Frankfurt/Main. Die beiden Gewerkschafts-Chefs Michael Sommer und Berthold Huber haben vor einer schwarz-gelben Koalition nach der Bundestagswahl am 27. September gewarnt. "Das wäre die schlechteste aller Regierungskonstellationen für die nächsten vier Jahre", meinte der Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, am Samstag im Frankfurt bei der Hauptveranstaltung seiner Gewerkschaft im Bundestagswahlkampf.
Laut Polizei nahmen 30.000 Menschen an der Kundgebung im Frankfurter Fußballstadion teil. Sie stand unter dem Motto "Macht Politik für die Mehrheit der Menschen". Die IG Metall sprach von rund 45.000 Teilnehmern.
Trotz der vielen Teilnehmer mussten Eintracht-Fans in diesem Jahr nicht um den Rasen im Stadion bangen. Vor einem Jahr war das gute Stück dermaßen demoliert worden, dass ein Heimspiel verschoben werden musste. Die Metaller hatten in diesem Jahr ein Einsehen. Sie deckten das hübsche Grün mit Platten ab.
Der DGB will laut Sommer eine schwarz-gelbe Koalition verhindern. "Schwarz-Gelb würde Deutschland schaden", sagte der Vorsitzende Sommer der "Passauer Neuen Presse" vom Samstag. "Wirtschaft, Union und FDP in einem Boot - das bedeutet soziale Kälte. Wer in der Krise massive Steuersenkungen verspricht, der will den Staat ausplündern und handlungsunfähig machen."
Huber kündigte in Frankfurt weitere Aktionstage für die kommenden Wochen an, auf denen die IG Metall für die Beteiligung an der Bundestagswahl werben will. Nach den Wahlergebnissen vom vergangenen Wochenende dürfe sich nun nicht zu früh gefreut werden, sagte er. Deutschland drohe ein weiterer Sozialabbau, die Folgen der Wirtschaftskrise seien noch längst nicht überwunden.
Huber forderte einen "staatlichen Schutzschirm" zur Verhinderung von Massenarbeitslosigkeit. Weiterhin sprach er sich gegen ein Renteneintrittsalter von 67 Jahren aus. "Das ist ein Irrweg, und dieser Irrweg muss nun beendet werden."
Seine Rede stand im Mittelpunkt der Veranstaltung, bei der auch Rockstar Bob Geldof auftrat. Politiker kamen nicht zu Wort. Viele der Teilnehmer trugen einheitliche T-Shirts mit Aufschriften wie "Der Kapitalismus hat sich übernommen - Jetzt übernehmen wir!" - der Slogan der bundesweiten Jugendkampagne der IG Metall. Besonders viel Applaus erhielt Huber, als er sich gegen die Jugendarbeitslosigkeit aussprach. "Das ist ein Skandal. Die Aktion heute Morgen hat gezeigt, dass die Jugend für ihre Zukunft eintritt", sagte er.
6000 Jugendliche demonstrieren in Frankfurt
Am Samstagvormittag vor der Veranstaltung im Stadion hatten sich laut Polizeiangaben etwa 6000 Jugendliche in der Frankfurter Innenstadt zu einer Kundgebung getroffen und für bessere Zukunftschancen demonstriert.
Dieses Thema werde zwar häufig in Sonntagsreden bemüht, spiele im Alltag der Politik aber kaum eine Rolle, sagte der zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, nach Gewerkschaftsangaben. Diese hatte die Zahl der Teilnehmer mit 12.000 angegeben. Vor der einstündigen Veranstaltung waren 500 Jugendliche demonstrierend vom Südbahnhof zum Opernplatz gezogen.
Den Veranstaltungen im Stadion und auf dem Opernplatz war eine bundesweite Fragenbogen-Aktion der IG Metall vorangegangen. 480.000 Frauen und Männer hatten sich beteiligt, ihre Vorstellungen von einem "guten Leben" und ihre Forderungen und Wünsche an die Politik formuliert. (dpa)
Im Internet: www.gutes-leben.de

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