Fulda/Wiesbaden. Neonazis haben für Montagabend in ganz Deutschland spontane Aktionen zum Todestag von Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß angekündigt. Im Internet seien bislang bundesweit über 130 Städte aufgelistet, davon sechs in Hessen, sagte ein Polizeisprecher in Fulda auf ddp-Anfrage.
Allerdings könnten auf der Homepage beliebig Orte hinzugefügt werden. Gleichzeitig sei mit Gegendemonstrationen zu rechnen. Im Internet rufen linke Gruppen zu Protesten gegen die Gedenkveranstaltung der Neonazis auf.
Ein Flashmob (flash=Blitz, mob="Mobilität)" ist ein Blitzauflauf von miteinander unbekannten Menschen auf einem öffentlichen Platz. Für Außenstehende wirkt die Aktion spontan. Sie wird meist über Aufrufe im Internet oder per Handy organisiert.
Flashmobs sind häufig nicht politisch sondern lustig, künstlerisch oder schlicht albern. Beispiele sind das massenhafte Kaufen von Hamburgern bei Mc Donalds oder öffentliche Kissenschlachten.
Es gebe keine gesicherten Informationen, betonte der Sprecher. Über konkrete Aktionen der Rechtsextremen sei nichts bekannt. Auch sei unklar, wer hinter dem Aufruf stecke. Die Polizei werde die Situation jedoch aufmerksam beobachten und jede Art von Rechtsverstößen ahnden. In Hessen waren zunächst sogenannte Flashmobs (auf deutsch: Blitzaufläufe) in Frankfurt, Marburg, Darmstadt, Friedberg, Hanau und Gießen angekündigt.
Neonazis wollen Heß-Text verlesen
In dem Aufruf im Internet heißt es, die Aktionen würden um 19.30 Uhr in den einzelnen Städten beginnen. Dabei sollten die Teilnehmer gemeinsam einen Auszug der Schlussworte von Heß vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal öffentlich verlesen. Anschließend sollten alle den Platz in unterschiedliche Richtungen verlassen. Insgesamt soll die Aktion nur fünf Minuten dauern.
Nach Angaben des hessischen Verfassungsschutzes finden rund um den Todestag von Heß seit Jahren Kundgebungen und Aktionen von Rechtsextremisten statt. Da zentrale Gedenkveranstaltungen in den vergangenen Jahren regelmäßig verboten wurden, habe sich die rechte Szene verstärkt spontanen Aktivitäten zugewandt.
Die Flashmobs stellten eine für Rechtsextremisten relativ neue Aktionsform dar, hieß es weiter. Da zu Flashmobs anonym und spontan mobilisiert werde, seien die Organisatoren und zu erwartenden Teilnehmer vorher nicht eindeutig bestimmbar. (ddp)

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