Das "Turmpalast"-Kino: Das ist mehr als nur ein Haus mit einigen Sälen und Leinwänden. In Frankfurt steht es für 83 Jahre Kino-Geschichte. 1927 wurde auf dem Grundstück am Eschenheimer Turm ein erstes Lichtspielhaus eröffnet - damals noch für Stummfilme.
Im Krieg halb zerstört, entstand das Kino im Jahre 1950 als "Turmpalast" neu. Zur Kultstätte für Fans wandelte der sich spätestens, als hier einmal im Jahr das "Fantasy-Filmfest" einzog: Das Treffen der Freunde der schrägen, bizarren, auch blutigen Inszenierungen. Tage und Nächte in überfüllten Zuschauerräumen, mit skurril kostümierten Zuschauern aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet. Später wanderte das "Fantasy-Filmfest" in das neue "Cinestar Metropolis" in der Nachbarschaft, Eschenheimer Anlage 40, ab.
Und heute? Heute genießt der "Turmpalast" erst recht Kultstatus. In Frankfurt ist er d a s Kino für Originalversionen. Vor allem englischsprachige Filme laufen hier, aber auch zunehmend türkische Originale, die ein wachsendes Publikum unter den Frankfurter Migranten finden. Die englischsprachigen Versionen ziehen nach Feierabend in den Büros der nahen Banken-Hochhäuser viele Business-People an, Amerikaner, Engländer.
Filmexperten wissen zu erzählen, dass der "Turmpalast" als Abspielstätte für Originalversionen bundesweit das zweit-erfolgreichste Haus ist. Nur noch am Potsdamer Platz in der Bundeshauptstadt Berlin erziele man mit Originalversionen einen höheren Umsatz und mehr Einnahmen im Jahr. Mittlerweile gehört auch der "Turmpalast" zur "Cinestar"-Gruppe.
Was Wunder, dass die Kommunalpolitik einen ersatzlosen Abbruch des "Turmpalasts" nicht hinnehmen will. "Da haben wir ein Wort mitzureden", sagt unmissverständlich der planungspolitische Sprecher der CDU im Römer, Jochem Heumann.
Und er fügt hinzu: "Wir brauchen ein englischsprachiges Kinozentrum gerade in der Frankfurter Innenstadt!" Gerade bei jungen Menschen bestehe da großer Bedarf. Und die englischsprachige "Community" in Frankfurt wachse.
Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Heumann kann sich denn auch vorstellen, dass die Politik darauf besteht, dass bei einer Umgestaltung des gesamten Quartiers wieder ein neues Kino geschaffen wird. Er will die Sache in Kürze bei einem Treffen der Planungsexperten der schwarz-grünen Römer-Koalition ansprechen. (jg )

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