Evelyn Bachmann hatte Glück. Bis auf Konzentrationsschwierigkeiten und die Schwäche am Mittag ist kaum etwas übriggeblieben von ihrer Krankheit, die vor vier Jahren ein Zeckenstich beim Gassigehen mit dem Hund verursacht hatte. Drei Wochen später stellten sich Kopfschmerzen ein, es folgten Sehstörungen, Fieberschübe. Irgendwann konnte sie nicht mehr sprechen. "Es war wie ein Albtraum", sagt die 46-Jährige aus Miltenberg im Odenwald. Nach ihrer Genesung vor einem Jahr gründete sie mit anderen Betroffenen den Selbsthilfe-Verein FSME-Netzwerk Deutschland.
FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Die Hirnhautentzündung ist eine von Zecken übertragene meldepflichtige Viruserkrankung. 16 Hessen erkrankten im vergangenen Jahr daran, acht mehr als 2008. Weniger als die Hälfte stammten aus den südlichsten Landkreisen Odenwald, Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, sagte Ulrich Falk, Chef des Gesundheitsamts des Odenwaldkreises am Dienstag vor der Presse in Frankfurt.
FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) ist eine Viruserkrankung des zentralen Nervensystems. Jeder dritte Betroffene leidet unter lang anhaltenden Beschwerden wie Kopfschmerzen, Störungen von Konzentration, Gedächtnis, Gleichgewicht, Hören, Sprechen oder Schlucken sowie Lähmung der Extremitäten. Ein bis zwei Prozent der FSME-Fälle verlaufen tödlich. Bei über 50-Jährigen liegt diese Rate deutlich höher.
Das FSME-Netzwerk Deutschland hat die Adresse www.fsme-netzwerk.de Borreliose ist laut Borreliosebund Deutschland die häufigste von Zecken übertragene Erkrankung und in ganz Deutschland verbreitet. Das Beschwerdebild sei komplex, die medizinische Versorgung mangels Wissen meist schlecht. Infos: www.bfbd.de Die Zeckenprognose von tick-radar steht ab Mitte April im Internet unter www.zeckenwetter.de. jur
Es könnte also sein, dass die vom Robert-Koch-Institut veröffentlichte Landkarte mit den Risikogebieten in Hessen erweitert werden muss. So gab es etwa in der Stadt Offenbach im vergangenen Jahr zwei Kranke.
Eine Immunisierung gegen FSME durch Impfung ist möglich - im Gegensatz zur bakteriellen Borreliose, die ebenfalls von Zecken transportiert wird. Mit einer großen Präventionskampagne ist es laut Falk dem Odenwaldkreis gelungen, die FMSE-Impfungsrate bei den Erstklässlern von knapp zehn Prozent im Jahr 2003 auf jetzt 67 Prozent zu steigern.
Doch in der älteren Bevölkerung sei die Impfrate sehr niedrig. Das macht den Experten Sorgen, denn Menschen über 50 gelten als besonders anfällig für schwere Verläufe der Krankheit. Diese Fälle landen dann oft bei Uta Meyding-Lamadé, Chefärztin in der Neurologie am Nordwest-Krankenhaus in Frankfurt. Sie hatte einen 63 Jahre alten Patienten, bei dem die Hirnhautentzündung sogar einen Schlaganfall auslöste.
"Man muss genau hinschauen", sagte die Ärztin. Sie habe den Eindruck, dass die Zahl der schweren Krankheitsfälle zunimmt. Ob eine veränderte Genetik der Zecken Schuld ist, soll jetzt eine Studie klären.
Die Ärzte sind nicht die einzigen Wissenschaftler, denen die Zecke - der Gemeine Holzbock - Arbeit beschert. Auch Biologen erforschen das Phänomen des Hungerkünstlers, den es schon zu Lebzeiten der Dinosaurier gab und der ganze fünf Jahre lang ohne Blutmahlzeit auskommen kann. Olaf Kahl und seine Kollegen von tick-radar Berlin studieren, wann die Zecken aus ihren Verstecken kriechen, um auf Gräsern oder anderen leichten Erhebungen auf Wirte zu lauern. Drei Zecken-Parzellen betreiben die Biologen und Meteorologen in Deutschland, darunter eine in der Nähe von Gießen. Mitte April wird ihr neuer Infoservice online gehen - eine Zeckenwetter-Vorhersage.
Die Impfsaison hingegen hat schon begonnen. Die Krankenkassen übernehmen in der Regel anstandslos die Kosten, sagt Ulrich Klinsing, Allgemeinarzt aus Frankfurt. Eine Grundimmunisierung bestehe freilich nur, wenn alle drei Impfungen erfolgt seien. Nicht zu vergessen die regelmäßige Auffrischung. "Die Verträglichkeit", versichert er, "ist mit der Tetanusimpfung vergleichbar".

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