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Kinderbarometer: Eltern sollen sich einmischen

Eltern können aufatmen: dem Kinderbarometer zufolge fühlen sich knapp drei Viertel der hessischen Kids wohl in ihren Familien. Viele wünschen sich aber mehr väterliche Zuwendung. Von Grete Götze

Vielen Kindern geht es richtig gut in Hessen.
Vielen Kindern geht es richtig gut in Hessen.
Foto: Andreas Arnold

Eltern können aufatmen: dem Kinderbarometer zufolge fühlen sich knapp drei Viertel der hessischen Kids wohl in ihren Familien. Sieben Prozent sind dagegen überhaupt nicht glücklich.

"Familien erbringen eine Leistung, die zu wenig gewürdigt wird", sagt Ulrich Kuther von der Hessenstiftung "Familie hat Zukunft". Die Studie zeige, dass Kindern nicht nur materielle Werte wichtig seien, sondern vor allem die gemeinsam verbrachte Zeit mit den Eltern.

Kinderbarometer

Die Einrichtung befragt seit 1997 jährlich mehrere Tausend Kinder in eigener Sache. Sie werden per Bogen dazu befragt, was sie bewegt.

In Hessen wurden im Winter 2008 insgesamt 728 Kinder zwischen 9 und 14 Jahren befragt.

Die Kosten übernehmen die LBS Hessen Thüringen und die Hessenstiftung "Familie hat Zukunft". Partner ist der Deutsche Kinderschutzbund, ausgewertet wurden die Ergebnisse vom ProKids-Institut.

Schirmherr ist Jürgen Banzer, hessischer Minister für Arbeit, Familie und Gesundheit. (greg)

Freuen können sich insbesondere die hessischen Mütter; sie kommen bei ihren Kindern gut weg. Drei Viertel der Befragten bescheinigen ihren Mamas das richtige Interesse an Schulleistungen, Problemen und Hobbies. "Ich finde, dass sich meine Mutter zu viele Sorgen macht", kontert die zehnjährige Mandy, die auf die Frankfurter Holbeinschule geht. "Aber ich bin sowieso eher ein Papakind."

Die hessischen Väter scheinen auch einiges richtig zu machen: 63 Prozent teilen mit ihrem Vater ein Hobby. "Gemeinsame Aktivitäten mit dem Vater sind wichtig, denn er spielt für das Wohlbefinden der Kinder eine große Rolle", so Kuther. Kritikpunkt der Kinder: mehr als ein Drittel findet, ihr Vater interessiere sich zu wenig für ihren Freundeskreis. "Eltern sollen sich einmischen, Kinder sind davon nicht genervt", sagt Claudia Preißner vom Institut "ProKids".

Jürgen Banzer leitet aus der Studie ab, dass sich die Rolle des Vaters verändert hat. "In meinem Heimatkundebuch stand noch: Der Vater ist das Familienoberhaupt, die Mutter sorgt sich um die Kinder, und die sind der Segen der Familie." Das sei heute anders, auch Väter müssten sich Zeit für ihre Kinder nehmen.

Eine direkte politische Verantwortung für das Wohlbefinden von Kindern weist Banzer zurück. Das sieht die Hessische Vorsitzende des Kinderschutzbundes Verone Schöninger anders: "Es muss mehr Geld in die Bildung von Kindern investiert werden", fordert sie.

Gewalt kein Thema

Florian Lindemann vom Frankfurter Kinderschutzbund kritisiert, dass in der Studie keine Fragen zu Gewalterfahrungen gestellt wurden. "Und warum taucht das Wort Kinderschutz im Hessischen Schulgesetz nicht auf?"

Edna, die auf die Herderschule in Frankfurt geht, kritisiert die schulische Fixierung auf Noten. "Freies Lernen ist besser als Noten geben, die verursachen nur Eifersucht", sagt die 14-Jährige. Die Studie ergab, dass sich jedes sechste bis siebte hessische Kind nicht wohl in der Schule fühlt.

"Wir wollen, dass sich noch mehr Kinder gut fühlen", sagt Schöninger. Zum Beispiel jene, deren Familien von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

Unabhängig von der beruflichen Situation und der Herkunft der Eltern gilt: Je sensibler die Eltern gegenüber den Interessen ihrer Kinder sind, desto mehr achten sie auch auf ihre Ernährung.

Autor:  Grete Götze
Datum:  11 | 3 | 2010
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