Es gab eine Zeit, in der waren Wirtschaftswissenschaftler angesehene Leute. Der Ökonom galt als eine Art allwissender Analytiker, alleine dazu befähigt, politische Entscheidungen in die richtige Richtung zu steuern.
Das war mal. Eine repräsentative Umfrage, die nach Ausbruch der Finanzkrise durchgeführt wurde, zeigt, dass nur noch 15 Prozent der Deutschen ihre Ökonomen für kompetent halten.
Diese Entwicklung bereitet Wissenschaftlern Kopfzerbrechen. Es stellt sich die Frage, ob die wirtschaftswissenschaftliche Lehre und Forschung den Anforderungen gerecht wird, drängende Probleme im Gesellschaftssystem zu erkennen und die Politik bei deren Bekämpfung zu unterstützen. Nun hat der Exzellenz-Cluster "Die Herausbildung normativer Ordnungen" der Goethe-Universität darüber zu einem zweitägigen Workshop mit Podiumsdiskussion geladen. Vertreter der jeweiligen Positionen trafen aufeinander und gingen ihren Grundlagen auch aus theoriegeschichtlicher Perspektive nach.
So steht in der Kritik, dass die Betriebswirtschaftslehre seit ihrer Umstellung auf den Bachelor keine wirtschaftspolitischen Lehrangebote mehr vorsieht. Die erreichte ihren Höhepunkt Mitte vergangenen Jahres, als die Universität Köln plante, ihre Fakultät der Wirtschaftswissenschaften nach US-amerikanischem Vorbild umzubauen, wobei der Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik wegfiele.
Das kritisieren deutsche Ökonomen um Roland Vaupelin. Sie fordern, nicht durch ausschließliche Fixierung auf wirtschaftliche Modelle und Theorien den Bezug zum realpolitischen Geschehen zu verlieren. Wenn Akteure die Wirkungen ihrer Entscheidungen nicht einschätzen könnten, führe das zum Versagen der Wirtschaftspolitik.
Unter Federführung von Rainer Bachmann sprachen sich dagegen 188 Wissenschaftler für die Ausrichtung der deutschen Volkswirtschaftslehre nach internationalen Standards aus und widersprachen der Kritik daran, die ein "Zerrbild moderner ökonomischer Forschung" sei.
In elf Vorträgen ging es an der Goethe-Uni etwa um Probleme der Prognostik, die sich im vergangenen Jahr gerade in der Einschätzung des Wirtschaftswachstums zeigten. Auch ging es um die Frage, ob die Wirtschaftswissenschaft sich Normen unterwerfen oder nur der Effizienz verpflichtet sein sollte.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass ein zentraler Punkt der Debatte die in den USA gängige Spezialisierung auf einzelne Aspekte der Volkswirtschaftslehre ist. Ihre Befürworter sehen sie als Chance: Das Wirtschaftsgeschehen in der globalisierten Welt sei so komplex geworden, dass ein einzelner Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik den Anforderungen gar nicht gerecht werden könne.
Gegner wiesen auf das Risiko hin, bei der Beschränkung auf ein Fachgebiet verliere man den essenziell bedeutsamen Blick auf die Gesamtwirtschaft.

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