht mit den Schäferhundehaltern verderben - vielleicht auch weil viele Polizisten darunter seien, meint etwa Dieter Ludwig von der Arbeitsgemeinschaft Kynologie Rhein Main. Der Verein hält die ganze Verordnung für überflüssig, weil die Gefährlichkeit nicht - wie das Land argumentiert - von der Rasse abhänge.

Der Rottweiler wurde zum 1. Januar neu auf die Liste der gefährlichen Rassen aufgenommen. Auch hier wirft ein Blick in die Vier-Jahres-Statistik Fragen auf. Denn auch bei den Wesenstests schnitten sie wesentlich besser ab. 135 Rottweiler bestanden die Prüfung, ein einziger fiel durch und wurde eingeschläfert. Demgegenüber stehen 383 Schäferhunde mit erfolgreicher Prüfung und zehn ohne, fünf davon bezahlten das mit dem Leben.

Mit den seit Jahren auf der schwarzen Liste stehenden Rassen kam es hingegen kaum zu Vorfällen. Auch bei den alle zwei Jahre anstehenden Wesenstests gab es keine Auffälligkeiten. Von den rund 2000 American-Pitbull-Terriern zum Beispiel mussten nur sieben getötet werden.

Bei den rund 2990 American Staffordshires waren es elf. Selbst beim Betrachten der Vorfälle mit anderen Hunden schneiden die "Kampfhunde", wie sie der Volksmund nennt, besser ab. Bei Beißereien mit Dobermännern oder Rottweilern starben in besagtem Zeitraum jeweils sechs andere Hunde, 15 Mal töteten Schäferhunde einen Artgenossen.

Autor:  JUTTA RIPPEGATHER
Datum:  30 | 1 | 2009
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