Biancas Partner schwitzt. California Dreams tönen über die kleine Tanzfläche, nicht zu laut. Fünf Lieder lang Foxtrott. Eine Schöne mit langer blonder Mähne und hochhackigen Stiefeln bewegt sich hartnäckig gegen den Takt, andere glänzen mit gekonnten Figuren.
Thomas kann nicht tanzen, das mögen die Frauen nicht. Deswegen steht er nur und schaut. Immer freitags geht der 65-Jährige zur Ü-40-Party im Wiesbadener Tanzlokal No. 33. "Das beste Lokal für über 30-Jährige", findet Bianca. Ihr Alter verrät sie nicht. Nur so viel: Sie ist alleinstehend, zwei Mal geschieden und jetzt wieder zu haben.
Ausgehen für Ältere
Im Tanzlokal 33 in Wiesbaden- Nordenstadt, Stolberger Straße 33, ist jeden Freitag von 20 Uhr an Ü-40-Party. Der Eintritt kostet fünf Euro. Es kommen durchschnittlich rund 100 Gäste Gespielt werden bis 2 Uhr Oldies und Charts.. www.tanzlokal33.de
Der Culture Club in Hanau-Wolfgang, Vor der Pulvermühle 11, lädt seit fünf Jahren zum Club 30. Etwa 800 Frauen und Männer tanzen und flirten jeden Freitagabend von 21 Uhr bis maximal 5 Uhr. Der Eintritt kostet acht Euro. www.cultureclub-hanau.de
Im Börsenkeller in Frankfurt, Schillerstraße 11, feiern 400 bis 500 Ausgehfreudige jeden Samstag von 21 Uhr an. Geöffnet ist bis 4 Uhr in der Früh, der Eintritt kostet sechs Euro. Gespielt wird Musik der 70er und 80er sowie aktuelle Charthits. www.bullandbear.de
Im Südbahnhof Frankfurt ist ein bis vier Mal im Monat die 30plus-Party, die vom Journal Frankfurt und dem Jazzforum veranstaltet wird. Nächste Termine sind die Samstage 21. und 28. März sowie 4. April. Beginn ist jeweils um 21 Uhr, Ende um 3 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro. www.30plusparty.de
In der Villa Sondheimer in Frankfurt, Bockenheimer Landstraße 102 (vormals Literaturhaus), gibt es am Freitag, 27. März, ab 22 Uhr die nächste Ü-50-Party.
Im Huckebein in Darmstadt, Heidelberger Straße 89a, steigt die Ü-30-Party unter dem Motto "Der Kult geht weiter" seit drei Jahren jeden Freitag um 22 Uhr, solange die Gäste wollen, längstens bis 5 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro. Die Musik ist von 80er-Hits über die Neue Deutsche Welle bis hin zu aktuellen Charts bunt gemischt. 300 bis 400 Gäste kommen im Schnitt zu der Party. www.huckebein.de
Im Club Biergarten Dieburg, Hohe Straße 17, werden jeden Samstag ab 21 Uhr Rock, Pop und andere Musik für Menschen über 30 gespielt. Der Eintritt kostet vier Euro. www.biergarten-dieburg.de
Das Way Upin Hainhausen, Siemensstraße 30, lädt seit drei Jahren einmal pro Monat - jeweils am letzten Dienstag - zur 30plus-Party, von 20 bis 2 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro inklusive Buffet. www.wayuplollipop.de
Im Black & WhiteClub in Bad Homburg, Lindenallee 3, wird jeden Freitag ab 21 Uhr eine Ü-30-Partynight veranstaltet. Der Eintritt kostet Feierwillige fünf Euro. www.black-white-club.de
Jede(r) Sechste in Hessen ist laut Statistischem Landesamt Single, viele werden es wieder mit 40 oder 50, wenn die Midlife-Krise kommt, Paare sich nichts mehr zu sagen haben, die Kinder aus dem Haus sind oder eine neue Liebe das Leben durcheinander wirbeln soll. Dann will man wieder feiern, flirten und tanzen, aber bitteschön mit Seinesgleichen.
Partys für Ältere boomen, haben spöttische Beinamen der Anfangsjahre wie "Gammelfleisch" oder gar "Resteficken" längst überwunden. Meist heißen sie Ü-30 und locken doch ein Publikum bis über 50 an. Die Zahl markiert nur eine Alters-Untergrenze und ist nach oben dehnbar.
Beim Ü-40 im Tanzlokal No. 33 geht es bis mindestens 70. Keine wilde Partystimmung, eher Seniorentanztee mit soften Abba-Klassikern. Kronleuchter flackern orange. Die roten Polsterecken sind kaum besetzt. Drei - gemessen am Saaldurchschnitt- junge Herren stehen am Tisch. "Ich bin eigentlich mehr der Hardrocker", sagt Frank, der heute seine Freunde fährt. Daher geht der 51-Jährige sonst mit seiner Freundin lieber auf Ü-30-Veranstaltungen.
Profi in dieser Partyzone ist die Firma Yuka Events aus dem Ruhrgebiet, die Ausgehfreudige in 100 deutschen Städten in bis zu 6000 Besucher fassende Hallen lockt. "Menschen über 30 finden sich in üblichen Discotheken nicht wieder", sagt Marketingleiter Martin Küpper. In Hessen bietet die Firma10 bis 15 Megapartys in Fulda, Wiesbaden, Kassel und Mainz an.
Obwohl die Konkurrenz groß ist: Nicht nur Discotheken und Musiklokale bieten im Rhein-Main-Gebiet Ü-30-Partys an. Auch Dorffeste, Faschingsveranstaltungen und Vereine umwerben die Älteren. "Ü-30 wird immer mehr kopiert", sagt Karl-Heinz Nothnagel vom Club Huckebein in Darmstadt, "die Leute wissen, dass das gut läuft."
Auch seine Ü-30-Party ist seit drei Jahren erfolgreich, ebenso wie das 30plus im Frankfurter Südbahnhof, das 2003 Premiere hatte und eine der ältesten solcher Partys im Rhein-Main-Gebiet ist. Im Vorverkauf gehen die Karten immer schnell weg. Allein im März stehen vier Partytage im Plan. "Es wird voll werden", weiß Veranstalterin Christine Schwarzbach schon vorher.
Im Culture Club in Hanau-Wolfgang gibt es freitags meistens lange Warteschlangen für den Club30. Heute mal nicht, auch an der Bar und den kleinen Tischen ist noch Platz. Das Partyvolk zieht es in den Nebenraum mit der Tanzfläche. Dutzende Zeigefinger schnellen rhythmisch durch Nebelschwaden Richtung Decke. Ein Paar tanzt Foxtrott, der Rest zuckt ohne Regeln, viele allein. Manche stehen an der Tür, beide Räume im Blick und zappeln auf der Stelle. Gemustert wird, aber eher beiläufig als aufdringlich.
Das schätzt Nadja aus Frankfurt, die ein Wasser vor sich stehen hat. "Entspannt" findet sie die Atmosphäre. Dass viele Gäste schon deutlich über 40 sind, stört die 32-Jährige nicht. "Hier hat man beim Tanzen wenigstens nicht gleich zehn fremde Hände am Körper", sagt sie.
Und auch Christian, der adrette Finanzdienstleister, der mit 29 noch an einer Ausweiskontrolle scheitern könnte, fühlt sich hier wohl, auch wenn seine Altersgenossen eher noch in Discos für Junge gehen. Dort nerven ihn die "verwöhnten Prinzessinnen", die immer hofiert werden wollen. Hier sei ein Abend "weniger stressig", sagt er. Und: "Ich habe kein Problem mit älteren Leuten."
Die können auch ganz unter sich bleiben - bei der Ü-50-Party, die seit Ende 2006 im ehemaligen Literaturhaus, heute Villa Sondheimer, im Frankfurter Westend organisiert wird. Der 60. Geburtstags eines Professors gab den Anstoß. Weil die Stimmung so gut war, versammelt sich seitdem einmal im Monat ein Stammpublikum von 100 bis 200 Gästen, mehr Frauen als Männer, sagt Rainer Weiss, Verleger und 60-jähriger Mitveranstalter. "Das ist ein Selbstläufer geworden." Gespielt werden nicht nur "Highway to hell", sondern auch aktuelle Charts. Der älteste Gast, den Weiss in Erinnerung hat, war ein 75-Jähriger Mann: "Der Einzige, der mal eine Frau abgeschleppt hat."

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