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Im Porträt: So poetisch

"Mein Schreibtisch": Holger Kube Ventura gibt dem Frankfurter Kunstverein internationales Profil, zieht Publikum an und wundert sich manchmal über Hessen. Von P. Rutkowski

Holger Kube Ventura, Leiter des Frankfurter Kunstvereins.
Holger Kube Ventura, Leiter des Frankfurter Kunstvereins.
Foto: FR/Boeckheler

Wären nicht die großen Fenster, die vier Holztische würden den ganzen Raum dominieren. Da können selbst die Regalmeter an Kunstbüchern nicht gegen an. An einem dieser Tische, dicke Holzplatte, alt, braun, grob gemasert, ganz simpel rechteckig, lang und tief, vier Beine, sitzt Holger Kube Ventura. Manchmal.

"Wenn man so alles andere als Arbeit definiert, bin ich hier vielleicht die Hälfte der Zeit." Denn der Chef des Frankfurter Kunstvereins am Römerberg ist oft unterwegs. Im Verein selbst, auf den 800 Quadratmetern des Steinernen Hauses am Markt 44, in anderen Museen, in Galerien, bei potenziellen Sponsoren und Förderern. "Und Projektbesprechungen mache ich meistens in unserem Café; da muss man dann noch mal etwas Zeit abrechnen" von den Arbeitstagen des Kurators und promovierten Kunstwissenschaftlers, die in der Regel um 10 Uhr morgens im Kunstverein beginnen und zwischen 19 und 20 Uhr bei Eröffnungen weitergehen.

Viel Papier und etwas Kunst: Auf Holger Kube Venturas Schreibtisch ist immer Hochbetrieb.
Viel Papier und etwas Kunst: Auf Holger Kube Venturas Schreibtisch ist immer Hochbetrieb.
Foto: Christoph Boeckheler (2)

"Aber so die Konzentrations-sachen mache ich dann doch auch eher zu Hause", sagt der 43-Jährige. Denn Kube Ventura belegt nur einen der vier Tische in dem Büro, an den anderen arbeiten Kolleginnen. Ein eigenes Büro hat er nicht, braucht er auch nicht. Deshalb prangt auf dem großen Tisch in der Mitte auch ein schmales MacBook, dessen Kabel über alle Papiere, Flyer, Broschüren, Briefe, Notizen liegen. Schnell eingestöpselt, schnell ausgestöpselt, in die Tasche und los.

Zurück bleiben dann wenige Stapel Papier; meist steckt da unter einem Brief oder einem vollgeschriebenen Blatt dezent ein gewichtiger Ausstellungskatalog. Ansonsten sind ein paar Bilder-CDs beiseite gelegt, hier und da ein Postit, meistens mit interessant klingenden Namen. Durcheinander gibt´s nur in der Nähe des Telefons, wo bunte Broschüren und Flugblätter verstreut sind, "Zur Ausstellungseröffnung", "Summer Academy", "Deutsche Börse Photography Prize 2010".

Kube Ventura, gebürtig in Dreieich, kommt rum. Normal in der Kunst. Von 1987 bis 1994 studierte er in Kassel, ein Jahr verbrachte er in Südamerika, war auch in Manchester. Er wurde Kurator im Vorstand des Kunstvereins Kassel, promovierte in Konstanz, war bei der Werkleitzgesellschaft in Sachsen-Anhalt und schließlich Programm- und Projektkoordinator bei der Kulturstiftung des Bundes. "Da habe ich dann das Geschäft mal von der ganz anderen Seite kennengelernt", nicht Geld suchen für Projekte, sondern Projekte anstoßen und Geld zur Verfügung stellen.

Um so mehr hat ihn dann Frankfurt verwundert, respektive Hessen. Kalt erwischt sogar. "Das viertreichste Bundesland beteiligt sich nicht an der institutionellen Förderung von renommierten Häusern wie dem Frankfurter Kunstverein, mit dessen international wirksamer Tätigkeit sich das Land enorm schmücken kann. Das habe ich so im bundesweiten Vergleich in der Kunstförderung noch nicht erlebt."

An seiner Strategie festgehalten

Diese Haltung begegnete ihm, kaum dass er im April 2009 seine neue Stelle antrat. "Da lief noch gerade die letzte Ausstellung und danach nichts war nichts mehr." Keine Kunst, kein Geld. Er gab Gas, organisierte drei Ausstellungen hintereinander, suchte Künstler und Geldgeber, fand sie auch, freute sich über die institutionelle Förderung durch die Stadt. Inzwischen ist er sogar im Gespräch mit Landesstellen um entsprechende Hilfe.

Trotz Vorabkritik aus den Feuilletons blieb Kube Ventura bei seiner Strategie Themenausstellung. Und der Zulauf gibt ihm recht: "150 Leute an Samstagen - das sind schon spektakuläre Zahlen für einen Kunstverein." Zurzeit wird das "Das Wesen im Ding" gezeigt (noch bis 25. April) und verleitet Besucher zu Gästebuch-Einträgen wie "So poetisch". Da fragt sich der Vereinschef dann: "Sind wir vielleicht schon zu nett?" Auf jeden Fall erfolgreich.

Und das ist Kube Ventura nicht unwichtig. Denn der Frankfurter Verein rangiert bei den ungefähr 500 in Deutschland unter den ersten fünf. Was nicht zuletzt auch dem Standort geschuldet ist. Denn so wenig wie Kube Ventura an seinem Schreibtisch ist, so oft machen andere Reisende in Sachen Zeitgenössische Kunst immer in Frankfurt Station. "Hier kommt man einfach immer durch auf seinen Wegen."

Autor:  Peter Rutkowski
Datum:  13 | 3 | 2010
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