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12. September 2012

Katholische Kirche Diözese Limburg: "Das ist Absolutismus"

Der Dom in Limburg  Foto: dpa

Die fristlose Kündigung von Patrick Dehm, dem Leiter des Hauses der Begegnung in Frankfurt, macht die Zerrissenheit in der Diözese Limburg öffentlich. Christoph Hefter, Vorsitzender der katholischen Stadtversammlung, kritisiert scharf den Führungsstil des Bistums.

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Die fristlose Kündigung von Patrick Dehm, dem Leiter des Hauses der Begegnung in Frankfurt, macht die Zerrissenheit in der Diözese Limburg öffentlich. Christoph Hefter, Vorsitzender der katholischen Stadtversammlung, kritisiert scharf den Führungsstil des Bistums.

Herr Hefter, Sie haben dem Bischof geschrieben, dass Sie „fast verzweifeln an dieser Kirche“. Das sind starke Worte für den obersten Laien der Frankfurter Katholiken. Warum tun Sie diesen Schritt?

Weil mir was an der Kirche liegt. Ich bin katholisch sozialisiert, der Glaube ist mir wichtig und Lebensinhalt. Aber ich sehe, dass die Kirche gerade Wege geht, die sie kaputt machen können.

Das klingt, als ginge es Ihnen nicht nur um Protest gegen die Kündigung von Patrick Dehm.

Die Kündigung ist nur die Spitze des Eisbergs, da schlummert noch viel mehr. Wenn ich mit Kirchenmitarbeitern rede, stelle ich fest, dass Einschüchterung und Angst immer mehr um sich greifen. Dass die sich fragen: Darf ich das oder das noch sagen? Kritische Äußerungen werden lieber zurückgehalten. Aus dem Bischöflichen Ordinariat (Bistumsverwaltung, d. Red.) höre ich, die Stimmung dort sei sehr schlecht. Früher haben die einzelnen Dezernate immer wieder mal eigene Initiativen in den Diözesansynodalrat eingebracht, der den Bischof berät. Aber das passiert nicht mehr in dieser Weise.

Wer ist dafür verantwortlich?

Der Chef des Ordinariats ist Generalvikar Franz Kaspar. Da liegt die Hauptverantwortung, und der Bischof scheint das so laufen zu lassen. Das ist eine der Baustellen im Bistum, wo sich was ändern muss.

Zur Person
Christoph Hefter.

Christoph Hefter, 53, ist im Hauptberuf Richter am Landgericht Frankfurt und ehrenamtlicher Vorsitzender der Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken. Nach dem Gütetermin vor dem Arbeitsgericht wegen der fristlosen Kündigung Patrick Dehms, dem Leiter des Hauses der Begegnung in Frankfurt, durch das Bistum hat er in einem Brief an Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst seinem Ärger Luft gemacht.

Die Kündigung Dehms nennt Hefter darin einen „zum Himmel schreienden Skandal, der vom Generalvikar … zu verantworten ist“. Der Schritt erinnere an „eiskalte Kapitalistenmanier“.

Dehm müsse „voll rehabilitiert“ werden, fordert Hefter und kündigt an: „Ich stehe für weiteres Unter-den-Teppich-Kehren nicht zur Verfügung, sondern werde mich auch zu missliebigen Themen immer wieder äußern.“

Beim Bischof hat Hefters Schreiben offenbar Eindruck hinterlassen: Am späten Mittwochnachmittag, nachdem der führende Frankfurter Laienkatholik der Frankfurter Rundschau dieses Interview gab, erreichte ihn eine Email von Tebarz-van Elst mit der Einladung zu einem Gespräch in den nächsten Tagen. „Positiv überrascht“ ist Hefter darüber und hofft nun, dass „ich beim Bischof mit meinen Anliegen Gehör finde“.

Haben Sie schon mal persönlich mit dem Generalvikar sprechen können?

Nein. Auch jetzt, im Fall Patrick Dehms nicht, obwohl ich mich intensiv bemüht habe. Auch deshalb äußere ich mich jetzt so deutlich, weil der Generalvikar es nicht für nötig befindet, selbst mit dem obersten Laien der Frankfurter Katholiken zu sprechen. Allerdings hat er mich an Justiziar Sydow verwiesen. Das ist bezeichnend, so sieht die Gesprächskultur in der katholischen Kirche aus! Das ist wie im Absolutismus. Das muss sich unbedingt ändern. Es geht nämlich auch anders: Mit Stadtdekan Johannes zu Eltz pflege ich einen ganz anderen Umgang, einen auf Augenhöhe. Und der gehört als Domkapitular auch zur Spitze des Bistums.

Wie ist denn die Stimmung in den Frankfurter katholischen Gemeinden?

Vielfach gut, auch da herrscht Verunsicherung: Was kann ich sagen, was nicht? Wir setzen im Moment ja unglaubliche Umstrukturierungen um, durch die Zusammenlegung von Pfarreien zu sogenannten „Pfarreien neuen Typs“, also Großgemeinden. Der Prozess ist nötig, weil wir weniger Priester und Kirchgänger haben. Aber wir müssen auch inhaltlich diskutieren: Wo wollen wir hin, welches Glaubensverständnis liegt dem zugrunde? Das ist sehr arbeitsintensiv. Aber viele Mitarbeiter sind so unzufrieden, dass alles nur mit angezogener Bremse läuft. Das ist bedrückend.

Haben Sie Hebel, mehr Druck zu machen?

Wir als Laien und Synodale können das immer nur einfordern, wir können da, wo Beteiligungsmöglichkeiten sind, diese wahrnehmen. Wir können mahnen, beten … Und ich presche ja nicht als Einzelner vor. Die Unzufriedenheit wächst an allen Ecken und Enden. Es gibt inzwischen auch Priester, die das so nicht weiter hinnehmen wollen und das Gespräch suchen. Die wollen, dass sich grundlegend was ändert am Umgang miteinander. Die Laien und die nicht priesterlichen Mitarbeiter müssen ernst genommen werden. Und das geschieht im Bistum nicht ausreichend.

Was passiert, wenn sich nichts ändert?

Ich weiß es nicht. Im Moment steigt der Druck im Kessel. Wenn der Kessel platzt, ist nicht vorhersehbar, wo das hingeht.

Sind die Leute noch bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren?

Manche ziehen sich zurück, aber bei den letzten Pfarrgemeinderatswahlen war ich positiv überrascht über die Bereitschaft mitzumachen, gerade jetzt in dem großen Umstrukturierungsprozess. Aber, das sage ich ganz klar: Das Kirchenvolk ist nicht dumm. Diese Leute wollen ernst genommen werden, nur dann machen sie weiter mit. Wenn man die Kirche immer weiter klerikalisiert, wird man sie verlieren.

Das Interview führte Ursula Rüssmann

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