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Kasseler Bündnis: Streit um Antisemitismus

Ein neues Kasseler Bündnis kritisiert die Friedensbewegung und spricht von "unterschwelligem Judenhass". Von Ralf Pasch

Die Anti-Israel-Demonstration in Kassel Anfang des Jahres.
Die Anti-Israel-Demonstration in Kassel Anfang des Jahres.
Foto: dpa

Sie wollen gegen den Antisemitismus vorgehen, "der mitten in der deutschen Gesellschaft verankert" ist. 20 Aktive haben ein loses "Bündnis gegen Antisemitismus" gegründet und sich jetzt erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Auslöser war eine Demonstration gegen den Gaza-Krieg, die im Januar in Kassel eskaliert war.

Im Focus der Kritik der Mitglieder steht das Kasseler Friedensforum, Teil des bundesweit aktiven "Friedensratschlags", der seit 1994 in Kassel tagt und unter anderem von der Arbeitsgruppe Friedensforschung der Kasseler Uni veranstaltet wird. Mitglieder der Friedensbewegung hatten die Kasseler Demonstration gegen den Gaza-Krieg im Januar organisiert. Zu den Teilnehmern gehörte die Islamische Gesellschaft Milli Görüs. Am Rande der Demo gab es einen Stand mit dem Motto "Israel will Frieden". Als der Protestzug dort vorbeizog, kam es zu verbalen, später handgreiflichen Auseinandersetzungen.

Danach beschlossen die Pro-Israel-Standbetreiber, weitere Aktionen zu veranstalten und mit einem Bündnis "das Monopol des Friedensforums zu brechen, wenn es um Frieden im Nahen Osten geht", so Jonas Dörge, einer der Gründer. Sein Mitstreiter Ralf M. Damitz hat "im Subtext vieler politischer Reden" einen "ehrbaren Antisemitismus" ausgemacht, der "scheinbar moralisch im Recht ist". Der Nahostkonflikt, sagt Damitz, liefere "Material, um alte Ressentiments mit neuen Inhalten zu füllen". Dem Friedensforum wirft er vor, Israel einseitig zu verurteilen und den Terror der Hamaz zu verharmlosen.

"Wer mir Antisemitismus unterstellt, der will mich diffamieren", wehrt sich der Sprecher des Friedensforums, Peter Strutynski. Es könne nicht angehen, dass der Friedensbewegung Antisemitismus unterstellt werde, sobald sie fordere, dass im Nahost-Konflikt "alle Parteien an einen Tisch müssen". Freilich war im Aufruf zur Demonstration im Januar Israel "die Hauptschuld" für den Konflikt zugeschrieben worden. Strutynski beteuert, "mit der Hamaz nichts am Hut" zu haben.

Das neue Bündnis ist wie das Friedensforum politisch eher dem linken Lager zuzuordnen. Das Bündnis wirft einigen Israel-Kritikern vor, sie würden "den Nahost-Konflikt auf die griffige Formel vom Kampf Unterdrückter gegen eine von den USA instrumentalisierte Besatzungsmacht" reduzieren, hinter einer "Pseudokritik am Kapitalismus" verberge sich "internationalistisch motivierter Antizionismus". Die Streiter gegen Antisemitismus wollen jedoch erklärtermaßen nicht in linksinternen Grabenkämpfen versinken. Sie knüpften Kontakte zur jüdischen Gemeinde, im November wollen sie sich an einer Veranstaltungsreihe zum Gedenken an den Holocaust beteiligen.

Autor:  Ralf Pasch
Datum:  8 | 6 | 2009
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