Die Hessen spielen auch in der Wirtschaftskrise fleißig Lotto, Glücksspirale und Spiel 77. Aber dem staatlichen Unternehmen Lotto Hessen gehen trotzdem beträchtliche Umsätze verloren. Das geht aus der Jahresbilanz hervor, die Geschäftsführer Heinz-Georg Sundermann am Freitag in Wiesbaden vorstellte.
An den Annahmestellen stieg der Einsatz 2009 gegenüber dem Vorjahr um mehr als zehn Prozent auf 566,2 Millionen Euro an. Die gesamten Einsätze einschließlich der Wetten über Anbieter wie Faber und Co. brach den Angaben zufolge jedoch um fast sechs Prozent auf 581,4 Millionen Euro ein.
Der Grund liegt für Sundermann auf der Hand: Umsätze aus Internet-Wetten wanderten wegen der veränderten Rechtslage ins Ausland ab. Seit dem 1. Januar 2009 dürfe Lotto keine Spieleinsätze mehr annehmen, die von Unternehmen wie Tipp24 über das Internet eingeworben würden. Auch ein eigenes Internetangebot sei der staatlichen Lotterie untersagt. Internet-Wetten gebe es weiterhin, beklagte Sundermann, allerdings "illegal - außerhalb des deutschen Rechtsrahmens, außerhalb der Möglichkeiten zur Spielsuchtprävention und auch außerhalb der Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit Lotto Hessen".
Besonders drastisch ist die Konkurrenzsituation für Lotto bei Sportwetten. Die Einsätze auf das staatliche Angebot Oddset seien auf dem niedrigsten Stand seit der Einführung im Jahr 2002 angekommen. Als Grund sieht Sundermann die niedrigere Gewinnquote seiner Wetten. Private Anbieter, die im Ausland nur niedrige Steuern und keine Abgaben für soziale und kulturelle Zwecke leisten müssten, könnten mehr als 90 Prozent der Einsätze als Gewinne ausschütten. Bei Oddset seien es nur 55 Prozent.
Besserung verspricht sich der Lotto-Geschäftsführer, wenn die Vorschläge des Verfassungsrechtlers Paul Kirchhof umgesetzt würden. Der frühere Verfassungsrichter plädiert in einem Gutachten im Auftrag des Unternehmens dafür, auch von den "ausländischen illegalen Anbietern" Lotteriesteuern zu erheben. Der Vollzug sei "unter den Bedingungen des modernen Internet möglich", urteilt der Verfassungsrechtler.
Politische Veränderungen liegen ohnehin an. Der Staatsvertrag für die Lotterie-Veranstalter läuft nur noch bis 2011. Im Durchschnitt wettete jeder Hesse im abgelaufenen Jahr bei Lotto Hessen für 96 Euro. Der größte Einsatz ging an "6 aus 49", für das im Schnitt 61 Euro ausgegeben wurden. Die glücklichsten Wetter spielten in Wiesbaden. Sie bekamen im Schnitt 63,84 Euro heraus. Lotto und Glücksspirale machten neun Hessen zu Millionären, allein drei im Rheingau-Taunus-Kreis.

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