Sie sprechen schlecht Deutsch, haben niedrige Schulabschlüsse, verdienen wenig Geld. Auf viele Zuwanderer und ihre Kinder in Hessen treffen all diese Nachteile zu. Das ergibt eine Studie der Hessen-Agentur im Auftrag der Landesregierung, die am Dienstag in Wiesbaden vorgestellt wurde.
Die Minister Dieter Posch (Wirtschaft) und Jörg-Uwe Hahn (Integration, beide FDP) drangen darauf, die Lage der 1,4 Millionen Hessen mit ausländischen Wurzeln zu verbessern. Zudem wiesen sie auf eine Generation von "Migranten ohne Migrationserfahrung" hin, also von jungen Leuten aus Ausländerfamilien, die in Deutschland geboren sind. Jeder dritte Jugendliche in Hessen gehöre dieser Gruppe an.
Die Minister warnten zugleich vor Verallgemeinerungen. So gebe es große Unterschiede zwischen verschiedenen Nationalitäten. Hahn sagte, bei Zuwanderern aus der Türkei fehle - anders als etwa bei Vietnamesen - oft die "Bildungsaggressivität", also der Ehrgeiz in Schule und Ausbildung. Sein Abteilungsleiter Walter Kindermann schränkte ein: Junge Leute aus der Türkei stünden in dieser Frage sogar besser da als andere, wenn man sie mit anderen Familien mit ähnlichem Einkommen und Status vergleiche.
Die Studie war von der Regierung in Auftrag gegeben worden, damit sich die Integrationspolitik auf gesicherte Zahlen stützen kann. Sie förderte drastische Unterschiede zwischen Migranten und Deutschen ohne Migrationsgeschichte zutage. So haben 38 Prozent der erwachsenen Zuwanderer keine berufliche Ausbildung abgeschlossen. Bei anderen Erwachsenen sind es nur 13 Prozent.
Der Anteil der Menschen ohne Job ist bei Migranten doppelt so hoch wie bei den übrigen Hessen. Zudem sind Zuwanderer häufiger in schlechter bezahlten Tätigkeiten als Arbeiter beschäftigt. Mit 46 Prozent liegt deren Anteil bei den Migranten fast zwei Mal so hoch wie bei anderen Erwachsenen.
Minister Hahn kündigte an, dass er in Modellregionen Erfahrungen mit Integrationsprojekten sammeln wolle. Mit dem Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) gebe es bereits eine entsprechende Verabredung.
Hahn betonte die Bedeutung der Sprachkenntnisse. "Jeder Migrant, jede Migrantin muss die Möglichkeit haben, Deutsch zu lernen. Sie müssen sie aber auch wahrnehmen." Die Grünen-Politikerin Mürvet Öztürk unterstützte diese Haltung. Bessere Deutschkenntnisse müssten "ein Schwerpunkt" werden. Der SPD-Abgeordnete Gerhard Merz sagte, die Studie bestätige "bekannte Problemlagen", die jetzt anzugehen seien.

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