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Katharinenkirche: Großes Staubwischen an der Orgel

Wenn Martin Lücker dieser Tage die schnörkellose Holztreppe hinterm Kirchenraum von Sankt Katharinen zu seiner Orgel hinaufsteigt, dann nicht zum Arbeiten. Denn derzeit läuft die erste "Ausreinigung" des Instruments. Von Silke Schmidt-Thrö

Großstaubwischen in der Orgel von St. Katharinen
Großstaubwischen in der Orgel von St. Katharinen
Foto: FR/Boeckheler

Wenn Martin Lücker dieser Tage die schnörkellose Holztreppe hinterm Kirchenraum von Sankt Katharinen zu seiner Orgel hinaufsteigt, dann nicht zum Arbeiten. Seit vier Wochen ist der Organist und Musik-Professor nur Gast auf der Empore.

Denn ein Mann in Birkenstockschuhen und verstaubter Cordhose nimmt seit vier Wochen die Orgel in Beschlag. Statt auf der Klaviatur die Töne anzugeben, liegt Kurt Reinhard aber unter ihr und blickt gerade mit einem kleinen Handspiegel tief ins Innere des Instruments. Es ist Teil der Mission seines Teams: die erste "Ausreinigung" der Orgel.

Die Rieger-Orgel

Seit 8. Februar wird die Orgel der St. Katharinenkirche generalüberholt und anschließend neu auf den Klangraum der Kirche eingestellt. Es ist die erste Reinigung seit ihrem Bau 1990. Die Orgel besteht insgesamt aus 54 Registern und 4000 Pfeifen. Die größte misst über fünf Meter, die kleinste wenige Millimeter.

Organist und Kantor Martin Lücker spielt seit Anfang an auf dem Instrument. Während des Umbaus finden weiterhin Konzerte auf einer der beiden anderen Orgeln der Kirche statt. Ab 26.März soll es dann wieder Musik von der Rieger-Orgel erklingen. (prtrö)

Denn 20 Jahre Musik haben Spuren hinterlassen. Die kleinen Filzteile zwischen den vielen Gelenken der Ventile und Tasten sind abgenützt, Staub hat sich in den tausenden Pfeifen und dem Innenraum ausgebreitet. "Als wir kamen, war alles grau", erzählt Reinhard. Der Raum um die Orgel hat sich in eine Werkstatt verwandelt. Besen, Hammer, Leim, Holzstücke und Kabel liegen herum. Die Orgel selbst ist ein unfertiger Baukasten. Eine Pedalklaviatur steht ausgebaut in einer Ecke, Pfeifen liegen fein säuberlich aufgereiht auf einer Decke.

Seit vier Wochen sind der hagere 61-Jährige und seinen Kollegen Marianne Kort und Manfred Winder von der österreichischen Firma Rieger da. Der erste Stock des fünf Meter hohen Baus, das Hauptwerk, ist schon gereinigt. In einer Woche müssen sie komplett fertig sein. Denn dann kommt der Stimmer. Bis dahin werden sie fast jede Pfeife gereinigt haben, jeden einzelnen Mechanismus von der Taste bis zur Pfeife überprüft haben.

Und fast jeden Tag kommt Martin Lücker vorbei, fachsimpelt und blickt über die Schulter. Der Kantor und Hochschulprofessor für Orgelmusik kennt die Tasten und Register in- und auswendig, welche für den Kirchenbesucher hinter einem Wald von Pfeifen verborgen bleiben. Der normale Zuhörer habe es zwar nicht bemerkt, erzählt Lücker, aber er habe inzwischen Geräusche gehört, die die Tasten machen, den Staub in den Pfeifen gesehen. "Alles im Rahmen," meint er. Die Ausreinigung sei aber notwendig. " Das ist wie eine große Inspektion beim Auto", sagt Lücker. Und beim Mercedes unter den Orgeln kennt Kurt Reinhard jede Pfeife, jedes Gelenk. Vieles hat er selbst zusammengesetzt. Er war schon beim Bau der Orgel dabei.

Ziemlich viel Handarbeit

"Da ist es klar, dass man da wieder hingeht", sagt er. Ein bisschen stolz sei er natürlich auch, sagt er, während er im Hauptwerk der Orgel steht. Um die größten Pfeifen, die bis zu fünf Meter hohen Prinzipalen sauber zu bekommen, musste er noch einen Stock höher klettern, und per Leiter von oben putzen. Eigentlich ist er Werkzeugmeister, die Liebe zur Orgel hat ihn aber zum Orgelbaumeister gemacht. Er selbst spielt ab und zu, auch jetzt in der Katherinenkirche. "Manchmal setze ich mich am Abend noch hin und übe ein bißchen", erzählt er. "Die Freude am Beruf ist, dass man Sachen macht, die beständig sind."

Und dazu gehört vor allem Handarbeit. Die Filzteilchen werden ausgeschnitten, Teile neu verleimt, abgeschmirgelt. Die Orgelbauer der Vorarlberger Firma haben Kenntnisse in der Metallverarbeitung, im Schreinern, auch in der Elektronik. Denn das Gehirn des Instruments ist ein Speicherprozessor mit allen Registereinstellungen: die elektronische Setzeranlage. Weil der Computer veraltet war, wird er von einem Spezialisten ausgetauscht.

Ein Stück Arbeit auch für Martin Lücker. Weil die Daten nicht übertragen werden konnten, mussten die Klangeinstellungen abgeschrieben werden. Eingeben muss er sie selbst von neuem. "Das wird mich ein halbes Jahr kosten", schätzt er. Trotzdem. Ändern will er an der Orgel nichts: "ein perfekter Organismus". Ab 26. März zieht er wieder die Register der Rieger-Orgel, bis dahin kann Kurt Reinhard noch spielen.

Autor:  Silke Schmidt-Thrö
Datum:  6 | 3 | 2010
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