Jörg-Uwe Hahn, Minister für Integration, hat im Rahmen des Projekts "Internationale Unternehmen bilden aus" (IUBA) die Firma ausgezeichnet, die den 3333. Ausbildungsplatz geschaffen hat. Was ist IUBA?
Das ist ein Projekt der hessischen Industrie- und Handelskammern (IHK) und des Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik (INBAS).Gefördert wird es vom hessischen Wirtschaftsministerium und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.
Constanze Brucker ist Projektleiterin beim INBAS - Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik in Offenbach. Sie beschäftigt sich dort mit Themen der Berufsausbildung.
INBAS forscht und berät zu Arbeitsmarkt, Aus- und Weiterbildung und sozialer Integration.
Was wollen Sie erreichen?
Ziel ist es, hessische Firmen mit internationaler Unternehmensführung für die Ausbildung zu gewinnen und so die Zahl der Ausbildungsplätze - insbesondere für Jugendliche mit Migrationshintergrund - zu steigern. Sonderberater der IHK informieren diese Unternehmen über die Möglichkeiten. Wir entwickeln zudem Info-Materialien und evaluieren das Projekt.
Warum sind Kampagnen dieser Art sinnvoll?
Die Quote der Unternehmensgründungen durch Einwanderer ist viel höher als durch Einheimische. Ständig entstehen Firmen, die großes Potenzial haben, Ausbildung anzubieten. Angesichts der Lehrstellenknappheit ist es wichtig, jeden Betrieb, der Ausbildung anbieten könnte, auch dafür zu gewinnen, Jugendlichen eine Chance zu geben.
Dazu ist Aufklärungsarbeit nötig?
Wir haben festgestellt, dass es wichtig ist, Unternehmer persönlich über Ausbildungsmöglichkeiten im eigenen Betrieb zu informieren. Das scheint aufwendig, ist aber auf lange Sicht erfolgreich. Projekte wie IUBA zeigen Wege, wie die traditionell zuständigen Stellen der beruflichen Bildung neue Zielgruppen für ein Thema gewinnen können.
Was unterscheidet eingewanderte Unternehmer von einheimischen?
Unternehmer mit Migrationshintergrund haben oft andere Ausbildungen als die im dualen System durchlaufen. Dieses System aus praktischem Lernen im Betrieb und Theorie in der Schule unterscheidet sich stark von der Berufsausbildung anderer Länder. Daher ist den meisten Unternehmern - auch denen, die ein großes Potenzial hätten, Ausbildungsplätze anzubieten - das System nicht vertraut. "Ich wusste nicht, dass ich ausbilden darf" - dieser Satz fällt in fast jedem Erstgespräch.
Wie können Sie die Inhaber dennoch gewinnen?
Mit Beratung lassen sie sich von den Vorteilen der Berufsausbildung überzeugen. Viele zeichnen sich durch klassische unternehmerische Tugenden wie Risikobereitschaft und Innovationskraft aus - gerade sie brauchen gut ausgebildetes Personal, mit dem sie ihre Zukunft gestalten können. Daher stehen bei der Beratung immer betriebswirtschaftliche Argumente und nicht soziale Gründe im Vordergrund.
IHK-Präsident Mathias Müller hat "ausländische" Firmeninhaber eingeladen, sich in der IHK zu engagieren. Wie ist das Selbstverständnis der Unternehmen?
Unternehmer mit Migrationshintergrund sind in den Gremien und Ausschüssen der Kammern leider nicht sehr stark vertreten. Dies möchten die Verantwortlichen ändern. Denn zur Integration gehört es, dass sich möglichst viele Unternehmer mit Migrationshintergrund in gesellschaftlich relevanten Institutionen engagieren. Die Firmen verstehen sich als deutsche Unternehmen - egal, welchen Pass ihre Inhaber haben. Sie arbeiten aber oftmals auf internationaler Ebene und engagieren sich häufig auch in Verbänden, die nach der Herkunft organisiert sind - etwa im deutsch-türkischen oder deutsch-griechischen Unternehmerverband.
Interview: Canan Topcu

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