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18. Oktober 2012

Infraserv Frankfurt: Hausmeister auf Arbeitssuche

 Von Peter Dietz
Industriepark Höchst: Infraserv will mehr. Foto: Infraserv

Der Unternehmensdienstleister Infraserv war bislang vor allem bekannt als der bodenständige des geografischen Erbes der Hoechst AG, des Industrieparks Höchst. Jetzt expandiert er über das Rhein-Main-Gebiet hinaus - nach NRW.

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Der Frankfurter Dienstleister Infraserv Höchst managt künftig den Pharma-Standort Monheim bei Dormagen. Der Betreiber des größten hessischen Chemieparks hat dazu eigens eine Tochter gegründet: die Infrasite Monheim.

Die neue Gesellschaft sichert das Gelände des Creativ Campus Monheim, entsorgt den Abfall der ansässigen Unternehmen, stellt Gebäudetechnik und organisiert den Umweltschutz. Das Engagement in Nordrhein-Westfalen sei der erste Schritt der angekündigten Expansionsstrategie, sagte ein Infraserv-Sprecher der Frankfurter Rundschau. Weitere Standorte außerhalb des Rhein-Main-Gebiets sollen folgen. Bisher ist die Gesellschaft in Höchst und dem drei Kilometer entfernten Industriepark Griesheim aktiv.

Strategisch günstig

An seinem Frankfurter Stammsitz ist Infraserv gewissermaßen der Hausmeister für 90 Betriebe. Rund 22.000 Leute arbeiten in dem Industriepark am Main. Im Vergleich dazu ist Monheim eher klein. Dort forschen derzeit zehn Firmen mit rund 900 Beschäftigten in den Bereichen Pharma und Biotechnologie. Dazu gehört auch die Brüsseler UCB als Standorteigentümer. Der Pharma-Konzern entwickelt unter anderem Medikamente gegen Immun- und Entzündungserkrankungen. Der Campus Monheim liege strategisch günstig zwischen Köln und Düsseldorf, sagte der Infraserv-Sprecher. Die Nähe zu anderen großen Chemie- und Pharmastandorten sei für viele Unternehmen der Branche interessant.

Infraserv sieht großes Potenzial für den externen Betrieb von Chemie- und Pharmastandorten. In den kommenden fünf Jahren will Vorstandschef Jürgen Vormann ein Umsatzpotenzial von 300 Millionen Euro an neuen Standorten heben. Im vergangenen Jahr erzielte die Gesellschaft einen Erlös von rund 1,2 Milliarden Euro. Im Blick hat Vormann alle großen Produktionsstätten in Deutschland. Für Eigentümer wie Nutzer sei die Zusammenarbeit mit einem professionellen Dienstleister wie Infraserv beim Standortbetrieb von Vorteil, sagt Vormann. Denn bei vielen Infrastrukturprozessen könnten Kosten gedrückt und die Effizienz gesteigert werden. Und das wirke sich positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit von forschenden und produzierenden Unternehmen aus. Im Wettbewerb um den Betrieb größerer Standorte wirbt Infraserv mit seinem „Know-how als erfahrener Standortbetreiber“.

Erfolg mit Ticona

In Höchst versorgt der Dienstleister mit rund 2700 Beschäftigten die auf dem Gelände ansässigen Unternehmen mit Strom und Dampf, reinigt deren Abwasser, stellt Feuerwehr und Werksschutz. Für solche Dienste wird die Betreibergesellschaft gut bezahlt. Doch unter dem Kostendruck der chemischen Industrie leidet auch Infraserv.

Steigen etwa die Energiepreise, so steigen für Konzerne wie Clariant und Celanese, Ticona und Sanofi die Herstellungskosten. Die Chemie- und Pharmafirmen überlegen sich daher genau, wo sie neue Produkte herstellen. Energiepreis und Versorgungssicherheit sind für die Hersteller der chemischen Industrie deshalb wichtige Kriterien bei der Wahl ihres Standorts. Wandern Firmen ab, sinkt die Auslastung der teuren Anlagen; kommen große Unternehmen hinzu, kann Infraserv seine Dienste günstiger anbieten und die eigenen Standorte attraktiver machen.

Ein wichtiges Unternehmen, das Infraserv zuletzt nach Höchst gezogen hat, war Ticona. Der Hersteller von Kunststoffen für Autos, Medizintechnik und Haushaltsgeräte musste den alten Standort bei Kelsterbach aufgeben, weil die Fabrik der neuen Landebahn des Frankfurter Flughafens im Weg stand. 50 Industrieparks hatten um Ticona gebuhlt – den Zuschlag erhielt Infraserv Höchst.

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