Frankfurt, sechs Uhr. Heike B. schnürt ihre Joggingschuhe und absolviert einen einstündigen Dauerlauf. "Später ginge nicht", sagt die Sportlerin. Warum? Blöde Frage. "Viel zu heiß."
Eschborn, acht Uhr. Das Ehepaar R., gerade aus der Türkei zurück, wähnt sich im falschen Film. 40 Grad und manchmal mehr hatten sie auch im Urlaub, "aber das war anders und erträglicher", sagt Frau R. und geht zur Dusche. "Und in der Türkei gab es auch das Meer vor der Tür", ergänzt ihr Mann. Alles viel zu heiß hier.
Was tun Sie, um die Hitze erträglich zu machen? Geben Sie Ihre Hitzetipps - gleich unter dem Artikel!
Offenbach, zwölf Uhr. High Hitze. Wer kann, ist schon nach Langen geradelt und liegt mit Hut auf dem Kopf am See, mindestens die Füße stets vom Wasser umspült. Wer muss, sitzt an der Kasse oder am Bankschalter und lechzt nach dem Feierabend. Draußen schlecken sie Eis und liegen in den Parks, natürlich im Schatten. Viel, viel, viel zu heiß.
Weiterstadt, nachmittags. Ein Erdbeerbauer rauft sich die Haare. Der Landwirt nebenan blickt verzweifelt auf seinen Acker.
Rhein-Main bei Mitternacht. Keiner schläft. Nasse Handtücher hängen über Betten, Ventilatoren surren. Die WM-Vuvus schweigen zwar, doch von den Straßen her erklingen mal gedämpfte, mal laute Stimmen. Auf den Balkonen sind die Grillstecker rausgezogen, in den Gärten wässern sie selbst so spät noch alles Grün, was noch irgendwie durchhalten soll.
Hessen, drei Uhr nachts. Gefühlt sind es immer noch 30 Grad. Krankenwagen-Sirenen ertönen im Taunus und in der Wetterau.
Das Szenario der extremen Hitzewelle wird sich fortsetzen. Angesichts der Folgen sei der Begriff "Super-Sommer" mit Vorsicht zu genießen, befindet Dominik Jung von Wetternet. Denn: "Super trifft deshalb nicht, weil das heiße und trockene Wetter mit der Zeit immer weniger Leuten gefallen dürfte." Parallelen zum "Jahrhundertsommer 2003" seien eindeutig.
Experte Jung prognostiziert für die nächste Woche nur eins: Glut. "Die Temperaturen liegen nahezu flächendeckend um oder deutlich über 35 Grad. Mehrmals rückt dabei sogar die 40-Grad-Marke in spürbare Nähe", sagt er. Der amtliche Rekordwert vom 9. August 2003 wanke. Damals sei (in Karlsruhe) der Spitzenwert von 40,2 Grad Celsius gemessen worden.
Klar doch, das Wetter-Orakel aus Wiesbaden sagt auch einige lokale, zum Teil kräftige Gewitter an. Ansonsten aber klingt der Mann ganz trocken, denn: "Flächendeckender Landregen ist weit und breit nicht in Sicht." Als Folge verbrenne die Erde "regelrecht auf den Feldern". Die Ozonwerte erreichten äußerst kritische Ausmaße und die Waldbrandgefahr sei mittlerweile dramatisch. "Vielfach herrscht allerdings jetzt schon die höchste Waldbrandgefahrenstufe", merkt der Meteorologe Jung an.
Landwirte müssten um große Teile ihrer Ernte fürchten, häufig seien die Schäden bereits jetzt schon enorm.
Und die Aussichten? Jung: "Ein Ende von Hitze und Trockenheit ist nicht absehbar."

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