"Baust Du schon, oder verhandelst Du noch", so könnte in Anlehnung an die kultige Werbung der Morgendialog beim Frühstück zweier Ikea-Vorstände beginnen. Der Möbel-Gigant aus Schweden macht sich daran, den deutschen Fertighausmarkt aufzurollen. Mit Reihenhäusern. Und er beginnt damit im Rhein-Main-Gebiet, und zwar in Hofheim, in Offenbach und in Wiesbaden. Zusammen mit dem hessischen Fertigbauer Bien-Zenker aus Schlüchtern importieren die geistigen Väter von Billy und Ivar das Hauskonzept Boklok ("Wohne clever") nach Deutschland. Das Interesse ist groß. Mancherorts aber auch die Skepsis.
Ausgerechnet am Standort Hofheim - wo die deutsche Ikea-Geschichte einst begann und heute die Deutschlandzentrale residiert -, regt sich Widerstand. Dort hat man dem Möbelriesen schon die weitere Expansion schwer gemacht - die Pläne der Schweden zur Erweiterung um ein Fachmarktzentrum und einen sogenannten Homepark sorgen in der Stadt am Taunus für Polit-Streit; nun wird der Ton noch schärfer: Auf den ersten Schwarzweiß-Vorlagen hätten die Gebäude ausgesehen "wie Baracken, in die man zwei Löcher reingestemmt hat", wird der CDU-Ortsvereinsvorsitzende Frank Härder zitiert.
Offenbach ist bereit
Der Bebauungsplan ist vorerst mal gestoppt. FDP und CDU verlangen weitere Informationen. Der Hofheimer Baudezernent Wolfgang Winckler (SPD) hingegen kann das nicht nachvollziehen. Er rechnet nach abermaligen Informationsveranstaltungen mit einem baldigen Baubeginn. In Offenbach hingegen kann man mit der Offerte von Boklok, Ikea und Bien-Zenker sehr gut leben. Regina Preis, Leiterin Unternehmenskommunikation der Stadtwerke Offenbach, die das Gelände An den Eichen, früher der soziale Brennpunkt Lohwald, 1999 vollkommen erschlossen und die Vermarktung übernommen haben, klingt optimistisch: "Die Lage ist attraktiv - stadtnah, aber auch mit hohem Naherholungsfaktor."
Die gute Infrastruktur biete Potenzial vor allem auch für Familien. Derzeit sei man für den Osten der Stadt noch in der Prüfungsphase, Baurecht bestehe allerdings schon. Komme es zu einer Zusammenarbeit, wäre das Projekt "schnell realisierbar". Das positive Image, das Ikea genießt, könnte durch den Einstieg ins hiesige Baugeschäft auch eine Chance für andere sein: für die Branche der Holzfertigbauer. Nachdem der Möbelhersteller lange genug die Wohnwünsche der Deutschen geprägt hat, könnte er nun auch für die Wahl des Haustyps Impulse geben, hofft der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) in Bad Honnef. "Wenn Ikea seine Schwedenhäuser im großen Stil bewirbt, wäre das nur von Vorteil für die Branche, auch für die Anbieter höherwertiger Häuser", sagt BDF-Marketingexperte Achim Hannott.
Philipp Mühlbauer, Vize-Vorstandsvorsitzender bei Bien-Zenker, zuständig für Vertrieb und Ausland, gerät trotz aller Hemmnisse ins Schwärmen: "Für uns ist das eine tolle Sache, aber auch eine große Ehre, dass Ikea dieses Projekt mit uns planen will. Wir stehen allerdings noch ganz am Anfang der Geschichte". Bien-Zenker, so der Manager, habe, nicht zuletzt auch wegen der Produktionsstandorte in Österreich genügend Kapazitäten, diesen Riesenauftrag zu meistern. Auf die Dauer werde das auch neue Arbeitsplätze in der Region generieren. "Wir sind jetzt erst mal in der Verkaufsphase und freuen uns auf die Aufgabe." Weniger gefreut hat man sich beim Schlüchterner Fertighausbauer über die Breitseiten aus Langenhain, wo sich die örtliche CDU an die Spitze des Widerstands gegen eine Mustersiedlung gesetzt habe.
Bei Ikea selbst beobachtet man das politische Tauziehen gelassen: "Wir bleiben bei unserer Planung"" sagt ein Konzernsprecher der FR. Nächster wichtiger Termin für die Schweden ist der 3. März. Dann wird das erste BoklokMusterhaus auf dem Ikea-Parkplatz in Wallau vorgestellt.

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