Es war schon beim ersten Besuch des Marktführers vor nahezu acht Jahren so, dass Kartoffeln jedes Jahr anders geraten. Mit Stärkegehalt und Sonnenscheindauer hänge dies zusammen, erklärt Uwe Böhm, Kartoffelzüchter in der vierten Generation.
Unter den neuen Böhm-Sorten sei Bellana hervorzuheben, die als Nachfolgerin der Linda genannt wird. Oder die fest kochende Anuschka als Salatkartoffel, deren Zartheit gerühmt wird.
Kartoffelrolle: 1 kg Kartoffeln, 2 Eier, Salz, Pfeffer, Majoran, Muskatnuss, 100 g Mehl, 50 g Grieß Zubereitung: Geschälte Kartoffeln kochen und heiß durchpressen (am besten schon am Vortag). Mit den übrigen Zutaten zu einem Teig verarbeiten.
500 g gemischtes Hackfleisch, 1 Zwiebel, 1 Ei, Salz, schwarzer Pfeffer, Weckmehl, gehackte Petersilie. Daraus einen streichfähigen Hackfleischteig zubereiten.
Kartoffelteig zu einer 30 x 40 cm großen Teigplatte auswellen, darauf die Hackfleischmasse verteilen und glätten. Teigplatte von der Längsseite her aufrollen und mit Öffnung nach unten auf gefettetes Backblech legen.
Rolle mit verquirltem Ei bestreichen und bei 185 Grad im Backofen in ca. 45 Minuten goldbraun backen. In Scheiben aufschneiden und mit Salat servieren.
Die Sorte Esprit ist eine Standard-Speisekartoffel, die sich sowohl für Salz- als auch für Pellkartoffeln eignet. "Wer gern Saucen isst, wird keine Bellana oder Anuschka mögen, sich vielleicht mit Esprit anfreunden; aber richtige Saucenfans lieben dazu Kartoffeln der Sorten Quarta oder Agria".
Daneben änderten sich die Essgewohnheiten. Der Frischverzehr von Kartoffeln nimmt eher ab, weil die Haushalte kleiner werden, sich ändern und wandeln. Da verarbeiten die Leute nicht mehr so viele Kartoffeln frisch wie vor vielleicht zehn, fünfzehn Jahren.
Keiner geht mehr her, kauft sich für eine oder zwei Personen die Kartoffeln und schält sie, um sie dann zu kochen oder zu braten, erläutert Böhm. Da seien die vielen Convenience-Produkte doch zu verlockend.
"Es wird kein Single-Haushalt bei uns auf dem Hof auftauchen, um Kartoffeln zu kaufen", da ist sich Uwe Böhm sicher. Außerdem müsse man berücksichtigen, dass der Stellenwert des Mittagsmahls gesunken sei und sich vielfach auf "Kurzmahlzeiten" reduziert habe, wo Kartoffeln nicht unbedingt hinein passten.
"Das heißt, sie passen schon hinein, man muss sie nur richtig zubereiten und servieren", korrigiert sich der Kartoffel-Experte; "das eigentliche Problem ist, dass ein Mars-Riegel schneller zu essen ist als eine Salzkartoffel". Das ist ein schauriger Vergleich, findet der Marktführer. Wo es doch so leckere Kartoffelgerichte gibt, die schnell gemacht sind. Rösti zum Beispiel, nur aus rohen, grob geraffelten Kartoffeln (die Späne halten wegen der Stärke gut zusammen). Dieser rasch in Butterschmalz knusprig gebratene Kartoffelfladen passt besser zu Salat, Gemüse, Fisch oder Fleisch als jedes Fertiggericht.
So bleibt denn auch Uwe Böhm gelassen und lässt sich nicht beirren: "Die vielen Fertigprodukte sind schon eine große und starke Konkurrenz, trotzdem macht die Kartoffel ihren Weg."
Auf dem Kohlbacher Hof hat man die Wahl unter vier bis fünf Sorten. Auch Regina Böhm, die einst als erste Odenwälder Kartoffelkönigin amtierte, lässt sich von ihrer Vorliebe durch nichts abbringen. Die Expertin für Kartoffelteig ist auch um ein Rezept nicht verlegen. Ihre Odenwälder Kartoffelrolle schmeckt mindestens genauso gut wie sie aussieht.
Kohlbacher Hof
Regina und Uwe Böhm (außerhalb, Richtung Groß Bieberau; Hinweisschild an der B 38) 64395 Brensbach (Odenwald) Telefon 06161-433, Fax 8502 E-Mail: Boehm-kohlbacher-hof@t-online.de Kartoffelverkauf ab Hof: Do, Fr, Sa von 8-12 und 14-18 Uhr.

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