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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

21. Januar 2010

Kinder- und Jugendforschung: Der Kinder Selbstwertgefühl fördern

 Von Alicia Lindhoff
Auch Kinder aus schwierigen Familien können hochentwickelt sein.  Foto: FR/

Es gibt Kinder, die sich trotz schwierigster Lebensumstände völlig unbeschadet entwickeln. Das haben Freiburger Sozialpädagogen herausgefunden. Im Gallus haben sie geschaut, wie die Praxis aussieht. Von Alicia Lindhoff

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Forschung in Kitas

Das Projekt "Prävention zu Verhinderung von Exklusion - Förderung der seelischen Gesundheit in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung in Quartieren mit besonderen Problemlagen" bedient sich bundesweit sechs Kindertagesstätten. Die Finanzierung haben das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung übernommen.

Von 2004 bis 2008 führte das Sigmund-Freud-Institut seine Frankfurter Präventionsstudie durch, bei der in 14 Frankfurter Kitas Maßnahmen zur Prävention aggressiven Verhaltens im Kindesalter auf ihre Wirksamkeit getestet wurden.

Die Ergebnisse der Studie führten unter anderem zu heftigen Diskussionen über die inflationäre Vergabe von Ritalin an verhaltensauffällige Kinder ohne adäquate psychologische oder ärztliche Untersuchung im Vorfeld.

Armut, Migrationshintergrund oder oder eine instabile familiäre Situation - alles das sind Faktoren, die Kinder in ihrer Persönlichkeitsentfaltung negativ beeinflussen können. Da ist man sich in der Forschung weitgehend einig. Lange ging man davon aus, dass dieses Übel ausschließlich an seiner Wurzel zu packen sei, etwa durch Bekämpfung der Armut.

Mittlerweile haben Wissenschaftler Erstaunliches herausgefunden: "Es gibt Kinder, die sich trotz schwierigster Lebensumstände völlig unbeschadet entwickeln ", sagt die Sozialpädagogin Maike Rönnau-Böse vom Zentrum für Kinder- und Jugendforschung der Uni Freiburg. "Man kann also davon ausgehen, dass Kinder eine Widerstandskraft besitzen, die nicht nur mit äußeren Umständen zusammenhängt." Mit der inneren Stärke von Kindern aus problematischen Verhältnissen befasst sich Rönnau-Böse seit Jahren. Sie ist der Meinung, dass eine Förderung dieser Stärke von klein auf extrem wichtig für die Kinder ist.

Soweit zur Theorie, aber wie sieht es in der Praxis aus: Was macht Kinder stark, um Widrigkeiten des Lebens auszuhalten? Um das herauszufinden, arbeiten Rönnau-Böse und ihr Team mit Betreuungseinrichtungen in problematischen Vierteln Frankfurts zusammen. Eine davon ist die Caritas-Kita "St. Martin" im Gallus, in der ein Großteil der Kinder Migrationshintergrund hat. Seit Oktober 2008 wird dort das von den Freiburger Wissenschaftlern entwickelte Konzept "zur Förderung der seelischen Gesundheit" angewandt.

Alle Kinder nehmen an einem zehnwöchigen Kurs teil, in dem gezielt ihr Selbstwertgefühl gefördert werden soll. So bekommt etwa jedes Kind ein "Stärkenbuch". Sachen wie "Ich lache viel" und "Meine Freunde spielen gerne mit mir" werden da vermerkt. Wenn ein Kind mal an sich zweifelt, wird das Buch ausgepackt: "Die Kinder sehen dann: Du kannst etwas. Du bist etwas." erläutert Kita-Leiterin Eleni Chaita.

Um einen Ansatz zu schaffen, der "alle Ebenen umfasst, die das Kind umgeben", wurden außerdem für die Eltern eine wöchentliche Familiensprechstunde und Elternkurse eingeführt. Die Angestellten erhalten sechs Fortbildungen, um später "die Ressourcen und Kompetenzen eines Kindes zu erkennen, anstatt sich nur mit dessen Problemen zu beschäftigen."

In einer Befragung aller beteiligten Kinder, Eltern und Erzieher zeigten sich nach der Halbzeit des Projektes nun schon positive Ergebnisse" Die Kinder in St. Martin fühlten sich viel selbstbewusster als vorher und trauten sich auch schon eine Menge mehr zu.

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