Es ist nicht zu übersehen. Jeder, der reinkommt, stolpert erstmal über eine Ansammlung von Bierkästen - und schon ist er mittendrin im Tabuthema Alkohol. Wie das Frankfurter HessenCenter und das Main-Taunus-Zentrum beteilgt sich auch das Isenburg-Zentrum an der bundesweiten Aktion "Alkohol? Kenne dein Limit!"
Die Reaktionen der Passanten sind gemischt. Manche bleiben vor den aufgetürmten Flaschen und Kästen stehen. Denn dort gibt es nur Informationstafeln und keine Menschen, die einem eventuell mit Fragen über den eigenen Alkoholkonsum löchern könnten. An den Informationsständen der verschiedenen Suchtberatungsstellen huschen aber die meisten Besucher des Isenburg-Zentrums rasch vorbei.
Info-Telefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) Tel. 0221/892031, Sucht & Drogen Hotline Tel: 01805/313031
Suchtberatung Blaues Kreuz, www.blaues-kreuz.de
Psychosoziale Beratungsstelle für Suchtkranke der Caritas, www.caritas-frankfurt.de
Anonyme Alkoholiker Interessengemeinschaft in Frankfurt, Tel. 069/5974274 , www.anonyme-alkoholiker.de
Guttempler-Gemeinschaft Hessen, Tel. 069/61990349, www.guttemplerhessen.de
Al-Anon Familiengruppen, www.al-anon.de
Suchthilfezentrum Wildhof in Offenbach, Tel. 069/9819530 , www.shz-wildhof.de
Diakonisches Werk Darmstadt Suchtberatungf, Tel. 06151/9260, www.diakonie-darmstadt.de
Hessische Landesstelle für Suchtfragen, Tel. 069/71376777, www.hls-online.org
Zentrum für Jugendberatung und Jugendhilfe, www.drogenberatung-jj.de
Ja nicht zu lange hinsehen, sonst könnte einer denken, man habe seinen Umgang mit Alkohol nicht im Griff. Zum Glück gibt es in dem Einkaufszentrum genügend Geschäfte, in die man sich flüchten kann. "Alle gucken uns an und gehen dann aber doch meist weiter", sagt Maria Amann vom Verein Calla, der mit einem Beratungsstand vertreten ist. Sehr überrascht sei sie nicht von dieser Reaktionsweise. "Die Idee der Veranstaltung ist das Interesse an den Gefahren, die durch Alkoholkonsum entstehen, zu wecken, und das funktioniert schon durch unsere Präsenz", sagt sie weiter.
Und präsent ist das Thema Alkohol in den drei hessischen Einkaufszentren noch bis Samstag zweifellos. Neben der Theorie, den Infotafeln, die über die Wirkung und Gefahren des Alkoholkonsum aufklären, können die Leute auch anhand verschiedener Aktionen die Wirkung des Alkohols selbst testen.
"Ich hätte nicht gedacht, dass der Alkohol mein Sichtfeld tatsächlich so stark einschränkt", sagt ein Student, der gerade den Parcours mit einer Rauschbrille, die ihm einen Promillestand von 1,3 Promille vorgaukelt, eher schwankend durchlaufen hat. Seinen Namen nennt er aber nicht. "Ich war vielleicht mal eine Säuferin, habe aber dazu gelernt. Ihr anscheinend nicht", brüllt eine Schülerin auf der Bühne des interaktiven Showtheaters. Auf dieser Bühne können Schülerinnen und Schüler geladener Schulklassen ihren Gefühlen zum Thema Alkohol freien Lauf lassen.
Es ist auffallend, dass Kinder und Jugendliche unverkrampfter mit der Aktionswoche umgehen als Erwachsene. Es wird viel gelacht, aber es werden auch viele Fragen gestellt. "Das ist ja krass, dass sogar im Senf und in der Schwarzkirschmarmelade etwas Alkohol enthalten ist", sagt ein Schüler aus Neu-Isenburg.
Krass ist aber auch der Pro-Kopf-Verbrauch der Bundesbürger im Jahr 2007: 111, 7 Liter Bier, 20,6 Liter Wein, 3,7 Liter Sekt und 5,6 Liter Spirituosen. Jeder 20. Bürger trinkt sogar das siebenfache dieser Menge. "Es gibt doch genug andere Getränke, die sehr gut schmecken. Da muss doch nicht immer Alkohol getrunken werden", lautet Erika Kimpels Kommentar zum Verbrauch der Deutschen.
Die Aufklärung und die Hilfestellung sei ein wichtiges Anliegen der verschiedenen Verbände, die hier ausstellen, sagt Yvonne Lahne vom Suchthilfezentrum Wildhof.
Aber Hilfe gibt es während der Aktionstage im Isenburg-Zentrum nicht nur für die, die dem Alkohol verfallen sind, sondern auch für deren Angehörige.
"Alkoholismus trifft die ganze Familie", so Gisela von Al-Anon, der Angehörigengruppe der Anonymen Alkoholiker. Und dass Alkoholismus bis heute ein Tabuthema sei, verschlimmere oftmals die Situation der betroffenen Angehörigen.
Präsenz zeigen und sich dennoch nicht aufdrängen - dies scheint der einzig mögliche Weg zu sein, dieses Thema an die Öffentlichkeit heranzutragen.

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