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Islam-Unterricht: Kultusministerin kündigt Modellversuch an

Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) spricht sich für islamischen Religionsunterricht aus. Ein "guter Schritt", sagt der hessische Ausländerbeirat. Niedersachsen hat es schon vorgemacht.

Islamunterricht in Hannover
Islamunterricht in Hannover
Foto: ddp

Wiesbaden. Die neue hessische Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) will dem islamischen Religionsunterricht an Schulen zum Durchbruch verhelfen. Dazu solle es in Hessen nach dem Vorbild Niedersachsens einen Modellversuch geben, sagte Henzler in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

"Ich denke, man kann sich von anderen Ländern was abgucken." In Niedersachsen werde erfolgreich Islam-Unterricht auf Deutsch erteilt, die Lehrer seien von einem Lehrstuhl für Islamische Religion weitergebildet worden.

"Wir werden auf jeden Fall versuchen, so etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen." Der Islam-Unterricht wird in Hessen seit vielen Jahren diskutiert, scheiterte aber bislang am Fehlen eines Ansprechpartner auf Seite der Religionsgruppen, wie ihn die Landesverfassung vorschreibt.

"Niedersachsen hat einen Modellversuch gemacht, bei dem ein Runder Tisch mit verschiedenen islamischen Gruppierungen der Ansprechpartner ist", sagte die einzige FDP-Kultusministerin in Deutschland.

Erfahrung mit dem Islam-Unterricht hat auch Henzlers neuer Staatssekretär: Der Christdemokrat Heinz-Wilhelm Brockmann war bislang Abteilungsleiter im niedersächsischen Kultusministerium.

Der hessische Ausländerbeirat begrüßte den Plan Henzlers. Das sei ein "guter Schritt in die richtige Richtung", erklärte dessen Vorsitzender, Corrado Di Benedetto, am Donnerstag in Wiesbaden. "Frau Henzler hat damit früh Maßstäbe und ein wichtiges Zeichen für mehr Integration gesetzt", betonte er. Religiöse Bindungen und Identitäten der Muslime in Hessen zu respektieren sei ein wichtiger Baustein einer erfolgreichen Integrationspolitik.

"Im ländlichen Raum wird die Entwicklung nach Einschätzung Henzlers künftig auf ein zweigliedriges Schulsystem hinauslaufen. Realschulen und Hauptschulen könnten ihre Schüler dort gemeinsam unterrichten, sagte die FDP-Politikerin.

"Entscheidend ist, dass die Kinder bei diesem Modell auf einen landesweit einheitlichen Haupt- oder Realschulabschluss vorbereitet werden." Dies bedeute aber nicht die Abschaffung der Hauptschulen. "Da, wo es funktioniert und die Hauptschule angewählt wird, wird es bei der Dreigliedrigkeit bleiben."

Insgesamt sollen den Hauptschülern schon früher als bislang mögliche Berufswege aufgezeigt werden. "Wenn sich jemand in der siebten Klasse für irgendetwas entscheidet, dann lernt er ganz anders dafür", sagte Henzler. "Wir wollen die Hauptschüler früher über Berufsbilder informieren, zum Beispiel durch eine Kooperation mit den beruflichen Schulen."

Viele Eltern bringen sich nach Ansicht von Henzler noch nicht genug in die Schulen ein. Das liege an Berufstätigkeit, manchmal aber auch an mangelndem Interesse am schulischen Erfolg der Kinder. "Es gibt Familien in diesem Land, da ist der Einzige, der morgens aufsteht, der Schüler", kritisierte sie. Dem müsse beispielsweise mit Schulsozialarbeit bei den Eltern entgegengewirkt werden.

Mit ihrer Berufung zur Kultusministerin gehe ein Traum in Erfüllung, sagte Henzler. Seit zwölf Jahren habe sie Ideen zur Schulgestaltung entwickelt. "Jetzt kann ich sie endlich umsetzen." Sie versprach einen engen Dialog mit Schulen, Elternorganisationen und Bildungsverbänden. (dpa)

Datum:  5 | 2 | 2009
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