FR: Herr Engel, Ihr Büro hat den Wettbewerb für den Bau eines Moscheekomplexes in Algier gewonnen. Ist es das erste Sakralgebäude, das sie bislang entworfen haben? Engel: Orte des Gedenkens und der Andacht haben wir zwar schon einige konzipiert, aber im Sinne einer Gebetsstätte widmen wir uns mit dem Projekt in Algier erstmals einem Sakralgebäude.
FR: Welchen Stellenwert nimmt dieses Projekt in ihrer bisherigen Arbeit ein? Engel: Es ist für mich eine große Ehre, dass ich dieses Ensemble errichten darf, das Projekt geht ja aus einem Wettbewerb mit weltweitem Auswahlverfahren hervor. Es war sehr überraschend für uns, dass wir den ersten Preis erhielten und wir haben uns der Aufgabe sehr gerne gestellt. Mich faszinieren die Moscheen der maghrebinischen Kultur. Auch hat mich die Themenstellung interessiert, weil mit dieser Moschee der Beginn einer Stadtentwicklung in Algier verbunden ist. Unser Entwurf enthält neben dem sakralen Bereich sehr viel Soziales und Kommunikatives.
Jürgen Engel ist ein Frankfurter Architekt und leitet mit seinem Geschäftspartner Michael Zimmermann das Büro KSP Engel und Zimmermann. In weltweit sechs Niederlassungen beschäftigt das Büro das mehr als 250 Mitarbeiter.
Das Büro arbeitet derzeit unter anderem an Entwürfen für das Degussa-Gelände; zu den Projekten in Frankfurt gehört das Palais-Quartier.
FR: Als Sie sich auf dieses Projekt vorbereiteten, hat man in Deutschland bereits heftig um Moscheebauten gestritten. Haben Sie die Debatte verfolgt? Engel: Die Debatte hat mich nicht direkt betroffen, aber interessiert; die hier verhandelten Probleme sind ganz andere als die, mit denen wir befasst waren. Uns ging es darum, in einem spezifischen Ambiente mit strenger Architekturtradition die drittgrößte Moschee der Welt als modernes Gebäude zu errichten, das trotzdem den Geist und die Idee der Architektur dieses geographischen Raumes widerspiegelt. In der hiesigen Debatte geht es ja nicht wirklich um die Architektur.
FR: Wie bereitet sich ein deutscher Architekt, der in der christlich-abendländischen Kultur aufgewachsen ist, auf einen Moscheebau vor? Engel: Wir sind ein kreatives Architektenbüro, das sich mit sehr unterschiedlichen Aufgaben beschäftigt; wir umgeben uns immer mit Fachleuten, die uns beraten. Insofern haben wir uns in Algerien mit Spezialisten aus dem Bereich der islamischen Architektur zusammengetan; und wir hatten auch in Deutschland einen Experten für islamische Architektur, Moscheebauten, Ikonographie und Ornamentik. Im Vorfeld stand fest, dass die Architektur dem maghrebinischen Architekturverständnis entsprechen muss und die Architektursprache von der Bevölkerung verstanden wird.
FR: Sie haben sich beim Entwerfen des Moscheekomplexes an die Architekturtradition des Landes gehalten. Hierzulande passiert das ja nicht, so ist die Moschee in Duisburg-Marxloh in osmanischer Architektur entstanden. Engel: Es ist schon wichtig, bei der Planung das Umfeld zu berücksichtigen. Ich versuche mit einer architektonischen Konzeption das zu interpretieren, was ich vor Ort finde. In Deutschland scheint es beim Entwerfen eines islamischen Sakralbauwerks aber auch darauf anzukommen, für welche muslimische Gruppierung gebaut wird.
FR: Würde es Sie reizen, für eine deutsche Stadt eine Moschee zu entwerfen? Engel: Das wäre eine Herausforderung. Ich würde versuchen, eine Formsprache zu finden, die auch von Nicht-Moslems sehr positiv aufgenommen wird. Man kann mit Bauformen, die weniger spezifisch sind, eine größere Akzeptanz erreichen. Letztlich geht es darum, Brücken zu schlagen - das kann auch mit Kuppeln und Minaretten funktionieren. Kuppeln würde ich also nicht verdammen, die kennen wir doch zuhauf, sie sind Bestandteil der christlichen Bautradition. Ich hätte kein Problem mit einem Minarett, es ist ein Symbol für diese Religion, dass muss man akzeptieren.
FR: Am Wochenende gab es die Grundsteinlegung für den Moscheekomplex in Hausen. Wie finden Sie den Entwurf? Engel: Ich äußere mich nicht zu Projekten von Kollegen. Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass sich Architekten beim Entwerfen von muslimischen Sakralbauten hierzulande stärker der Aufgabe stellen sollten, Bauformen zu interpretieren und sie in Beziehung zu der jeweiligen Umgebung zu setzen. Ein ordentlicher Wettbewerb mit Architekten ist immer ein guter Weg. Ein Auftraggeber muss natürlich keinen Wettbewerb ausschreiben, aber ich meine, dass es dazu gehören sollte, um eine hohe Qualität zu erreichen.
Interview: Canan Topcu

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