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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

04. Februar 2010

IT-Branche: Viele Kunden zahlen nicht

 Von Martin Brust
Hessens IT-Firmen sind stark vernetzt.  Foto: Rolf Oeser

Die einen warnen vor ihr, die anderen bestreiten sie - in vieler Munde ist die Kreditklemme jedenfalls. Über schlechtere Konditionen, höhere Zinsen und schärfere Auflagen für Sicherheiten klagt etwa die Kommunikationswirtschaft. Von Martin Brust

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Die einen warnen vor ihr, die anderen bestreiten sie - in vieler Munde ist die Kreditklemme jedenfalls. Über schlechtere Konditionen, höhere Zinsen und schärfere Auflagen für Sicherheiten klagt etwa die Kommunikationswirtschaft.

Laut einer Umfrage des IT- und Telekom-Branchenverbandes Bitkom meldet mehr als ein Drittel der Mitgliedsunternehmen zunehmende Probleme bei der Finanzierung. Fünf Prozent der Firmen gaben an, dass Kreditlinien gekürzt oder Kredite verweigert würden, ein Viertel klagt gar über schlechte Zahlungsmoral der Kunden.

Am Ende der Kapital-Kette

Letzteres kann Wolfgang Jung, Gründer und Geschäftsführer von Okadis Consulting in Frankfurt-Rödelheim, bestätigen. Seit sieben Jahren bieten Jung und seine Mitarbeiter Dienstleistungen rund um SAP-Software. Nicht nur immer später zahlende Kunden seien ein Problem in der Branche, sagt Jung. Auch würden die Aufträge kleinteiliger und der Vergabeprozess aufwendiger. "Die Kunden spielen die Wettbewerbskarte stärker aus", sagt Jung.

Jürgen Ackermann von der IHK Darmstadt koordiniert den Software-Cluster Rhein-Main-Neckar. Er lässt gerade eine Befragung von Hunderten Branchenunternehmen der Region durchführen, bei der auch die Finanzierung ein Thema ist. Die Ergebnisse werden im März vorliegen, bislang sind Ackermann nur Einzelfälle mit Problemen bekannt. Der Netzwerker weiß aber auch: "Das sprechen die Unternehmen nicht so gerne an". Klar: Wer über Finanzierungsprobleme klagt, schürt Bedenken und verschärft damit möglicherweise seine Lage.

Zusammen mit drei anderen Netzwerken haben sich die Südhessen zum Cluster "Softwareinnovationen für das digitale Unternehmen" zusammengeschlossen und am Spitzenclusterwettbewerb des Bundesforschungsministeriums beteiligt. Jetzt wurde dieser Cluster als einer von fünf ausgezeichnet und erhält 40 Millionen Fördermittel. Die gleiche Summe legen die beteiligten Unternehmen nochmal drauf und hoffen so, Investitionen von über 300 Millionen Euro im Dreieck zwischen Frankfurt, Saarbrücken und Karlsruhe auszulösen.

Neben der Grundlagenforschung will sich der Cluster der Nachwuchsausbildung widmen, Standards in der Branche setzen und in einigen Jahren erste Produkte vorstellen. Der Leiter der Koordinierungsstelle, Gino Brunetti, sitzt am Center for Advanced Security Research Darmstadt. "Die Zahlungsmoral vieler Kunden ist problematisch", weiß Brunetti. Er beschreibt eine Kettenreaktion, bei der IT-Firmen am Ende stehen. Denn wenn Unternehmen Probleme haben, suchen sie Sparpotenziale gerne auch im Bereich Informationstechnologie.

Brunetti hat von einzelnen Fällen gehört, in denen Firmen Schwierigkeiten bekamen, weil ihre Kunden vor der Insolvenz stehen oder schon pleite sind. Gerade kleine und mittlere Firmen mit großer Abhängigkeit von einem oder wenigen Kunden gerieten oft in den Sog, wenn es ihren Auftraggebern schlecht geht.

Auch nordhessische IT-Firmen spüren die Finanzkrise, erklärt Armin Merle, Vorstandsvorsitzender des IT Netzwerk in Kassel. Dem Netzwerk von Unternehmen aus den Bereichen Information und Kommunikation gehören rund 40 Mitglieder an - vom Ein-Mann-Betrieb bis zum Großunternehmen. Laut Merle sind vor allem kleinere Firmen von Finanzierungsproblemen betroffen. Als Beispiel nennt er größere öffentliche Ausschreibungen, an denen sich Kleinfirmen derzeit schwerer beteiligen können. Denn diese bekämen oft die für die Zulassung zum Vergabeverfahren notwendigen Bürgschaften oder Sicherheiten nicht - und können dann kein Angebot abgeben. Die kleineren IT-Unternehmen litten unter der mangelnden Risikobereitschaft der Banken, sagt Merle.

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