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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

02. Juli 2012

Hymnen-Streit in Hessen: Bouffier fordert: Hymne singen!

 Von Volker Schmidt
Mitsingen oder nicht? Foto: dpa

Das Sommerloch in der hessischen Politik beginnt am ersten Ferientag: Die CDU bemängelt die Sangesfreude deutscher Fußballnationalspieler bei der Nationalhymne. Grünen-Abgeordnete twittern daraufhin vom "Patriotismus-TÜV der Hessen-CDU".

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Das Sommerloch in der hessischen Politik beginnt am ersten Ferientag: Die CDU bemängelt die Sangesfreude deutscher Fußballnationalspieler bei der Nationalhymne. Grünen-Abgeordnete twittern daraufhin vom "Patriotismus-TÜV der Hessen-CDU".

Ach, wäre Hessens Landesvater doch Fußball-Nationaltrainer. Dann wäre Deutschland jetzt Europameister. Denn Volker Bouffier (CDU) weiß, wie man Spiele gewinnt: „Es sollte zum guten Ton gehören, dass alle Spieler die Hymne mitsingen“, sagte er der Bild-Zeitung. „Peinlich genug“, dass die Fußballer nicht selbst darauf kämen – „sie spielen schließlich für die deutsche Nationalmannschaft“. Und sein Sportminister Boris Rhein (CDU) sagt, er habe sich „sehr geärgert“, dass nicht alle Spieler sangen.

Das Boulevardblatt Bild hatte in schwarz-rot-goldenen Lettern gefragt, „Sind wir patriotisch genug?“ Kolumnist Franz Josef Wagner analysierte messerscharf: Nachdem die deutschen Spieler vor dem Halbfinale gegen Italien das Deutschlandlied nur gemurmelt hätten, habe ihr Spiel „keine Magie, keinen Glauben“ gehabt. Die Azzuri dagegen hätten ihr „Fratelli d’Italia“ über die Bereitschaft, bis zum Tod zu kämpfen, voll „Blutdurst“ mitgesungen: „Als die Hymne gespielt wurde, wollten sie alle sterben“ . Da sollten die deutschen Spieler sich ein Beispiel nehmen, fand er.

Auch nichthessische Politiker kamen bei Bild zu Wort, und sogar der Kaiser: Franz Beckenbauer hatte 1990 als Trainer nach eigenen Angaben die Elf per Mitsingbefehl zum WM-Sieg geführt. In Hessen traf die Hymnen-Debatte allerdings einen Nerv: Erst in der vergangenen Woche hatte der Landtag auf Antrag der CDU über „unverkrampften Patriotismus“ debattiert. Bouffiers Äußerungen, findet Linken-Fraktionschefin Janine Wissler, entlarven nun, was gemeint war: „Wer nicht mitmachen will, wird gezwungen.“

Müssen Nationalspieler die Hymne mitsingen?

Grünen-Abgeordnete twitterten vom „Patriotismus-TÜV der Hessen-CDU“, von „Provinzpolitikern“ im Sommerloch. In der Stellungnahme der Grünen schrieb ihr sportpolitischer Sprecher Daniel Mack, Bouffier wolle „mangels erfolgreicher Projekte in Hessen“ von seiner Politik ablenken. „Die Entscheidung, ob ein Spieler die Hymne singt oder nicht, liegt einzig und allein bei ihm. Und diese Entscheidung ist zu respektieren“, findet er. Auf Twitter sprach Mack von „rechtskonservativem Hymnenstreit“. SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel sagte, er singe die Hymne, wann immer sich die Gelegenheit biete, aber zu Diskussionen wie dieser „verkneife ich mir jeden Kommentar“.

Ist die Hessen-CDU schuld am Aus für die deutsche Elf?

Welche Klientel Bouffier und Rhein mit ihren Äußerungen bedienen, zeigen Kommentare im Internet: „Es heißt Nationalmannschaft und das bedeutet du spielst für dein Land WAS AUCH EINE HYMNE HAT und deshalb sollte man mit singen“, schrieb einer, der die Sprache noch üben muss. Andere unterstellten Spielern mit Migrationshintergrund pauschal mangelnde Loyalität: „Was spielen die dann in der Nationalmannschaft, wie z. B. Podolski, Özil usw. wie die alle heißen.“

Umstritten blieb, ob Singen hilft: Den Italienern habe es gegen die Spanier, deren Hymne nicht mal einen Text hat, auch nichts genutzt, bemerkten Schlaumeier . Andererseits ist vielleicht doch die Hessen-CDU an der deutschen Halbfinal-Niederlage schuld: Es sollen Abgeordnete der Union gesehen worden sein, die beim gemeinsamen Fernsehen am Donnerstag im Landtag die Hymne nicht sangen. Hat der Landesvater seine Mannschaft nicht im Griff?

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