Zu Beginn des Ausbildungsjahres haben die hessischen Industrie- und Handelskammern (IHK) einen Zuwachs an neu besetzten Lehrstellen gemeldet. Es seien 21.800 Ausbildungsverträge abgeschlossen worden, teilen die Kammern mit. Das seien drei Prozent mehr als vor einem Jahr.
Die Unternehmen benötigten Fachkräfte und hätten daher ihre Personalpolitik auf die Rekrutierung von Nachwuchs ausgerichtet, sagt IHK-Ausbildungsgeschäftsführerin Brigitte Scheuerle. Die in den Kammern organisierten Unternehmen stellen etwa 60 Prozent aller Ausbildungsplätze in Hessen.
Dabei griffen die Unternehmen gern auf die Lehrstellenbörsen der hessischen IHK zurück. Aber genau diese stehen nun aber in der Kritik des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Hessen-Thüringen. Eine Stichprobe habe ergeben, dass nur etwa jede vierte angebotene Stelle auf den Börsen der Kammern tatsächlich noch in diesem Jahr besetzt werden könne. Viele der vermeintlich offenen Angebote seien schon vergeben gewesen, aber nicht aus dem Internet gelöscht worden, moniert die Gewerkschaft.
Der DGB hatte nach eigenen Angaben 138 von 373 Angeboten für das Lehrjahr 2010 überprüft. Nur 35 Lehrstellen indes seien noch frei gewesen. DGB-Funktionärin Anke Muth spricht von einem „Bluff“ und fordert die Kammern auf, die „Verschleierungstaktik“ aufzugeben und ihre freien Plätze den Arbeitsagenturen zu melden. Dort würden die Plätze professionell vermittelt.
IHK-Geschäftsführerin Scheuerle weist die Kritik zurück. So seien gerade hessische Unternehmen darauf angewiesen, auf vielen Kanälen nach Nachwuchs zu suchen. Wann ein Angebot aus der Börse herausgenommen werde, sei Sache der Unternehmen. Die Kammern stellten lediglich die Plattform. Nach Angaben der Arbeitsagentur suchen noch 6600 junge Menschen in Hessen eine Lehrstelle. Dem standen 5000 offene Stellen gegenüber. (dpa/pdi)

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