Ach ja. Der gute alte Block G. Schöne Zeiten waren das damals. Block G hatte etwas Anrüchiges an sich. Wenn man als Jugendlicher am Montag in der Schule erzählte, dass man am Samstag bei der Eintracht dort gestanden hat, dann galt man was bei den Freunden. Oft war er ja überfüllt, dann sah man gar nichts vom Spiel. Aber darum ging es in Block G des Waldstadions, in dem die härtesten der harten Eintracht-Fans standen, auch nicht. Auf die Stimmung kam es an. Wenn die gut war, konnte die Eintracht ruhig schlecht spielen.
Vermutlich wäre Block G, der im Jahr 2002 dem Umbau des Stadions zum Opfer fiel, längst in Vergessenheit geraten. Gäbe es da nicht das Eintracht-Museum und den Arbeitsplatz von Ausstellungsleiter Matthias Thoma. Auf dessen Schreibtisch nämlich stapeln sich Eintrittskarten, die wie früher noch richtig schön groß sind und auf denen als Sektor der G-Block angegeben ist. Nur berechtigen die Karten eben nicht mehr zum Einlass ins Stadion, sondern zum Eintritt ins Museum. Und Thoma reißt jedes Ticket am Eingang einzeln ab. Elektronische Kartenlesegeräte wird es im Museum wohl nie geben.
Die Geschichte der Eintracht - Vereinsarchivar Thoma, studierter Pädagoge und Autor mehrerer Fußballbücher, hat sich ihr verschrieben. Auf seinem Tisch liegen neben der Kasse griffbereit zwei Standardwerke. Beide behandeln die Historie dieses etwas anderen Fußballvereins. Das eine dreht sich um "Schlappekicker und Himmelsstürmer", das andere heißt "Im Herzen von Europa".
Vor 13 Monaten eröffnete in der Haupttribüne des Stadions unter Thomas Leitung das Museum. Seitdem ist der 36-Jährige so gut wie jeden Tag zwischen den Vitrinen zugange, stellt neue Ausstellungsstücke ein, leitet Führungen oder organisiert Veranstaltungen mit früheren Eintracht-Spielern.
Die größte Herausforderung aber hat Thoma noch vor sich: Das Meisterschafts-Jubiläum. Vor 50 Jahren, am 28. Juni 1959, gewann die Eintracht durch ein glückliches 5:3 im Endspiel gegen Kickers Offenbach den Titel. Zum ersten und bislang einzigen Mal. Das Eintracht-Museum wird dieses Ereignis mit Sonderausstellungen, Filmabenden und Gesprächen mit Zeitzeugen würdigen. Und natürlich auch die Erinnerung wach halten an die kürzlich gestorbene Eintracht-Legende Alfred Pfaff. Don Alfredo, Ballvirtuose und Spielmacher der Meisterelf, gilt als einer der Väter des Erfolgs. Immerhin: "Die Meisterschaft ist wirklich gut dokumentiert", sagt Thoma.
Trotzdem hat er es nicht immer einfach, der Archivar. Vor einiger Zeit etwa brachte ihm die Witwe von Eintracht-Spieler Hermann Höfer das Trikot, das ihr Mann angeblich im Endspiel getragen hat. Nur: Auf dem Hemd ist über dem Wappen ein roter Streifen aufgenäht. Wie Fotos von 1959 beweisen, trug die Eintracht im Endspiel aber keine Trikots mit diesem Streifen. Witwe Höfer aber beharrt darauf, dass ihr Mann in diesem Hemd auflief.
Oder die Sache mit dem Spielball. Zu gerne würde Thoma den Ball von damals ausstellen. Doch der damalige Trainer Paul Oßwald versteigerte das Sportgerät vor vielen, vielen Jahren für einen karitativen Zweck. Ob der Ball damit für alle Zeiten unauffindbar ist, wird sich zeigen. Gleiches gilt für die kleinen Fahnen, die die Frankfurter Rundschau zur Meisterfeier am Römer verteilte. "Frankfurter lesen die Rundschau", stand auf der Vorderseite. Auf der Rückseite war ein Eintracht-Wappen zu sehen. Viele der gut und gerne 200 000 Menschen, die am Tag nach dem Endspiel in der Innenstadt Spalier standen, um ihre Mannschaft zu empfangen, schwenkten die Fahnen.
Und dann ist da noch das Mysterium um den jungen Mann auf dem Mannschaftsfoto. Ein Kerl mit Brille hatte sich einfach zu den Spielern gestellt. Vermutlich wird das Foto im Jubiläumsjahr hundertfach gedruckt. Doch keiner weiß, wer dieser Fan ist. Vielleicht wird Matthias Thoma es bis zum Ende des Jahres herausgefunden haben. Viel Arbeit wartet auf ihn allemal. Und von den Eintrittskarten, die an den legendären Block G erinnern, wird er in diesem Jahr wohl besonders viele ausgeben.

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