Abiturienten müssen bis zum 21. April entscheiden, ob sie ihre Mathematik-Prüfung am 30. April nachschreiben wollen oder nicht. Ein Rückzug ist danach noch möglich, aber keine spätere Anmeldung. Das gab Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) am Donnerstag im Landtag bekannt.
Dort wurde auf Antrag von FDP und Grünen über die Pannen bei der ersten Klausur debattiert. Die Regierungsparteien CDU und FDP lobten Henzlers Krisenmanagement. Sie habe "richtig gehandelt", meinte der Christdemokrat Hans-Jürgen Irmer. Henzlers FDP-Parteifreund Wolfgang Greilich meinte sogar, das sei "fantastisch gelaufen". Die Opposition sah das vollkommen anders.
Henzler habe "ein ganzes Wochenende nichts gemacht" und deshalb ihre "erste Bewährungsprobe nicht bestanden", rüffelte der Grünen-Bildungsexperte Mathias Wagner. Henzler beteuerte hingegen, sie habe am Wochenende mit Fachleuten aus dem Ministerium und ihr bekannten Schulleitern beraten. Die Entscheidung zum Nachschreiben sei dann am Montag gefallen.
Der Grüne Wagner ließ seiner Kritik ein vergiftetes Lob an Henzlers Amtsvorgänger von der CDU folgen: "Dieses dilettantische Krisenmanagement wäre Herrn Banzer nie passiert." CDU-Mann Irmer winkte ab: "Das hätten Sie mal sagen wollen, als er noch im Amt war."
In der Mathe-Prüfung im zentralen Landesabitur, die am vergangenen Freitag geschrieben wurde, hatte ein Fehler gesteckt, der nach Henzlers Worten "gravierend" war. Deshalb entschied die Ministerin, dass Schüler eine zweite Chance bekommen, wenn sie wollen. Gewertet wird dann die bessere der beiden Klausuren. Ziel sei, dass Schüler keinen Nachteil hätten.
Die SPD-Schulpolitikerin Heike Habermann bestritt jedoch, dass dieses Ziel mit dem Nachschreibetermin zu erreichen sei. Viele Schüler seien am Wochenende durch die Mathe-Panne verunsichert gewesen und hätten sich deswegen nicht gut auf ihre Prüfungen in anderen Fächern vorbereiten können.
Das Ministerium hatte den Fehler in der Klausur bemerkt und die Schulen nach eigenen Angaben um 8.44 Uhr, eine Viertelstunde vor Beginn der Prüfung, darüber informiert. Die SPD-Politikerin Habermann berichtete im Landtag, dass auch in der Korrektur ein Fehler enthalten gewesen sei. Gefehlt habe in der Mathe-Aufgabe ein "Ableitungsstrich". Dies sei um 8.58 Uhr nachgemeldet worden.
Dorothea Henzler verteidigte das zentrale Landesabitur, will aber die Organisation ändern. So deutete sie an, dass sie das Projektbüro für die Klausur-Aufgaben ins Ministerium zurückholen will. Es war zum "Institut für Qualitätsentwicklung" ausgelagert worden.

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