Seit Dienstag sind sie wieder auf Frankfurts Bürgersteigen, Plätzen und Straßen unterwegs: Rund 6300 Erstklässler machen sich derzeit allmorgendlich auf den Weg zur Schule und laufen mittags wieder nach Hause. Erhöhte Vorsicht ist deshalb geboten, sagt Verkehrsdezernent Lutz Sikorski am Mittwoch - auch wenn sich die Stadt gut gewappnet sieht, und es seit zwei Jahren in Frankfurt keinen tödlichen Unfall mit Kindern gegeben hat.
Vielen Erwachsenen falle es schwer, "sich in die Augenwelt von Kindern hineinzuversetzen", sagte der Stadtrat. Doch müssten diese berücksichtigen, dass die Jungen und Mädchen meist weder über Autos hinwegschauen noch hören könnten, aus welcher Richtung sich ein Fahrzeug nähert. Auch könnten die Kinder keine Bremswege abschätzen. "Erwachsene müssen versuchen, Kinder richtig einzuschätzen", sagt Sikorski, "dass sie sich kindgerecht verhalten und nicht wie Erwachsene."
In einer Mobilitätsfibel für Erstklässler nennt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Alternativen zum "Eltern-Taxi".
Es sei ein Irrtum, dass Kinder im Auto am sichersten seien, so der VCD, da fast die Hälfte aller im Straßenverkehr verunglückten Kinder im Auto sitzen.
Vor allem gestresste Eltern, die ihre Kinder in Eile zur Schule fahren oder dort abholen, stellen nach Ansicht des Verkehsclubs eine Gefahr dar.
Erhältlich ist die Fibel beim VCD Frankfurt unter der Rufnummer 43 19 89, im Internet unter www.vcd-frankfurt.de.
Wichtig sei auch, dass Mütter und Väter die Schulwege gemeinsam mit ihren Kindern abgingen. Auf diese Weise könnten gefährliche Bereiche erkannt und besprochen werden, sagte der Verkehrsdezernent. Er appellierte zudem an Eltern und ältere Geschwister, sich im Straßenverkehr stets richtig zu verhalten, "sie sind die ersten Vorbilder. Ihr Fehlverhalten wird weitergegeben."
In den vergangenen Jahren habe die Stadt erfolgreich die Verkehrssicherheit verbessert, sagt Sikorski. 2008 seien 30 Sechs- bis 13-Jährige auf dem Schulweg verunglückt, 2007 waren es noch 39 gewesen. Insgesamt ging die Zahl der bei Unfällen verletzten Kinder auf 175 zurück - im Jahr zuvor waren es 214. Viele Unfälle ereigneten sich, weil die Kinder unvermittelt auf die Fahrbahn liefen, berichtete der Leiter der Direktion Verkehrssicherheit der Polizei, Lothar Kilian. Auch das plötzliche Abbiegen mit dem Rad komme häufig vor. In letzter Zeit sei zudem die Zahl der ungesichert im Auto mitfahrenden Kinder angestiegen. "Und viele gefährliche Situationen entstehen, weil Eltern vor den Schulen wild parken."
Dass die Zahl der Unfälle zurückgeht, ist laut Sikorski ein Erfolg der Verkehrsüberwachung. So gebe es inzwischen in den flächendeckend an allen Schulen und Kindergärten geltenden Tempo 30-Zonen Radarkontrollen. Ziel sei nicht, so viele Knöllchen wie möglich zu verteilen. "Wir wollen den Druck erhöhen, damit die Gefährdung geringer wird." In diesem Jahr sollen 800 000 Autos vor Schulen und Kindergärten überwacht werden.

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