Wenn Rolf Haubl deutlich machen will, was Umstrukturierungen in Unternehmen und Organisationen mit sich bringen, wählt der Professor für Sozialpsychologie das Bild der Blase. "Der ökonomische Druck der vergangenen Jahre und der daraus entstehende ständige Reformzwang", sagt Haubl dann, hätten aus Firmen fragile Gebilde gemacht, die "nun platzen könnten". Den permanenten Umbau in ihren Betrieben könnten die Beschäftigten oft einfach nicht mehr nachvollziehen.
Welche Konsequenzen das habe, lasse sich gegenwärtig noch nicht absehen, bilanziert der Frankfurter Professor seine Untersuchung über die Folgen des ökonomischen Drucks, die er gemeinsam mit seinem Chemnitzer Kollegen Günter Voß angestellt hat.
Die Wissenschaftler stützen sich auf die Befragung von Supervisoren und Beratern, insgesamt 1000 Probanden - allesamt Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Supervision, die die Expertise auch gefördert hat.
Die psychischen Belastungen an vielen Arbeitsplätzen, zu diesem Ergebnis kommt die Untersuchung, habe in den vergangenen Jahren enorm zugenommen, gleichzeitig verschlechtere sich das Betriebsklima. Die Arbeitswirklichkeit unterliege einem drastischen Wandel, der "noch an Geschwindigkeit zugelegt hat", resümiert Haubl.
Die Führungskräfte in den Unternehmen verständen sich selbst als "hart drängende" Sachwalter des Wandels. Sie gäben den Druck nach unten weiter und ließen oft die Mitarbeiter mit den Folgen dieses Prozesses allein. Die Beschäftigen beklagen, "dass ihre Chefs oft die notwendigen Führungskompetenzen nicht mitbringen, um den Wandel für die Mitarbeiter erträglich zu unterstützen", hebt Bettina Daser hervor. Sie arbeitete als Sozialpsychologin an dem Projekt mit. Unter den Beschäftigten schwänden Kollegialität und Solidarität, nur noch selten setzten sich Kollegen gemeinsam für eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen ein. Nicht selten stünden sich jüngere und ältere Mitarbeiter gegenüber und machten sich in steter Konkurrenz gegenseitig das Leben schwer.
Gleichzeitig stellten die Wissenschaftler fest, dass der Wandel in den Firmen alles andere als konsequent verfolgt werde. Oft würden diese Prozesse wieder abgebrochen und durch andere ersetzt, ohne dass man die Resultate erst mal abwarte.
Die Autoren der Studie empfehlen den Betroffenen, im eigenen Sinne "aktive Selbstfürsorge zu betreiben". Damit seien allerdings nicht wenige überfordert. Deshalb sei es umso wichtiger, dass sich Betroffene Möglichkeiten der Entlastung schaffen, mit denen sich "der Effizienzdruck sanktionsfrei vermindern lässt". ing

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