Viel zu sehen gibt es noch nicht. Hinter dem hölzernen Bauzaun an der Kleinen Rittergasse, dominiert nackter Beton. Vor rund drei Monaten begannen die Abbrucharbeiten. Ende des Jahres soll ein dreistöckiger Neubau die derzeitige Brache geschlossen haben.
Die Hauptattraktion des künftigen Geschäfts- und Wohnhauses ist für das Erdgeschoss vorgesehen: Mitten im Herzen des Apfelweinviertels soll eine Hooters-Filiale eröffnen. Erkennungsmerkmal der US-amerikanischen Gastronomie-Kette, die in Sachsenhausen das bundesweit fünfte Restaurant aufmacht, sind knapp bekleidete Kellnerinnen mit tiefen Ausschnitten. Im Internet sind entsprechende Stellen bereits ausgeschrieben.
Eigentlich sollte das neue Restaurant bereits im August eröffnen. Der Termin musste verschoben werden, weil die Sanierung des alten Gebäudes, das durch einen Brand in Mitleidenschaft gezogen worden war, einige Überraschungen bereit hielt. "Die Bausubstanz war viel schlechter als gedacht", sagt Dino Untiveros, zuständiger Planer des Bauherrn VAV. Das eigentliche Vorhaben, einen Großteil des alten Gebäudes zu erhalten, mussten die Architekten daher reduzieren. "Es sind nur noch einzelne Wände stehen geblieben", sagt Untiveros.
Innerhalb des mit zwei Millionen Euro veranschlagten Projekts sind abseits des Restaurants fünf Wohnungen vorgesehen, die in den beiden Obergeschossen liegen. Die Brutto-Grundfläche beträgt 1150 Quadratmeter. Die Stadt, die seit Jahren für die Aufwertung des Viertels viel Geld investiert hat, hatte im Vorfeld mehrere Auflagen an VAV gestellt: Dachform und -Neigungen mussten übernommen werden, auch durfte der Neubau nur innerhalb des alten Bestandes erfolgen.
"Wer hat denn das genehmigt?"
Die Politiker im Ortsbeirat 5 reagieren auf die vermeintlich neue Attraktion fraktionsübergreifend einheitlich: Verwunderung, Ablehnung, Irritation greifen um sich. "Wer hat das denn genehmigt?", ärgert sich Ursula auf der Heide (Grüne). Hans-Günter Joras (CDU) kennt das Hooters-Konzept zwar nicht, spricht sich nach kurzer Aufklärung aber auch dagegen aus. "Das passt da überhaupt nicht hin", sagt der ehemalige Ortsvorsteher.
Bauherr Kilian Bumiller (VAV) hat die Wahl des "American Restaurant und Sports Bar" vorab verteidigt. Ein Spezialitätenrestaurant sei für das Viertel kaum zu gewinnen. "Hooters bringt so etwas wie frische Farbe, hat aber auch Anspruchsvolleres auf der Speisekarte", sagte Bumiller.
Ähnlich denkt auch die direkte Konkurrenz vor Ort. Masud Djalili, Geschäftsführer der direkt gegenüber dem künftigen Hooters liegenden Cocktail-Bar Monte Christo, glaubt an eine "Belebung des Geschäfts" durch die "neue Attraktion". Ortsbeirätin Petra Gerland (SPD) schüttelt angesichts der optimistischen Sichtweise nur verwundert den Kopf. Sie glaubt, dass das Hooters-Restaurant den Abwärtstrend des Viertels vorantreiben wird.

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