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Hundeverordnung: Vierbeinerfreunde jaulen auf

Die neue hessische Hundeverordnung stößt bei Experten auf Kritik. Ein Rottweilerklub erwägt eine Klage. Von Jutta Rippegather

Der Schäferhund führt die Beißstatistik mit großem Abstand an. Es gibt aber auch besonders viele dieser Tiere in Deutschland.
Der Schäferhund führt die Beißstatistik mit großem Abstand an. Es gibt aber auch besonders viele dieser Tiere in Deutschland.
Foto: ddp

Ein Innenminister muss sich nicht mit allem auskennen. Dann aber Fachleute zurate ziehen, etwa wenn er eine Hundeverordnung erstellt. Volker Bouffier (CDU) hat dies versäumt. Das kreiden die Fachleute in Hessen ihm an. Hätten sie ihr Wissen mit einbringen können, gäbe es die Liste nicht, die elf Rassen eine generelle Gefährlichkeit unterstellt - zu Unrecht, wie sie meinen.

Ob Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH), Berufsvertretung der Hundetrainer oder Allgemeiner Deutscher Rottweilerklub: Alle sind sich einig, dass die Landesregierung der Bevölkerung mit der Verordnung etwas vorgaukelt.

Gefährliche Rasse

Zehn Rassen wird Gefährlichkeit unterstellt: Pitbull-Terrier, Staffordshire Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier, American Bulldog, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Kangal, Kaukasischer Owtscharka, Rottweiler.

In der ersten Eilverordnung aus dem Jahr 2000 waren noch 16 Hunderassen als "unwiderleglich" gefährlich eingestuft.

Alle vier Jahre müssen diese Hunde einen Wesenstest absolvieren. Sie müssen gechipt sein, Kommunen können höhere Steuer erheben.

Die Stigmatisierung habe nichts bewirkt, die Zahl der durch Hundebisse Getöteten liege seit Ende der 60er Jahre konstant bei durchschnittlich 3,5 pro Jahr, sagt Rainer Schröder vom Berufsverband für Hundeerzieher (BHV) mit Sitz in Niedernhausen. "Damals gab es hier noch keine Pitbulls oder Bullterrier."

Gefährlichkeit sei keine Frage der Rasse, die Verordnung allein eine Beruhigungspille für die Bevölkerung: "Solche Listen sind das falsche Instrument, um eine gewisse Sicherheit herzustellen." Und sie seien ungerecht. Weil nicht nachvollziehbar sei, warum Schäferhunde bei der Aufzählung der gefährlichen Rassen nicht auftauchen.

Die Schäferhunde (und Mischlinge) führen die hessische Beißstatistik an. Dass sie trotzdem nicht auf der Liste stehen, begründete das Innenministerium stets mit der großen Population. Doch es gibt keine konkreten Zahlen darüber, wie viel Cockerspaniel, Dackel, Retriever oder eben Schäferhunde in Hessen existieren.

Beim VDH sind nur die Welpen von offiziellen Züchtern registriert, bestätigt Landesvorsitzender Reinhard Jakob. Nicht aber jene, die in Privathaushalten auf die Welt kommen. "Die Dunkelziffer ist hoch." Auch die Kommunen können nicht weiterhelfen: Die meisten erfassen bei der Anmeldung zur Hundesteuer nicht die Rasse.

Der VDH hält ebenfalls nichts davon, bestimmten Rassen eine generelle Gefährlichkeit zu unterstellen. "Ein Hund ist ein Beutetier, wenn er in falsche Hände kommt kann immer etwas passieren", sagt Jakob. Wie der Berufsverband der Hundeerzieher plädiert er dafür, eine Pflicht zum Hundeführerschein einzuführen.

Die Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Rottweiler Klubs sind sauer auf Bouffier. Seitdem zum Jahresanfang die neue hessische Hundeverordnung in Kraft trat, stehen ihre Tiere plötzlich auch auf der Liste. Als Züchter werde er es künftig schwerer haben, seine Welpen zu verkaufen, befürchtet Sprecher Ralf Paul.

Der Verein erwägt eine Klage vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel. Die Landesregierung operiere bei Population und Unfällen durch Hundebisse mit falschen Zahlen und Statistiken, lautet der Vorwurf. Nicht die Rasse sei das Problem, sondern der Halter. Bouffier betreibe "sicherheitspolitische Augenwischerei auf dem Rücken kleiner Minderheiten", die Landesregierung "populistische Sündenbockpolitik".

Vom Innenministerium war zu den Vorwürfen in den vergangenen zwei Tagen keine Stellungnahme zu bekommen.

Autor:  JUTTA RIPPEGATHER
Datum:  11 | 2 | 2009
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