Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa sagte der Chemiker am Donnerstag, der Polizeieinsatz sei das letzte Mittel gegen den Vandalismus der Protestler gewesen. Zwar sei nur eine Minderheit der Studenten für die Zerstörungen verantwortlich - das werfe nun aber ein schlechtes Licht auf den gesamten Protest für bessere Studienbedingungen.
Muss die Polizei an einem Ort höchster Bildung Konflikte lösen?
Müller-Esterl: "Ich glaube, der Teil der Studierenden ist sehr klein, der für die Zerstörungen verantwortlich ist und für die Eskalation gesorgt hat - es sind wahrscheinlich die 120 Personen, die am Ende den Polizeiaufforderungen trotzten und meinten, das Gebäude sozusagen verteidigen zu müssen. Ein Großteil der Studenten ist empört und entsetzt über diesen Vandalismus und lehnt Gewalt gegen Sachen ab."
Was ging denn zu Bruch?
Müller-Esterl: "Es waren Wände, Holzvertäfelungen und Fußböden dieses historischen Gebäudes mit Parolen beschmiert. Und offensichtlich sind auch Farbbeutel geworfen worden. Da haben wir den Besetzern gegenüber klargestellt, dass wir diese Art von Sachbeschädigung nicht dulden, die Besetzung aber zunächst weiter akzeptieren, um der inhaltlichen Diskussion auch weiter Raum zu geben. Das hat aber leider nicht zum gewünschten Effekt geführt: Es gab weiteren Vandalismus, beschmierte Kunstwerke, eine aufgebrochene und komplett verwüstete Cafeteria."
Ist der Schaden tatsächlich sechsstellig?
Müller-Esterl: "Insgesamt glaube ich, dass diese Zahl mit einem sechsstelligen Betrag eher niedrig angegeben ist. Das Casino muss in weiten Teilen renoviert werden. Genaue Zahlen gibt es noch nicht." Die Studierenden sprechen von Verletzten bei der Räumung. Müller-Esterl: "Von diesen Vorfällen ist meinen Mitarbeitern, die bei der Räumung anwesend waren, überhaupt nichts bekannt, es gibt davon auch keine Bilder. Wir halten das schlicht für unwahre Behauptungen."
Wie soll es in der eigentlichen Sache denn nun weitergehen?
Müller-Esterl: "Die Räumung heißt nicht, dass die Probleme, die die Studierenden vorgetragen haben - und die wir zum Teil auch völlig nachvollziehen können - damit beseitigt sind. Wir sind bereit für den Dialog."
Also werden Sie auch noch mit der Studentenvertretung AStA reden?
Müller-Esterl: "Wir reden mit allen - aber meine Enttäuschung über den AStA sitzt tief. Er hat sich geradezu verantwortungslos gezeigt: Erst lässt er die Besetzung auf einer Vollversammlung beschließen, will dann aber anschließend nichts mehr damit zu tun haben. Der AStA hat die Studierendenschaft bei diesem Teil des Protestes nicht in der Hand gehabt und sich hier von einer ganz kläglichen Figur gezeigt." (Interview: Heiko Lossie, dpa)

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