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26. Februar 2016

Jugendfußball in Hessen: Schiedsrichter drohen mit Streik

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So soll es sein: Den Ball fest im Blick, der Schiedsrichter im Hintergrund interessiert nur am Rande.  Foto: Monika Müller

Schiedsrichter wollen sich die Respektlosigkeit von Trainern nicht länger bieten lassen. Sie klagen auch über fehlenden Rückhalt vom Kreissportgericht und drohen mit Streik.

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Als am vergangenen Wochenende der Disput zwischen Schiedsrichter Felix Zwayer und Leverkusens Trainer Roger Schmidt live in die deutschen Wohnzimmer übertragen wurde, dürfte dem ein oder anderen Schiedsrichter in den unteren Ligen vielleicht etwas mulmig zumute gewesen sein. Der Bundesliga-Trainer hatte sich schlichtweg geweigert, dem von Zwayer angeordneten Platzverweis Folge zu leisten. Der gestandene Unparteiische unterbrach die Partie daraufhin für mehrere Minuten. Seiner Vorbildfunktion als Profi im Rampenlicht ist Schmidt damit nicht unbedingt nachgekommen, findet auch der hessische Verbandsschiedsrichterobmann Gerd Schugard: „Das ist eine Katastrophe gewesen, man muss hier ja Nachahmungseffekte befürchten.“

Dabei brauchen einige Jugendtrainer in Frankfurt gar kein schlechtes Vorbild, um sich danebenzubenehmen. Zum Rückrundenauftakt hatte sich bei einem A-Jugendspiel in Frankfurt ähnliches abgespielt. Ein Trainer der ständig mäkelt und reinruft und auf den erteilten Platzverweis einfach nicht reagiert, sondern immer weiter pöbelt. Doch anders als Zwayer unterbrach der junge Schiedsrichter die Partie nicht. „Jungen Schiedsrichtern im Jugendbereich fehlt es häufig an Durchsetzungsvermögen, sie gehen dann eben den Weg des geringsten Widerstands“, sagt Schugard aus seiner langjährigen Erfahrung. Geringster Widerstand heißt in diesem Zusammenhang, Schmähungen und Beleidigungen ertragen und das Spiel so gut es geht zu Ende bringen. Der Schiedsrichter hat dann die Möglichkeit, in einem Sonderbericht auf die Verfehlungen von Trainern, Spielern oder Zuschauern hinzuweisen. Aufgrund dieses Berichts entscheidet der Kreisfußballausschuss dann, ob in dem jeweiligen Fall ein Verfahren eröffnet wird. Um den Nachwuchs an der Pfeife zu schützen, fordern die Schiedsrichter im Falle eines Verfahrens die Rückendeckung der Justiz. „Da muss das Kreissportgericht dann auch mal ein Zeichen setzen“, fordert Verbandsschiedsrichterobmann Schugard.

Geldstrafe statt Sperre

Doch genau diese Rückendeckung hatten die Schiedsrichter in Frankfurt zuletzt vermisst. In der jüngsten Verhandlung hatte ein Wiederholungstäter unter den Jugendtrainern statt einer Sperre lediglich eine Geldstrafe von 50 Euro erhalten. Auf den Fall angesprochen, räumte der Vorsitzende des Kreissportgerichts, Rolf Heller ein, dass sich in dem Fall eine Sperre des Trainers „durchaus aufgedrängt“ hätte. Aber es gebe ja in den Vereinen kaum noch jemand, der sich als Trainer auf den Platz stellt. „Da hätte eine sachgerechte Bestrafung mehr Unheil angerichtet als es geholfen hätte.“ Die Schiedsrichter sind von dieser Aussage empört. „Es kann nicht sein, dass auffällige und aggressive Trainer bewusst lasch bestraft werden, damit sie den Vereinen nicht verloren gehen“, heißt es in einer Stellungnahme des Hessischen Verbandsschiedsrichterausschusses. Die Schiedsrichter müssten erwarten dürfen, dass Fehlverhalten zu ihrem Nachteil eine satzungsgemäß spürbare Strafe erfährt.

Um sich zu wehren, denken die Schiedsrichter in Frankfurt offen darüber nach, einen kompletten Spieltag im Jugendbereich zu bestreiken. In einer Krisensitzung Anfang der Woche hatten sich die Schiedsrichter beraten und darauf verständigt, zunächst den Kreisfußballtag am 14. März abzuwarten. An diesem Tag steht die Wahl zahlreicher Entscheidungsträger an, die vor ihrer Wiederwahl offenbar keine unpopulären Maßnahmen zu Ungunsten der Vereine treffen wollen. Der stellvertretende Kreisfußballwart Dietrich Stein, der gleichzeitig auch Beisitzer des Kreissportgerichts ist, sieht allerdings ohnehin keinen Handlungsbedarf. „Ich weiß nicht, was wir noch machen sollen. Ich glaube, da gibt es unterschiedliche Auffassungen, was getan werden muss und was getan wurde“, sagt Stein und verweist auf die Frankfurter Erklärung. Die war 2013 ins Leben gerufen worden, um die zunehmende Gewalt auf Frankfurts Fußballplätzen einzudämmen. Das Zehn-Punkte-Programm hat in der Tat geholfen, die körperlichen Attacken unter Spielern einzudämmen. Die Schiedsrichter beklagen indes, dass die zum Fair Play verpflichtende Frankfurter Erklärung nun immer häufiger von Jugendtrainern mit Füßen getreten werde. Auf dem Kreisfußballtag sollen die Sorgen der Schiedsrichter wenn es nach Stein geht, trotzdem nicht auf die Tagesordnung. „Da sind andere Themen dringlicher, da werden die Gremien neu gewählt“, sagt Stein.

Zumindest auf der Tagung des Verbandsschiedsrichterausschusses am Montag wird die Problematik besprochen. „Wir wollen die jüngsten Fälle erörtern und überlegen, wie wir mit der Frage der Nichtansetzung von Schiedsrichtern umgehen“, sagt Schugard. Denn so ein Streik, gibt der Schiedsrichterobmann zu bedenken, treffe dann auch immer unbeteiligte Vereine, in denen es gesittet zugehe.

Vielleicht kann sich das Kreissportgericht ja künftig doch zu angemesseneren Urteilen durchringen, um den Schiedsrichtern den Rücken zu stärken. Es müssen ja nicht gleich fünf Spiele Sperre und 20 000 Euro Geldstrafe sein wie im Fall des störrischen Roger Schmidts.

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