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Im Porträt: Ein Frankfurter in der Wüste

Sebastian Schulze mag Rentner-Autos. Autos wie seinen Opel Omega, Baujahr 1993. Damit tritt er und sein Team "Spirit of Frankfurt" nun bei der Allgäu-Orient-Ralley an. Als Gewinn wartet ein Kamel. Von Georg Leppert

Wird sich für die Rallye noch bequemere Kleidung anziehen: Sebastian Schulze, Auto-Fan und Architekt.
Wird sich für die Rallye noch bequemere Kleidung anziehen: Sebastian Schulze, Auto-Fan und Architekt.
Foto: FR/Rolf Oeser

Die Vordersitze sind mit wollenen Bezügen bedeckt. Damit man es auch im Winter schön warm hat. Sebastian Schulze grinst. "Naja, es ist eben ein Rentner-Auto." Er meint das gar nicht despektierlich. Sebastian Schulze mag Rentner-Autos. Autos wie seinen Opel Omega, Baujahr 1993, 2,0 Liter Hubraum, 125.000 Kilometer auf dem Tacho. Schulzes Omega ist der Klassiker unter den Rentner-Autos. Wäre da nicht die extravagante Lackierung. Aber dazu später mehr.

Noch ein paar Tage, dann werden Schulze und seine fünf Freunde vom Verein "Spirit of Frankfurt - Motorsports" auf große Fahrt gehen. Mit dem Omega und zwei weiteren Autos, für die die Herrschaften locker die Abwrackprämie hätten einstreichen können. Das Team nimmt an der fünften Auflage der Allgäu-Orient-Rallye teil. Es misst sich mit Rennställen, die Namen haben wie "Scheich Musa Ibn al Namsa und die Söhne des Windes". Oder: "Die außerirdischen Kohlköpfe". Oder: "Die Aachener Wüstenschleifer". Das sogenannte Rennen beginnt am 30. April in Oberstaufen und endet zwölf Tage später in der Nähe von Amman in Jordanien. Die Strecke können die 105 Teams weitgehend frei wählen. Fest steht aber, dass sie in Syrien und Jordanien über Wüstenpisten fahren müssen. Und das mit dem Omega? Schulze bleibt gelassen. "Der schafft das, gar kein Problem." Der 43-Jährige hat ein Gottvertrauen in den Wagen. Außerdem hat er den Unterboden mit einer Stahlplatte verkleidet. Wegen der Gefahr von Steinschlägen.

Die Konkurrenz wird nicht wesentlich neuere Autos an den Start bringen, so viel steht fest. Die wichtigste Regel lautet: Die Autos müssen älter als 20 Jahre sein oder dürfen maximal 1111,11 Euro gekostet haben. Schulze zahlte genau 1000 Euro für den Omega. Auch das übrige Reglement erinnert nicht an klassische Motorsportveranstaltungen. Die Teilnehmer müssen sich an die Verkehrsregeln der Länder, die sie durchqueren, halten und dürfen höchstens 666 Kilometer am Tag fahren. Immerhin: Am Ende gewinnt das schnellste Team. Die Entscheidung auf der 6153 Kilometer langen Strecke dürfte bei Sonderprüfungen in der Nähe von Istanbul fallen. Da dürfen die Teilnehmer dann mal richtig Gas geben. Wie echte Rallyefahrer.

In erster Linie ist die Tour aber ein Abenteuer. Ein Abenteuer, wie es Schulze und seine Freunde schon einmal erlebt haben. Ende der 80er Jahre, als sie bis zur syrischen Grenze fuhren. Diesen Spaß wollen sie noch einmal erleben. Mit der Regel, dass keine Übernachtung mehr als 11,11 Euro kosten darf, haben Schulze und seine Mitstreiter kein Problem. "Wir nehmen Zelte und Schlafsäcke mit."

Schulzes Team repräsentiert Frankfurt. Und das soll man auch sehen. Der Omega und die beiden anderen Wagen sehen aus wie rollende Bembel. Graue Lackierung mit blauen Linien - wie auf den Ebbelwei-Gefäßen. Mit dem Wagen wird er allerdings nicht zurückkehren nach Frankfurt. Alle Autos, die heil in Jordanien ankommen, werden dort versteigert, der Erlös geht an das WorldFood-Programm der Vereinten Nationen. Schulzes Rennstall will noch mehr Gutes tun und transportiert einen Rollstuhl für ein Kinderhaus in Syrien.

Das siegreiche Team wird in Amman mit einem Kamel belohnt, das es aber gleich wieder an Einheimische verschenken muss. So ist die Regel. Schulze wird das Kamel mit Sicherheit nicht gewinnen. Dafür ist der Omega einfach zu langsam. Auch wenn die Wollbezüge noch rauskommen, ist und bleibt das Auto eben ein Rentner-Wagen.

Autor:  Georg Leppert
Datum:  9 | 4 | 2010
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