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Interview: Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

Marcus Schmitz hat zusammen mit der FR bei Arbeitnehmern nachgehakt, was sich in Sachen Familienfreundlichkeit in den Unternehmen geändert hat. Zu wenig, findet er.

Marcus Schmitz hat vor gut drei Jahren Väter befragt, wie sie es mit Beruf und Familie halten. Zusammen mit der FR hat er nun bei Arbeitnehmern nachgehakt, was sich in Sachen Familienfreundlichkeit in den Unternehmen geändert hat. Schmitz ist selbst Vater zweier Kinder im Grundschulalter. Sein Geld verdient er als Geschäftsführer der IGS-Organisationsberatung Köln, deren Gesellschafter er ist.
Marcus Schmitz hat vor gut drei Jahren Väter befragt, wie sie es mit Beruf und Familie halten. Zusammen mit der FR hat er nun bei Arbeitnehmern nachgehakt, was sich in Sachen Familienfreundlichkeit in den Unternehmen geändert hat. Schmitz ist selbst Vater zweier Kinder im Grundschulalter. Sein Geld verdient er als Geschäftsführer der IGS-Organisationsberatung Köln, deren Gesellschafter er ist.
Foto: Privat

Herr Schmitz, der Widerspruch ist offensichtlich: Familienfreundlichkeit nimmt in den Betrieben an Bedeutung zu, dennoch ist es für Arbeitnehmer noch immer äußerst schwierig, Firma und Familie unter einen Hut zu bekommen. Woran liegt das?

Die Geschäftsleitungen haben das Thema erkannt, belassen es aber oft dabei, es für die positive Außendarstellung ihres Unternehmens zu nutzen. Intern aber wird es nicht wirklich umgesetzt. Die Umfrage hat gezeigt, dass spätestens beim mittleren Management Schluss ist, weil dort geblockt wird.

Zur Person

Marcus Schmitz hat vor gut drei Jahren Väter befragt, wie sie es mit Beruf und Familie halten. Zusammen mit der FR hat er nun bei Arbeitnehmern nachgehakt, was sich in Sachen Familienfreundlichkeit in den Unternehmen geändert hat.

Schmitz ist selbst Vater zweier Kinder im Grundschulalter. Sein Geld verdient er als Geschäftsführer der IGS-Organisationsberatung Köln, deren Gesellschafter er ist.

Sitzen dort die Bremser oder die Buhmänner?

Es sind eben jene, die die Konsequenzen unmittelbar zu tragen haben. Es fehlt ja nicht an Instrumenten, die sind fast überall vorhanden. Es fehlt nach wie vor an dem Willen zur Umsetzung oder auch an Kenntnissen zum gesellschaftlichen Wertewandel und zum anderen Rollenverständnis auch der Männer.

Geschäftsführer positionieren ihre Unternehmen also gern im Lichte der Familienfreundlichkeit. Ist das klug, wenn das nicht zugleich innerhalb des Unternehmens auch gelebt wird?

Es ist nicht dumm. Aber Familienfreundlichkeit entfaltet nur ihre Wirkung, wenn sie auch intern umgesetzt wird, sonst führt das zu Frust und einem Verlust an Glaubwürdigkeit. Es ist also an den Geschäftsführern, dafür zu sorgen, dass etwas geschieht. Zu oft aber setzt die Geschäftsleitung Ziele, deren Einhaltung sie anderen überlässt. Das ist wenig effizient. Sie muss statt dessen an Beispielen aufzeigen, wie Familienfreundlichkeit in die Tat umgesetzt werden kann.

Gut, ein Beispiel: Was für ein Problem hat ein Abteilungsleiter mit seinen zwölf Leuten, wenn da nun einer einen Home-Office-Tag genehmigt haben möchte?

Der Abteilungsleiter muss überlegen, welche Regelungen es dazu gibt, wie er das organisatorisch umsetzen kann, es muss vielleicht die Arbeit unter den Kollegen neu aufteilen, den anderen erklären, warum nicht alle einen Tag in der Woche zu Hause arbeiten können. Da ist er vielleicht aufgrund seines Arbeitsdrucks schon versucht, die Hürden so hoch aufzubauen, dass er in diese Situation erst gar nicht kommt.

Der Abteilungsleiter hat noch andere Ziele, etwa hohe Umsatzzahlen, die Steigerung des Gewinns. Was passiert, wenn das mit Familienfreundlichkeit in Konflikt gerät?

Es muss da gar keinen Konflikt geben, aber vielleicht wird das so empfunden. Die Führungskraft kommt jedenfalls leicht in ein Dilemma und versucht, eines der Ziele wegzudrücken. Das ist dann oft die Familienfreundlichkeit. Im Zweifel nämlich wird sein Erfolg an den anderen Zielen gemessen.

Was hindert den Abteilungsleiter noch?

Sie nehmen wahr, wenn das Thema nicht vorangetrieben wird. Und sie finden oft keine Unterstützung bei Betriebsräten, Personalräten und den Personalabteilungen.

Warum setzen sich Betriebs- und Personalräte nicht mehr für Familienfreundlichkeit ein?

Die haben auch andere Probleme, erkennen mitunter nicht die strategische Bedeutung, sind vielleicht selbst alten Rollenmustern verhaftet und fragen sich, warum nun auch noch die Männer in Elternzeit gehen müssen. Außerdem ist Familienfreundlichkeit ein langfristiges Ziel, und Betriebsräte werden alle vier Jahre gewählt.

Ist das Thema überhaupt noch wichtig? Das verflüchtigt sich doch angesichts der Wirtschaftskrise.

Gerade in der Krise braucht ein Unternehmen gute und motivierte Mitarbeiter. Und wo tatsächlich Personal abgebaut wird, muss man den Aufschwung überstehen, wenn es wieder aufwärts geht. Wem man dann keine Angebote zur Vereinbarkeit macht, der ist schnell weg. Das Selbstbewusstsein ist da größer geworden, auch weil das Thema in den Medien wichtig genommen wird.

Soll ich als Arbeitnehmer dann zum Chef gehen und auf den Tisch hauen?

Das ist sicher nicht der richtige Weg. Klüger wäre es zu überlegen, in welcher Situation sich mein Chef befindet. Richtig ist es, eine Win-Win-Situation zu schaffen, so dass jeder einen Vorteil hat.

Wie könnte das beim Home-Office-Tag aussehen?

Sie können anführen, dass Arbeiten am Home-Office-Tag effektiver ist, weil ich nicht 25 Mal gestört werde, dass Sie die Präsentation in Ruhe vorbereiten können. Außerdem werden dann besonders jene Tageszeiten genutzt, an denen man fit ist, sich gut konzentrieren kann. Und solche Vereinbarungen werden auch als Privileg gesehen. Ein Chef kann sie also als Motivationsinstrument einsetzen.

Die vergangenen Jahre waren für Arbeitnehmer durch Arbeitsverdichtung und höhere Anforderungen an Flexibilität bei Arbeitszeiten oder einem Ortswechsel geprägt - keine guten Zeiten für Familienfreundlichkeit. Geht das so weiter?

Das lässt sich sicher nicht zurückdrehen. Aber schon wegen der demographischen Entwicklung - es gibt einfach weniger Nachwuchs - kommen Arbeitnehmer in eine viel bessere Verhandlungsposition. Allerdings nur jene, die eine gefragte Qualifikation mitbringen. Für die wird es mit Sicherheit besser.

Interview: Peter Hanack

Datum:  28 | 3 | 2009
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