Frau Müller-Wankel, vor Ihnen liegen sechs schöne Ferienwochen. Was sind Ihre Pläne?
Zuerst mal muss ich das Schuljahr nachbereiten. Und zu dem Ende gehört natürlich auch der Anfang, das neue Schuljahr beginnt, alles muss vorbereitet werden und die ersten Wochen organisiert sein.
Also sind es nicht ganz sechs Wochen?
Nein. In den ersten beiden Wochen bin ich nicht zu Hause und jeden Tag in der Schule, ich bearbeite Dinge, die liegengeblieben sind. Und so ist es auch am Ende der Ferien, in den letzten eineinhalb Wochen bin ich wieder jeden Tag in der Schule. Ich kümmere mich um den Stundenplan (zusammen mit dem Konrektor), organisatorische Dinge bis hin zu vollgelaufenen Kellern. Im Kern bleiben mir zwei Wochen Ferien.
Dass Lehrer drei Monate Urlaub im Jahr haben, kommt also wohl nicht ganz hin. Ein weiteres Vorurteil sagt, Lehrer ist ein Halbtagsjob. Wann haben Sie täglich Feierabend?
Morgens bin ich kurz nach sieben Uhr in der Schule, nehme Telefonate von Eltern und Kollegen entgegen, damit um acht Uhr bei Unterrichtsbeginn alles laufen kann. Zu Hause bin ich in der Regel wieder gegen fünf, manchmal auch erst sechs Uhr abends. Etwa zweimal pro Woche wird es noch später, acht oder neun Uhr, weil Sitzungen in der Schule oder mit außerschulischen Institutionen sind. Auch die Elterngespräche sind meistens abends, weil die Eltern ja tagsüber arbeiten.
In den vergangenen Jahren sind den Schulen zusätzliche Verpflichtungen aufgebürdet worden, etwa die Unterrichtsgarantie plus. Wie hat sich das auf Ihre Arbeitsbelastung ausgewirkt?
Das Bild der Schulleitung, Lehrer mit Verwaltungsaufgaben, hat sich total geändert. Es ist eigentlich eher andersherum, man ist Manager für alles. Von der Schnittwunde eines Kindes bis hin zu Baumaßnahmen, Budgetverwaltung und organisatorischen Dingen das läuft alles über meinen Tisch. Hinzu kommen Unterrichtsvorbereitung und Unterricht, ich habe 14 Stunden pro Woche. Laut Plan haben wir je die Hälfte Verwaltung und Unterricht. Die Verwaltung macht aber mindestens zwei Drittel bis vier Fünftel aus.
Die Zahl der Frühpensionierungen und Burn-out-Syndrome bei Lehrern ist hoch. Wie kommen Sie mit dieser Belastung zurecht?
Es gibt Momente, da merke ich, dass ich an meine Grenzen komme. Das merkt vor allem mein Mann, wenn ich nicht mehr ansprechbar bin. Der sagt dann: ,Du bist nicht zu Hause, bist nicht da." Was mir sehr hilft, ist mein Humor. Und außerdem habe ich ein sehr gutes Team, mit dem ich mich austauschen kann. Da kommt man auch über Situationen hinweg, von denen man dachte, dass sie nicht mehr tragbar sind.
Nutzen Sie Entspannungstechniken?
Ich bin nicht der Typ, der sich hinsetzt und Om sagt. Ich gehe viel spazieren und lese viel. Damit kann ich mich wegbeamen. Das hilft.
Begegnet Ihnen das Vorurteil noch, dass Lehrer ein faules Leben führen?
Das Bild hat sich geändert. Ich höre eher Sätze wie: ,Ach du lieber Himmel, Lehrer. Wie hält man das durch?" Viele sehen, dass der Beruf nicht mehr so ist wie früher, wo man um ein Uhr zu Hause war und das Täschchen hingelegt hat.
Interview: Martin Müller-Bialon

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