Selbst bei der Pressekonferenz am 13. Februar 1964 hat der Mann nicht verzichtet. Auch an diesem Tag, an dem der Hessische Generalstaatsanwalt die Öffentlichkeit vom Freitod Werner Heydes, des ehemaligen Leiters der NS-Euthanasieprogramms unterrichtete, ließ der leitende Strafermittler vom Tabak nicht ab. Nach der Lektüre seiner jetzt vorgelegten Biografie entsteht sogleich der Eindruck: Es gibt keine Aufnahme Fritz Bauers, auf der der Jurist nicht mit Zigarette zu sehen ist. Bauer muss unentwegt geraucht haben. Menschen, die den Humanisten kannten, werten das Rauchen als Indiz dafür, dass sich Bauer niemals geschont hat. Vielleicht auch deswegen ist er nicht älter als 65 Jahre geworden.
Eine Lebenszeit, die Irmtraud Wojak minutiös nachzeichnet. Mit der ersten umfassenden Biografie des Mannes, ohne dessen Hartnäckigkeit manches Gerichtsverfahren gegen NS-Täter nicht zustande gekommen wäre. Sicherlich aber der Frankfurter Auschwitz-Prozess nicht, der im Dezember 1963 zunächst im Römer seinen Anfang nahm und später im Haus Gallus fortgesetzt worden ist.
Irmtraud Wojak ist in Frankfurt keine Unbekannte. Jahrelang wirkte die von Hans Mommsen ausgebildete Historikerin an dem Institut, das heute den Namen "Fritz Bauer" trägt, mittlerweile der Goethe-Universität angegliedert ist und sich selbst als Forschungs- und Dokumentationszentrum versteht. Inzwischen leitet die 45-Jährige den Bereich Historische Forschung beim Internationalen Suchdienst in Arolsen.
In ihrer Studie über Bauer skizziert sie das Bild eines "unbequemen Mahners", der "den Aufbau einer demokratischen und sozialen Justiz, die Reform des politischen Strafrechts und die Prozesse wegen nationalsozialistischer Gewaltverbrechen zu seiner Lebensaufgabe machte". Ein Mann, der schier unermüdlich im Namen der Aufklärung in der damals noch jungen Bundesrepublik, zunächst in Braunschweig, später in Frankfurt am Main, unterwegs gewesen ist. Ständig auf der Suche nach dem Recht, weil am Ende nicht die Täter Rache, wohl aber die Opfer Gerechtigkeit erfahren sollten. Davon ließ sich der 1903 in einer jüdischen Familie in Stuttgart geborene Bauer stets leiten.
Mit Bauers Biografie, die von Donnerstag im Buchhandel ist, hat Irmtraud Wojak ein Stück Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik erzählt - und das Bild eines großen, aber beinahe doch vergessenen und damals unentwegt rauchenden Frankfurters für die Nachwelt erhalten.

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