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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

17. Dezember 2012

Imam-Institut Riedstadt: „Man muss die Ausbildung hier machen“

Das Ausbildungsinstitut für Imame in Riedstadt, hier noch auf der Architektenskizze, wird am Montag eröffnet.  Foto: privat

Der Ahmadiyya-Vorsitzende Wagishauser spricht im Interview mit der FR über Imame aus Deutschland und das neue Institut in Riedstadt, das am heutigen Montag eröffnet wird.

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Herr Wagishauser, am Montag eröffnet Ihre Ahmadiyya-Gemeinde im südhessischen Riedstadt ihr erstes Institut für die Imam-Ausbildung in Deutschland. Woher kommen denn Ihre Imame heute?
Sie sind größtenteils in Pakistan und Indien ausgebildet worden. Die 80 jungen Leute, die jetzt in dem neuen Institut ausgebildet werden, sind zur Hälfte hier geboren, zum anderen Teil als kleine Kinder nach Deutschland gekommen. Sie haben in der Regel Abitur gemacht und sind genau die Leute, die wir brauchen für die Arbeit, die auf Imame künftig zukommt.

Warum?
Sie kennen die Kultur, die Atmosphäre, die Menschen, und sie können die Kulturen verbinden, die asiatisch-muslimische und die europäische. Wir haben gemerkt, dass diese jungen Studenten, die zum Teil schon im Ramadan in Moscheen eingesetzt werden, eine ganz andere Akzeptanz bei den Jugendlichen in unseren Gemeinden haben. Die jungen Leute gehen mit ihren Problemen auf diese jungen Imame viel direkter zu als auf die älteren Imame, die ein ganz anderes Erziehungssystem erlebt haben. Das sehe ich als eine sehr gute Entwicklung.

Abdullah Wagishauser (62) aus Groß-Gerau steht seit 1984 an der Spitze der Ahmadiyya in Deutschland.
Abdullah Wagishauser (62) aus Groß-Gerau steht seit 1984 an der Spitze der Ahmadiyya in Deutschland.
 Foto: privat

Ist Ahmadiyya mit dem Institut ein Vorreiter unter den muslimischen Gemeinden?
Nach meiner Kenntnis gibt es in Deutschland bisher kein theologisches Studium in dieser Intensität. Die Imame der Ditib (der Verband türkisch-islamischer Gemeinden, Red.) etwa werden in der Türkei ausgebildet und arbeiten dann für vier Jahre hier.

Würden Sie anderen Gemeinden empfehlen, Ihrem Beispiel zu folgen?
Es gibt auf die Dauer keinen anderen Weg. Wenn man hier wirklich integriert arbeiten will und einen positiven Beitrag zu dieser Gesellschaft leisten will, dann muss man die theologische Ausbildung hier ansässig machen.

In welcher Sprache wird in Ihren Moscheen gepredigt?
Schon heute predigen unsere Imame in Deutsch und Urdu, also zweisprachig. Urdu ist wichtig, weil der Gründer der Ahmadiyya Muslim Gemeinde aus dem indischen Punjab kommt und seine über 80 Bücher in Urdu geschrieben hat.

Ist das Studium offen für Männer und Frauen?
Nein, das ist ein Studium nur für Männer, weil der Beruf des Imams nur von Männern ausgeübt wird. Es gibt vergleichbare Institute auch für Frauen, aber noch nicht in Deutschland. In Kanada, wo ein ähnliches Institut schon vor fünf Jahren gegründet wurde, wurde jetzt auch ein Institut für Frauen eingerichtet. Das wird bei uns noch kommen, so Gott will.

Könnten die Imame, die Sie ausbilden, auch in anderen muslimischen Gemeinden predigen?
Das könnten sie, wenn es eine Ökumene gäbe im Islam. Eine solche Ökumene gibt es aber bisher nicht. Aber selbst dort wo es bei den Christen eine Ökumene gibt, dienen katholische Theologen nicht in evangelischen Kirchen. Unser Studium ist schon ein Studium, das auf die Ahmadiyya Gemeinde zugeschnitten ist.

Oft gibt es Widerstände gegen die Einrichtung muslimischer Organisationen. Wie war das in diesem Fall?
Wir haben den Ort Riedstadt-Goddelau ausgewählt, weil wir dorthin seit langer Zeit gute Kontakte pflegen. Der Bürgermeister und die Vertreter der verschiedenen Parteien haben unsere Gemeinde über lange Jahre kennenlernen können. Wir haben dort eine Moschee gebaut in der es viele Veranstaltungen gibt. Vereine, Politiker, Ausbildungsgruppen und Schulklassen besuchen uns. Es gibt eine gewachsene gute Beziehung mit der Umgebung dort. Deswegen hat man unsere Einrichtung sehr offen aufgenommen.

Das Interview führte Pitt von Bebenburg

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