Der Fall machte Schlagzeilen: Vor knapp einem Jahr, im April 2009, entkamen in Kassel zwei Braunbären aus einem Gehege des Zirkus Universal Renz. Während im Zelt die Vorstellung im Gange war, liefen die Tiere frei an einer Bundesstraße umher. Autofahrer alarmierten die Polizei. Als die herbeieilte, biss einer der Bären einem Polizisten ins Bein. Die Beamten erschossen das Tier. Die Polizei erstattet Anzeige.
Am kommenden Donnerstag nun hätte der Bären-Ausbruch vor dem Kasseler Landgericht verhandelt werden sollen. Der Zirkusdirektor und einer seiner Mitarbeiter, der für die Sicherheit des Geheges zuständig war, sollten sich wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung verantworten. Ihnen wurde vorgeworfen, die Vorschriften zur Haltung der Bären nicht ausreichend beachtet zu haben. Neun Zeugen sollten dazu gehört werden.
Dazu kommt es nicht mehr. Das Verfahren sei eingestellt worden, teilte die Kasseler Staatsanwaltschaft gestern mit. Der Zirkusdirektor solle ein Geldbuße von 1000 Euro zahlen; sein Mitarbeiter habe einen Strafbefehl über 50 Tagessätze erhalten. Über die Höhe der Tagessätze wurden keine Angaben gemacht.
Nach dem Vorfall waren nicht nur Vorwürfe gegen Zirkusdirektor Daniel Renz laut geworden. Auch die Frage, ob Bären überhaupt in einen Zirkus gehören, wurde diskutiert. Die Tierschutzbeauftragte des Landes Hessen, Madeleine Martin, forderte ein Verbot verschiedener Wildtiere im Zirkus - darunter Bären, Elefanten und Affen.
Das Thema sei nach wie vor aktuell, sagte Martin gestern der FR. In anderen Ländern gebe es solche Verbote. Es gehe dabei nicht nur um Tierschutz, sondern auch um die öffentliche Sicherheit. Zum Beispiel sei es nicht zu akzeptieren, dass Elefanten, für die jeder Zoo stabile Gehege haben müsse, "mitten in der Stadt hinter einem Elektrodraht" gehalten werden dürften.

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