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Illegaler Handel: Pillen aus dem Hinterhof

Viagra, Cialis, Levitra: Der illegale Internethandel mit Arzneimitteln blüht. Aber Vorsicht: Die Pillen können lebensgefährlich sein.

Gegen jedes Zwicken gibt es ein Mittelchen aus dem Internet.
Gegen jedes Zwicken gibt es ein Mittelchen aus dem Internet.
Foto: dapd

Verpackt ist das Gel in kondomartigen Tütchen. Erwerbbar ist es in acht verschiedenen Fruchtgeschmacks-Sorten. Kamagra heißt das Medikament aus Indien, das die Manneskraft steigern soll. Zu haben ist es per Mausklick, kommt dann per Post nach Hause. „Der Zoll hat erst jüngst eine große Menge davon gefunden“, berichtet Reiner Herkner, Pharmaziereferent beim Regierungspräsidum (RP) Darmstadt. Dort landen immer mehr dubiose und mitunter auch gesundheitsgefährdende Mittelchen, die die Zöllner am Frankfurter Flughafen aus dem Frachtverkehr ziehen: 15600 waren es im vergangenen Jahr.

„Potenzmittel sind der Hauptrenner“, sagt Herkner. Wer sie im Internet bestellt, zahlt weniger und benötigt kein Rezept, erspart sich also die „Oberpeinlichkeit“ mit dem Arzt über sein Problem zu besprechen. Der illegale Vertriebsweg bietet zudem die Möglichkeit, das Medikament „an der Ehefrau vorbeizuschmuggeln“. Das weiß der Pharmaziereferent seit einer Anhörung zur Geldbuße, die bei erstmaliger illegaler Medikamenteneinfuhr in der Regel bei 35 Euro liegt.

Die Rechtslage

Privatleute dürfen Arzneimittel aus Nicht-EU-Staaten grundsätzlich nur über Apotheken beziehen.
Zum Versand an Endverbraucher berechtigt sind deutsche Versandapotheken sowie aus wenigen Ländern der Europäischen Union, etwa den Niederlanden und Großbritannien.
Legale Versandapotheken sind erkennbar am Sicherheitslogo des deutschen Instituts für medizinische Dokumentation und Information „DIMDI“.
Der Zoll am Frankfurter Flughafen zog im Jahr 2008 exakt 1028 verdächtige Postsendungen aus dem Verkehr, ein Jahr später 13750. Im vergangenen Jahr waren es 15600.
Rund 12500 Verwarnungs- und Bußgeldbescheide wurden 2010 verschickt. jur

Risiko für die Gesundheit

Was den Männern die Potenz, ist den Frauen die Figur. Fast alle vom Zoll erwischten Besteller illegaler Schlankheitsmittel sind weiblich. Weil vor den Gesundheitsfolgen gewarnt wird, steht ständig ein anderer Name auf der Packung. „Das ist immer das selbe Zeug“, sagt Herkner. Deklariert sei es als rein pflanzliches Produkt. Tatsächlich beinhalte es hochwirksame chemische Wirkstoffe, die nur unter ärztlicher Aufsicht genommen werden dürften, und deshalb verschreibungspflichtig seien. Sie verursachten einen hohen Blutdruck, im schlimmsten Fall einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Hinzu käme die Unterschiedlichkeit jeder einzelnen, meist in Hinterhoflaboren hergestellten, Tablette.

„Die Mengen des Wirkstoffs reichen von Null bis zum 30-fachen.“ In den USA und Italien gab es deshalb schon Todesfälle. Indien, China, Hongkong – das sind die Herkunftsorte der Päckchen, die die Zöllner am Frankfurter Flughafen aus der Frachtpost herausfischen. Außer Arznei für Schlankheit und Potenz stoßen sie relativ häufig auf Haarwuchsmittel und Antibiotika, informiert Zollsprecherin Yvonne Schamber. Fast immer handele es ich um Pillen und Pülverchen für den Eigengebrauch.

Die Sendung mit 8000 Anabolika-Tabletten, die der Zoll vergangenes Jahr entdeckte, war auch laut dem RP-Pharmazie-referenten eine Ausnahme: „Der Großhandel läuft nicht über den Flughafen ab, sondern per Auto oder Lastwagen.“

Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) warnte am Dienstag vor den Folgen der illegalen Internet-Bestellungen von Medikamenten. „Privatpersonen riskieren nicht nur ihre Gesundheit, sondern müssen auch mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren rechnen.“ Die legalen Vertriebskette würde vom RP in Darmstadt überwacht und sei sicher. Die Europäische Union plane derzeit eine intensivere Überwachung.

Autor:  Jutta Rippegather
Datum:  26 | 4 | 2011
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